1.5.2 Eignungstest
Wer sich selbständig macht, kann scheitern. Das Wissen darum hält viele von der Gründung eines Unternehmens ab. Unsinnige gesetzliche Regelungen, wenig Kapital, eine komplizierte Steuergesetzgebung sind kaum geeignet, die Angst vor dem Scheitern abzubauen.
Der Schritt in die Selbständigkeit ist immer ein Risiko. Durch eine vernünftige Vorbereitung wird dies aber zu einem kalkulierbaren Wagnis. Neben einer gut durchdachten Geschäftsidee hat der Gründer zunächst nur noch seine eigenen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Erfahrungen, die er diesen Wagnissen entgegenstellen kann. Die Tragfähigkeit der Idee und die Person des Gründers sind auch für die Banken die entscheidenden Gründe, die für oder gegen eine Kreditbewilligung sprechen können. Deshalb widmen Banken auch viel Zeit der Klärung der Frage, ob ein Gründer in der Lage ist, die im Geschäftsplan dargestellte Idee erfolgreich umzusetzen.
Keiner wird als Unternehmer geboren. Einige der dafür notwendigen Eigenschaften können wir erwerben, andere müssen wir ausgleichen und mit dem Fehlen weiterer müssen wir leben und dafür eine Kompensation – etwa durch geeignete Geschäftspartner mit entsprechenden Eigenschaften – suchen. Eine adäquate fachliche Ausbildung, mehrjährige Berufserfahrung, soziale und persönliche Kompetenz und ein intaktes soziales Umfeld sowie die richtige persönliche Einstellung zum Unternehmerdasein (man muss es wollen, und nicht als „Notnagel“ betrachten) sind sicher die wichtigsten Voraussetzungen, die man als zukünftiger Unternehmer mitbringen sollte. Ob und wie man als Gründer auf die bevorstehenden Anforderungen vorbereitet ist, kann an Hand verschiedener Tests geprüft werden.
Dabei sollte berücksichtigt werden, dass diese Tests immer nur Durchschnittswerte liefern und dabei vergessen lassen, dass es wenig nützt, auf „Nebenschauplätzen“ (wie Stressresistenz) gut zu kämpfen, aber in der „Hauptlinie“ (Kundenakquisition) zu versagen. Diese Tests sind deshalb immer nur „Anhaltspunkte“.
Die wichtigsten Themen für eine „Selbstprüfung“ wollen wir in Erinnerung rufen:
Fachliche Ausbildung und Erfahrung
- Berufsausbildung, Weiterbildung, Umschulungen (eventuell auch ohne Abschluss)
- Branchenerfahrungen, Managementerfahrungen, Erfahrungen im Umgang mit Personal (Aufgaben delegieren)
- kaufmännische bzw. betriebswirtschaftliche Erfahrung
- Vertriebs- und Akquisitionserfahrungen
- Gründungswissen (Besuch von Gründerseminaren, Coaching)
- Organisationstalent (Beherrschung von Entscheidungs- und Handlungsabläufen)
Persönliche Voraussetzungen
- physische und psychische Belastbarkeit (ein Unternehmeralltag kann lange Zeit 12 und mehr Stunden dauern; ein Kredit bzw. eine Forderung kann Manchen um den Schlaf bringen!)
- Kontaktfreude, Kommunikationsfähigkeit, „gewinnendes“ Auftreten
- Lernwille (setzt Wille zur Infragestellung voraus)
- Mobilität (Wille und Fähigkeit dazu)
- analytische Fähigkeiten (Ursachenfindung für Erfolg und Misserfolg)
- Gründungswille (Chance und erst in zweiter Linie Risiko, Überzeugung vom Erfolg)
- Motivation (Neuanfang und kein letzter Ausweg, aus innerer Überzeugung, keine Flucht vor Unterordnung)
- Entschlusskraft (selbständig Ziele setzen und konsequent verfolgen)
- Kreativität (Entwicklung neuer Ideen und auch bei Umsetzung)
- guter Leumund
- familiäre Unterstützung (persönliche u. familiäre Absicherung, gehören dazu, Einstellung des Partners zur Selbständigkeit, zur Geschäftsidee, zu familiären Verpflichtungen)
- charakterliche Eigenheiten (Kritik aushalten, konstruktiv kritisieren, Choleriker/Phlegmatiker , optimistische Sichtweise)
- Selbstbewusstsein (Niederlagen sind nicht zu vermeiden)
Unternehmerische Fähigkeiten
- Führungseigenschaften (alle erwarten vom Inhaber die Entscheidung und die Lösung eines Problems)
- Einsatzbereitschaft (Erreichbarkeit und Verfügbarkeit für kurzfristiges Agieren)
- Initiative (sie sind am konsequentesten am Erfolg interessiert, Sie wollen und können nicht auf andere warten)
- Flexibilität (Grenzen und Spielräume bestimmen)
- Überzeugungskraft (Ihre Kunden haben alles schon, wollen etwas nicht oder glauben, es nicht zu brauchen)
- Durchsetzungskraft (Widerstände überwinden)
Sonstige Voraussetzungen
- finanzieller Spielraum (für 3 Monate sollten Kosten bezahlbar sein)
- „worst case“ Plan (um sich falls erforderlich auch ohne Kredit selbständig machen zu können )
- Abwägung Chancen und Risiken als Angestellter/Arbeitsloser und Selbständiger
Dabei sollte berücksichtigt werden, dass diese Tests immer nur Durchschnittswerte liefern und dabei vergessen lassen, dass es wenig nützt, auf „Nebenschauplätzen“ (wie Stressresistenz) gut zu kämpfen, aber in der „Hauptlinie“ (Kundenakquisition) zu versagen. Diese Tests sind deshalb immer nur „Anhaltspunkte“.
