1.1.2.4 Informationsquellen für die Marktanalyse
Zeit und Geld sind in den meisten Fällen für die Informationsbeschaffung erforderlich. Um mit beidem sparsam umzugehen, helfen die Auswahl der Quellen und die zeitliche Abfolge ihrer Bearbeitung.
Zu den Informationsquellen der Unternehmer gehören:
Statistische Quellen (Jahrbücher, „Wer ist Wer in Deutschland)
Handelsregister (frei zugänglich auch über das Internet, liefert Informationen u.a. zur Struktur, Eigentumsverhältnissen bei Wettbewerbern, eventuell auch bei Kunden)
Zeitungen und Zeitschriften branchenübergreifender Natur („Pro Firma“, „Wirtschaft und Markt“, „Die Wirtschaft“….) und branchenspezifischer Natur („Der Architekt“….)
Mitarbeit oder Mitgliedschaft in Verbänden, Vereinen nationalen bzw. regionalen, manchmal auch nur mit örtlich begrenzter Ausstrahlung (Wirtschaftskreise, Unternehmerverbände….)
Branchenbriefe der Banken (bei der Volksbank sind über 100 Branchenbriefe käuflich zu erwerben)
Marktstudien beauftragter Marketingunternehmen
Eigene Marktrecherchen wie Einholung von Wettbewerbsangeboten, statistische Erfassung potentieller Kunden zu unterschiedlichen Wochen- und Tageszeiten usw.
Angesichts der Vielzahl der erforderlichen Informationen erhebt sich die Frage:
Wie erhalte ich diese Informationen:
- Untersuchungen können in Form von Befragungen, Beobachtungen oder Tests durchgeführt werden (Primärforschung). Durch diesen direkten Dialog mit dem Kunden oder mit Hilfe von Preisausschreiben, Wettbewerben, kostenlosen Probeangeboten usw. erhalten sie unmittelbar Informationen über den Kunden.
- Ein weiterer Weg ist das Sammeln und Analysieren bereits vorhandener Daten (Sekundärforschung), die uns z.B. über die Medien zugänglich sind.
Wie erfolgt die Erhebung von neuen Daten
Selbst wenn die Marktforschung teilweise mit erheblichem Zeitaufwand und auch finanziellen Aufwendungen verbunden ist, sind die Kosten gering im Vergleich zu vollen Lagern, nicht eingetroffenen Teilnehmern oder abgesagten Dienstleistungen.
Einen falschen Standort aufzugeben, oder neu gekaufte Investitionsgüter sofort wieder verkaufen zu müssen, wird in jedem Fall teurer. Der Haken dabei ist, wie so häufig im Leben, man sieht diese Zusammenhänge erst, wenn es fast zu spät ist. Wenn sich ein Unternehmer entschließt, neue Daten als notwendige Voraussetzung für Entscheidungen zu erheben, dann bedarf dies einer gewissen Vorbereitung.
Schauen wir uns dafür den Prozess der empirischen Markterforschung etwas näher an.
Der Prozess kann in 6 Phasen unterteilt werden:
| 1. Problemdefinition | Festlegung der Fragen, die ich beantwortet haben möchte |
| 2. Konzepterstellung | Festlegung der Kosten, Dauer, Beteiligte, Methode |
| 3. Datenerhebung | Realisierungsphase |
| 4. Datenaufbereitung | Zusammentragen der Ergebnisse, Datenkomprimierung |
| 5. Datenauswertung | Interpretation, Analysephase, Bewertung |
| 6. Marktbericht | Dokumentation, Schlussfolgerungen |
Alle Schritte sind gleichermaßen wichtig!
Wenn Sie nicht klar die Fragen benennen, die Sie beantwortet haben möchten, laufen Sie Gefahr einen weiteren Datenfriedhof zu produzieren. Daten allein sagen meist nichts. Nur in Verbindung zum Umfeld und durch ihre Beziehung zu schon gesicherten und interpretierten Angaben ergeben sich neue Informationen.
Ohne klare Fragen - keine klaren Antworten
Zuweilen kann es ratsam sein ein Mix der eingesetzten Formen und Methoden zu wählen, um deren Vorzüge und Schwächen besser ausgleichen zu können.
