Kurs: Basiswissen für Selbstständige

2.3.1 Eigenmittel

Wir hatten bereits festgestellt, dass eine Unternehmensfinanzierung ohne Eigenmittel nicht möglich ist.

Warum ist eine angemessene Ausstattung mit Eigenmitteln notwendig

  • zur eigenen Sicherheit „je höher, desto besser“, aber „es muss nicht alles sein“
  • als überlebenswichtiger Risikopuffer
  • gilt als Indikator für die eigene finanzielle Risikobereitschaft
  • ist eine entscheidende Größe für Fremdkapitalgeber (Kreditwürdigkeit – Banken verlangen üblicher Weise 15% bis 20% Eigenkapital)

Kurz gesagt, wenn man über eine tolle Idee jedoch nicht über die entsprechenden finanziellen Mittel verfügt, sollte man sich gegebenenfalls nach einem potenten Partner umschauen, mit dem man gemeinsam gründen kann oder der eventuell als stiller Teilhaber in Frage kommt (über die dabei zu berücksichtigenden Vor- und Nachteile an späterer Stelle, wenn es um Rechtsformen der Unternehmung geht, Punkt 3.2).

Eigenmittel können in zwei Formen in Erscheinung treten: als Geldmittel und als Sachmittel. Wer über andere Vermögenswerte als Geldvermögen (z.B. Wertpapiere, Antiquitäten usw.) verfügt, muss sich zuerst die Frage beantworten wie viel und wie er diese Vermögenswerte einsetzen will. Will man diese direkt als Eigenmittel einsetzen, dann müssen sie erst verkauft, zu Geld gemacht werden, bevor sie investiert werden können. Sie werden damit letztlich auch zu Geldmitteln. Vermögenswerte können auch auf andere Art und Weise für eine Gründungsfinanzierung eingesetzt werden. Sie werden nicht direkt investiert, sondern als Sicherheiten für die Aufnahme von Krediten (Fremdmittel) genutzt.

Der Vorteil der einen Methode ist der Nachteil der anderen: Macht man eigene Vermögenswerte zu Geld und investiert sie direkt in die Gründung, ist die eigene Abhängigkeit von Fremden nicht so hoch und die Kosten (weniger Zinsbelastung) sind geringer, der Gewinn somit höher. Aber gleichzeitig sind zukünftige mögliche Wertsteigerungen der Vermögenswerte verloren. Nutzt man Vermögenswerte als Sicherheiten und kann die Kreditrückzahlungen immer leisten, bleiben mögliche Wertsteigerungen erhalten. Es steigen jedoch Zinsbelastung und Abhängigkeit, der Gewinn fällt niedriger aus.

Es sei noch einmal unterstrichen, dass Sacheinlagen auch Eigenkapital darstellen. Deshalb muss über deren Wert gesprochen werden. Der Wert ist abhängig vom Alter des Wirtschaftsgutes. Das Alter des Anlagengutes richtet sich nach seinem wirklichen „Lebensalter“, danach, wann es als neues, ungebrauchtes Gut in Nutzung genommen wurde, und nicht danach, wann es in das Privateigentum gekommen ist (es konnte privat auch schon gebraucht gekauft worden sein). Was gilt nun für die Einlage von gebrauchten privaten Gütern in das Anlagevermögen der Unternehmung Ein bisher privater Computer soll der Betriebscomputer werden, der Privat-Pkw wird Betriebs-Pkw.

Da es bei privaten Einlagegütern keine aktuellen „Anschaffungs-Kauf-Kosten“ gibt, wird der Anlagewert „Einlagewert“ genannt.

Wie bestimmen sich die Einlagewerte

  • Ist ein privates Wirtschaftsgut noch nicht älter als drei Jahre, werden dem Einlagewert die ursprünglichen (Neu-) Anschaffungskosten zugrunde gelegt. Davon muss die in den „Lebensjahren“ des Gutes „verbrauchte Abschreibung“, die nach den Vorschriften der AfA-Tabelle ermittelt wird, abgezogen werden, und man erhält den Einlagewert.
  • Ist ein privates Wirtschaftsgut älter als drei Jahre, dann ist der Einlagewert gleich dem Verkehrswert oder Zeitwert des Gutes. Es ist also für das private Gut zu ermitteln, wie viel für ein vergleichbares Gut, auf dem Markt zu bezahlen wäre.
  • Achtung, der Einlagewert ist für die Buchhaltung auch nachweispflichtig; nehmen Sie geeignete Belege wie Annoncen, Gebrauchtwarenhändlerangebote, „Schwacke-Liste“ o. ä. zu Ihren Akten (dazu an späterer Stelle bei der Erläuterung der Betriebsausgaben).
  • Die Werte, die nun festgestellt wurden, erscheinen genau so in der Finanzierung. Die im Kapitalbedarf für diese Investition ausgewiesenen Werte und die in der Finanzierung aufgeführten heben sich sozusagen gegeneinander auf, es erscheint kein zusätzlicher Geldbedarf.