Kurs: Basiswissen für Selbstständige

1.1.1 Recherche und Ideenfindung

Mehrfach in unserem Leben stehen wir vor Umbrüchen. Wir wollen uns verändern. Manchmal ist es nur so ein Gefühl der Unzufriedenheit mit unserem bisherigen Leben, manchmal zwingen uns jedoch unsere Lebensumstände zu Veränderungen. Welche Motive bzw. Umstände uns auch immer bewegen, oft gehört der Drang nach mehr Selbstbestimmtheit, nach Unabhängigkeit zu den vordergründigen Motiven von Veränderungen.

Womit könnte ich zukünftig meinen Lebensunterhalt sichern Eine Idee muss her! Ein verkaufsfähiges  Produkt oder eine nachgefragte Leistung zu finden, ist nicht einfach. Aber Tausende haben es vor uns geschafft, da muss doch was zu machen sein! Aber wie Was könnten wir denn anbieten Wofür würden z.B. meine Freunde, meine Bekannten Geld ausgeben

Die Produkte und Leistungen machen den Kern des Angebotes aus. Sie sind gewissermaßen Träger des Nutzens für den Kunden. So, wie der Kunde die angebotenen Produkte und Leistungen wahrnimmt, so wird er schließlich seine Kaufentscheidung treffen.

Bei der Suche nach Ideen für verkaufsfähige Produkte und Leistungen werden wir nur erfolgreich sein, wenn wir uns der Frage stellen:

Was braucht der Kunde oder was könnte er benötigen

Für ihn ist uninteressant, was der Gründer kann oder will. Für ihn zählt nur der Nutzen, der mit dem Angebot, mit dem Produkt oder der Leistung geboten wird. Die Geschäftsidee ist ohne Zweifel das A und O in der Verwirklichung einer eigenen Existenzgründung.
Jedoch ist keineswegs die Qualität der Idee allein schon ausschlaggebend für den Erfolg einer Unternehmung.

Welche Bestandteile hat eine Geschäftsidee

  1. Die Idee muss die Beschreibung des Produktes bzw. der Dienstleistung beinhalten, mit deren Hilfe Bedürfnisse des Kunden befriedigt werden. Zum Angebot gehören die fachlichen, intellektuellen, wirtschaftlichen und finanziellen Fähigkeiten des Gründers, das Angebot auch gewährleisten zu können.
  2. Ausgangspunkt der Überlegungen sollte nicht allein das sein, was der Gründer gerade so kann, sondern das, was der Markt fordert (Nachfrage). Erst dann muss sich der Gründer die Frage beantworten, ob er in der Lage ist, das, was nachgefragt wird, anzubieten.
  3. Zwingender Bestandteil der Idee ist der Bezug zum Kunden. Es geht ja nicht, wie leider zu häufig praktiziert, um eine „Idee für mich“ sondern um eine Idee, die mit einem konkreten Nutzen für den Kunden verbunden ist. Der Kundennutzen ist damit die Schnittmenge von Angebot und Nachfrage.

Was zeichnet eine gute Idee aus

Sehr zäh hält sich das Vorurteil, das eine gute Idee immer neuartig sein muss. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass häufig erst im zweiten Anlauf eine neue Idee erfolgreich in ein Geschäftsmodell umgesetzt werden konnte. “Die Letzten werden die Ersten“ sein, gilt auch sehr häufig im Wirtschaftsleben.

Es existiert nichts auf dem Markt, das man nicht besser machen könnte. Also ist auch die Nachahmung, ohne gewerbliche Schutzrechte (darüber wird im Punkt 4.2 noch genauer informiert) anderer zu verletzen, ein legitimes Mittel zum Aufbau eines eigenen Unternehmens.

Einziges Kriterium bleibt:

Mit wenig Aufwand höchstmöglichen Nutzen für den Kunden anbieten.

Wie findet der Gründer eine geeignete Idee

Ein Patentrezept gibt es natürlich für das Auffinden einer geeigneten Geschäftsidee nicht. Ideen können ebenso in der Kneipe, wie im Labor, sie können systematisch oder durch Zufall gefunden werden. Die Qualität ist davon in der Regel unberührt.