Rezepte z.B. für die Wahl des Einsatzes schriftlicher oder mündlicher Befragungen gibt es nicht.
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Schriftliche Befragung |
Mündliche Befragung |
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Attribute |
- Standardisierte Messinstrumente - Bereitstellung für die Teilnehmer in schriftlicher Form |
- freie Interviews, als Gespräch - standardisierte Interviews - direkt oder durch Interviewer |
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Vorteile |
- kostengünstig - breite Teilnahme möglich - gute Auswertungsmöglichkeit - geringere Beeinflussungsmöglichkeit - Daten transparenter |
- Erfolgsquote der Teilnahme relativ hoch - differenzierende Zusatzinformationen möglich |
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Nachteile |
- geringe Rücklaufquote - Befragungssituation nicht kontrollierbar |
- Kürze des Telefoninterviews - bei Interviewern hohe Kosten - Randbedingungen später schwer nachvollziehbar |
Die Durchführung von Tests hat sich für Existenzgründer schon in der ersten Phase des Bestehens ihres Unternehmens bewährt, in der Sie objektiv noch eine Unsicherheit dem Markt gegenüber verspüren.
Im Ergebnis solcher Tests ist es möglich recht schnell Korrekturen an der eigenen Unternehmenspolitik durchzuführen, insbesondere im Hinblick des Einsatzes der Marketinginstrumente.
Tests lassen sich für alle marketingpolitischen Instrumente durchführen:
- Produkttest
- Preistest
- Kommunikationstest
- Distributionstest
z.B. Qualität, Gewicht, Bedienbarkeit, Formgebung
z.B. Zahlungskonditionen, Höhe, Schmerzgrenze
z.B. Spontanreaktionen, Erinnerungsvermögen, Gefühlsreaktionen
z.B. Standortfragen, Wartezeiten
Wie können Sie eine empirische Marktuntersuchung mit Fragebogen gestalten
Die Befragung ist eines der ältesten und bewährtesten Mittel der Marktforschung. Jeder Unternehmer kann sich dieser vergleichsweise kostengünstigen Methode bedienen. Auch hier ist zunächst die Frage zu beantworten, welche Daten benötige ich, um welche Entscheidungen sachkundiger treffen zu können. Davon ausgehend sind die Fragen zu formulieren, deren Reihenfolge zu bestimmen und die Antwortmöglichkeiten der Probanden festzulegen.
Methodisch gilt es dabei wenigstens zwei Dinge zu beachten.
Erstens: die Art der Fragestellung.
Zweitens: die Art der Antwortmöglichkeit.
Es sind, wie im täglichen Leben auch, verschiedene Arten von Fragen möglich:
| direkte Frage | genaue, eindeutige Antwort |
z.B. wie heißt Ihr Unternehmen
| indirekte Frage | ergänzende oder zustimmende Antwort |
z.B. Was meinen Sie zum Hartz Konzept
| offene Frage | Frage ohne vorgegebene Antwortmöglichkeit |
z.B. Könnten Sie mir Ihr Preiskonzept erläutern
| geschlossene Frage | Frage mit vorgegebener Antwortmöglichkeit |
z.B. Wie viel Kunden haben Sie 0-3, 4-20, mehr als 20
Die Art der Fragen hat wiederum einen direkten Einfluss auf die Art der Antwortmöglichkeiten. Bei der Bestimmung der Antwortmöglichkeit muss das Skalenniveau beachtet werden. Wir kennen wenigstens vier Skalentypen:
Nominalskala:
Ja/NeinOrdinalskala:
RangfolgeIntervallskala:
Gleichheit der Abstände, mit angenommenem NullpunktVerhältnisskala:
absoluter Nullpunkt und Messwerte in Relation dazu
Bei verschiedenen Skalentypen sind nur bestimmte statistische Auswertungsverfahren zulässig.
Bekanntlich bringt es nichts, Äpfel mit Birnen zu vergleichen, zumindest nicht, wenn man die Apfelproduktion steigern möchte.
