1.2.1.2 Kaufverhalten und Kundentypologie
Kaufentscheidungen laufen sehr unterschiedlich ab.
Der Kauf eines Brotes kann für den Einen ausschließlich eine Frage der Befriedigung des aktuellen Hungergefühls sein, während es für den anderen verbunden ist mit Fragen nach der Gesundheit, der Einhaltung von Diätvorschriften, der Haltbarkeit usw.
Um es noch plastischer zu machen, ein anderes Beispiel: Der Kauf einer Zahnbürste ist in der Regel mit anderen Überlegungen verbunden als der Erwerb eines Autos. Man unterscheidet hier nach dem unterschiedlichen Grad der „Ich- Beteiligung“ der Persönlichkeit des Käufers, zwischen High und Low Involvement. Das Involvement bestimmt sich in der Regel, nach dem Grad des wahrgenommenen Kaufrisikos.
Neben dem Involvement gibt es weitere unterschiedliche
Arten des Kaufverhaltens,
dazu zählen:
Extensives Kaufverhalten
verbunden mit intensiver Informationssuche
Limitiertes Kaufverhalten
Benutzung von Vereinfachungsstrategien
Gewohnheitsmäßiges Kaufverhalten
Nutzung der Routine als Vereinfachung
Abwechslung suchendes Kaufverhalten
das Neue suchend
Impulsives Kaufverhalten
typisch sind Spontankäufe
Die Triebkräfte und Motivationen für unterschiedliches Kaufverhalten zu bestimmen ist eine äußerst komplizierte Angelegenheit, da viele Entscheidungsstrukturen auch für den Käufer selbst, im Unterbewusstsein ablaufen.
Zu diesen komplizierten Segmentierungskriterien gehört das Wertesystem der Zielgruppe. So gab IKEA eine Studie in Auftrag, um das Angebot an seine Kunden bei möglichst geringem Kapitaleinsatz zu bestimmen. Man fand heraus, dass sich die Kunden in 7 typische Gruppen in Bezug auf ihre Wertvorstellung als Kaufmotiv untergliedern ließen. Dabei stellte sich heraus, dass zwei Kundengruppen zusammen über 50 % des Umsatzes erbrachten. Nicht Funktionalität sondern modisches Design, nicht Langlebigkeit sondern Trendsetter wurden gesucht. Diese Gruppen waren auf schnelllebige, vergleichsweise teure, aber im Einkauf (durch IKEA) billige Produkte mit kurzer Warenumschlagsdauer orientiert. Mit vergleichsweise wenig gebundenem Kapital konnte eine große Zielgruppe erreicht werden.
Das Beispiel zeigt, dass oft Erkenntnisse über bestimmte Lebensstile gewonnen werden müssen, um der o. g. Tatsache Rechnung zu tragen, dass viele Angehörige einer bestimmten Zielgruppe sich nicht bewusst sind, dass sie Träger bestimmter Werte bzw. Wertvorstellungen und somit „anfällig“ oder „nicht anfällig“ für entsprechende Empfehlungen sind.
Die Datenbasis über unsere Kunden bzw. Zielgruppe muss Aussagen erlauben, welche Wertehaltung mit welchen Produktvorlieben korreliert. Dazu sind Lebensstile zu untersuchen. Einige häufig anzutreffende Lebensstile gehören inzwischen zum Alltag, wie z.B.:
- Yuppies (junge städtische Aufsteiger mit deutlichem Konsumverhalten) oder
- wohl situierte Rentner mit hoher Kaufkraft.
Meist werden charakteristische Bezeichnungen für Angehörige bestimmter Gruppen vorgenommen, wie der „saloppe Typ“, der „Korrekte“ usw. Das wiederum erlaubt Aussagen für die Auswahl möglicher Werbeträger (z.B. Levi’s Käufer sind lust- und erlebnisorientiert, wie die Zuschauer der Sendung TV-Total, also macht es Sinn, innerhalb dieser Sendung für Levi’s zu werben). Letztere Unterscheidung nach Lebensstilen ist z.B. in der Modeindustrie von erstrangiger Bedeutung.
Im Folgenden ist ein Beispiel für die Marktsegmentierung nach Lebensstilen für den Markt der Herrenmode dargestellt. Es ist der Studie Outfit 4 des Spiegel Verlages (1998) entnommen.
Marktsegmentierung Herrenmode

Habe ich die Kunden bestimmt, weiß ich dann schon alles über das Verhalten, den Charakter meiner Kunden
Will ich Sie erreichen, muss ich wissen, wer sie sind, wie sie denken, was sie wünschen, was sie lesen, hören , sehen, anstreben und warum sie so und nicht anders handeln und denken.
Ich benötige eine genaue Beschreibung der Zielgruppe, sowohl hinsichtlich ihres Anteils an der Bevölkerung im jeweiligen Einzugsgebiet (quantitative Beschreibung) als auch hinsichtlich ihrer Kaufkraft, Einkaufsbesonderheiten u.ä. Kriterien (qualitative Beschreibung). Eine Person (oder Gruppe) als zu erreichender Kunde wird nach anderen Kriterien untersucht als ein Unternehmen. Für diese Beschreibung gibt es eine Reihe von Anhaltspunkten.
Zu den wichtigsten Kriterien gehören:
| Person oder Gruppe | Unternehmen |
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Interessenlage/Nutzenerwartung | Branche/Profil |
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Alter | Konsument/Hersteller |
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Geschlecht | Wiederverkäufer |
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Land/Sprache/Nationalität | Marktposition/Umsatz |
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Einkommen/Kaufkraft | Budget/Bedarf |
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soziale Schicht | bisherige Lieferanten |
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Beruf/Bildungsgrad | Zahlungsmoral |
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Zugehörigkeit zu Verbänden/Parteien | Stabilität |
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Kaufmotive/-verhalten | Kommunikationsstrategie |
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Kaufzeitpunkt/-häufigkeit | USP (unique selling proposition) |
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konträre Zielgruppen | besondere Schwächen |
Die Untersuchung des Verhaltens der Zielgruppe in Bezug auf diese Kriterien erlaubt es überhaupt erst, einen Plan von Maßnahmen zur Erreichung und Beeinflussung des Kaufverhaltens meiner Kunden – den Marketingplan – zu erstellen.
Es ist schon wichtig zu wissen, wie viel Geld ein
Angehöriger meiner Zielgruppe wofür und warum ausgibt
(Anhaltspunkte für die Preispolitik und die Produktpolitik).
Welche Zeitungen, Zeitschriften er wie oft liest. Welche Rundfunk- bzw. Fernsehsender er zu welchen Zeitpunkten
bevorzugt.
Letzteres liefert Anhaltspunkte für die
Kommunikationsstrategie und speziell die Wahl der Werbemedien sowie
die Bestimmung des Werbebudgets. Darüber wird unter 1.2.2
(und in den Unterpunkten) ausführlicher zu sprechen sein.
Zu den Informationsquellen wurde bereits unter 1.1.2.4 Stellung genommen.