Daneben gibt es skrupellose Geschäftemacher, die den Verkauf „toller Ideen“ zu ihrer Idee gemacht haben. Da die Medien immer wieder solche Inserate abdrucken, scheint es doch ein lukratives Geschäft zu sein, mit der „Ideenlosigkeit“ anderer Geld verdienen zu können. Zumal es weit einfacher ist, eine „Idee“ im Kopf oder selbst auf dem Papier zu haben, als sie durchzusetzen und daraus ein erfolgsträchtigesGeschäftsmodell zu entwickeln, das von den Kunden angenommen wird. Also Vorsicht vor vereinfachenden Ideenbörsen oder Angeboten, die versprechen, mit nur wenig Einsatz schnelles Geld zu verdienen!

Gibt es gar keine Tipps für Geschäftsideen

Doch, die gibt es. Analysiert man erfolgreiche Geschäftsideen der Wirtschaftsgeschichte wird das deutlich.

  1. Der erste Grundsatz ist: hinhören, den Markt beobachten und aufspüren, was die Kunden sich wünschen, aber eben so nicht erhalten. Zuhören, was im Alltäglichen abläuft, ist meistens erfolgsträchtiger als „Hirngeburten“, die verzweifelt das „Neue“ erzwingen wollen. Zumal das „Neue“ nur zu häufig eben nicht das Bessere ist.

  2. Der zweite Grundsatz lautet: nicht statisch denken. Was heute funktioniert, muss  morgen nicht mehr so sein. Wer zur Quelle will, lautet ein altes deutsches Sprichwort, der muss gegen den Strom schwimmen. Hier liegt eine Chance für Quereinsteiger, die häufig ohne Betriebsblindheit, bekannte Lösungen des einen Gebietes erfolgreich auf das andere übertragen.

  3. Der dritte Grundsatz ist: befragen oder testen. Nichts sollte ohne frühzeitige Einbeziehung des Kunden erfolgen. Im Kunden steckt das größte Innovationspotential. Er allein ist das Wahrheitskriterium der Idee.

Wo findet der Gründer seine Idee

  • Auf dem Markt, bei erfolgreichen Wettbewerbern,

  • durch Angebote für Betriebsübernahmen,

  • auf Messen, Fachmessen, Ideenmessen,

  • in der Fachliteratur

  • bei Franchisebörsen.

Worin besteht der Quell immer neuer Ideen

Der enorme Verdrängungswettbewerb lässt immer wieder Gründer daran zweifeln, ob denn überhaupt noch etwas Neues möglich ist.

Wir lebten zu keiner Zeit in einer geschlossenen Gesellschaft, noch viel weniger in der heutigen. Durch die enormen Möglichkeiten an Informationsbeschaffung und der Globalisierung der Märkte sowie durch den rasanten Wissenszuwachs entstehen neue Nachfragen ebenso rasch, wie Etabliertes zu Grunde geht. Die Dynamik vernichtet täglich Erprobtes, Bewährtes und schafft damit zugleich Raum und die Chance für Neues.


Nur einige Beispiele seien genannt:

Entwicklung der Technologie.

Vor 15 Jahren war an Info-Broker, Web-Designer, Content-Redakteure oder e-Learning Tutoren, noch nicht zu denken.

Veränderungen des Rechtes und rechtlicher Rahmenbedingungen.

Die Einführung z.B. neuer Abgasnormen, die Liberalisierung des Arbeitsmarktes, oder eventuell die Abschaffung der Meisterprüfung als Zugangsvoraussetzung für bestimmte Gewerke, all das schafft neue Räume für wirtschaftliche Selbständigkeit.

Veränderungen der Politischen Rahmenbedingungen

Allein mit der EU-Osterweiterung ergeben sich eine Reihe wirtschaftlicher Möglichkeiten auch für die Gründung neuer Existenzen. Im- und Export werden weiter zunehmen, Dienstleitungen z.B. zur Überwindung der sprachlichen und kulturellen Barrieren werden schon heute nachgefragt.

Trends, Mode

Wenn Holzhäuser wieder mehr im Trend liegen, eröffnet das Chancen für in dieser Branche tätige Unternehmer. Wenn Tatoos oder Piercings „in“ sind, haben Kosmetikstudios neue Handlungsfelder. Wenn der offensichtliche Trend zu stärkerem Urlaub in der eigenen Region anhält, verschafft das der regionalen Tourismusindustrie weiteren Aufschwung.
Und so weiter und so fort.