Kurs: Basiswissen für Selbstständige

1.2.2.3 Spezifik Dienstleistungsmarketing

Die überwiegende Zahl der gewerblichen Neugründungen, sowie der Freiberufler ist im Bereich der Dienstleistungen angesiedelt.

Interessanterweise wird dieser Bereich in der Literatur immer noch stiefmütterlich behandelt. Gerade im Dienstleistungssektor gibt es jedoch eine Reihe von Spezifika, die es insbesondere für das Marketing zu berücksichtigen gilt.

  1. Dienstleistungsgüter sind Vertrauensgüter.
    Im Moment des Verkaufes sind die Dienstleistungsgüter in aller Regel noch nicht hergestellt. Man kauft die Katze gewissermaßen im Sack. Ob einem der Urlaubsort gefällt, kann man abschließend erst bei der Abreise beurteilen, dann ist es häufig zu spät. Die Qualität anwaltlicher Beratung zeigt sich häufig erst im Richterspruch, auch dann ist es zu spät, über die Auftragserteilung zu verhandeln.
    Der Umstand, dass Dienstleistungsgüter Vertrauensgüter sind, führt zu einer sehr hohen Schwelle der Auftragserteilung. Zentrale Größe im Marketing für Dienstleister sollten also alle Maßnahmen sein, die der Gewinnung von Vertrauen dienen.


  2. Dienstleistungen sind immer mit einem hohen Anteil personalisierter Arbeitsleistungen verbunden.
    In der Regel wird die Leistung von dem erstellt, der sie auch dem Kunden anbietet. Damit spielt das persönliche Moment bei der Leistungserstellung eine große Rolle. Der Dienstleister verkauft also nicht nur seine Leistung, sondern zunächst sich selbst. Das hat eine Reihe von Konsequenzen für die Präsentation.


  3. Dienstleistungen erfordern immer die Integration eines externen Faktors in den Prozess der Leistungserstellung. Was ist damit gemeint
    Es geht darum, dass kaum eine Dienstleistung der anderen gleicht. Die Spezifik der Kundenwünsche fließt in die Leistungserstellung mit ein. Vergleichende Maßstäbe sind schwer zu bestimmen. Der Dienstleister benötigt damit einen besonders feinfühligen Nerv für die Wünsche des Kunden. Der Kunde wird mit seinem Auftrag zum integralen Bestandteil der Erstellung des Endproduktes. So, wie der Patient „mitwirkt“ am Heilungsprozess, der Kunde an der Erstellung der Web-Site oder der Hausherr an der Gestaltung des Baus, immer kommt es auf eine Partnerschaft auf Zeit zwischen dem Kunden und dem Dienstleister an.