Kurs: Basiswissen für Selbstständige

3.5.1.6 Berechnung der Umsatzsteuerschuld gegenüber dem Finanzamt

Der umsatzsteuerpflichtige Unternehmer kann von der Umsatzsteuer, die er seinen Kunden in Rechnung stellt (Ausgangsrechnungen mit Umsatzsteuer), die Umsatzsteuer abziehen, die ihm seine Lieferanten in deren Rechnungen (Eingangsrechnungen mit Umsatzsteuer) für deren Lieferungen und/oder Leistungen in Rechnung gestellt haben (und zwar unabhängig davon, ob die Rechnung inklusive Vorsteuer schon bezahlt wurde oder nicht).

§15 UStG – Vorsteuerabzug

Der Unternehmer kann die folgenden Vorsteuerbeträge abziehen:

  1. die in Rechnungen im Sinne des § 14 gesondert ausgewiesene Steuer für Lieferungen oder sonstige Leistungen, die von anderen Unternehmern für sein Unternehmen ausgeführt worden sind. ...
  2. die entrichtete Einfuhrumsatzsteuer für Gegenstände, die für sein Unternehmen in das Inland eingeführt worden sind ...
  3. die Steuer für den innergemeinschaftlichen Erwerb von Gegenständen für sein Unternehmen….

Die Vorsteuer ist Umsatzsteuer, die Unternehmen „vorab“ geleistet haben, zwar nicht direkt an das Finanzamt, indirekt aber schon, nämlich über die Lieferanten. Die Vorsteuer ist buchhalterisch eine Forderung (Guthaben) gegenüber dem Finanzamt. Die (eingenommene) Umsatzsteuer ist dagegen eine Verbindlichkeit (Schuld) beim Finanzamt. Die Schuld wird mit dem Guthaben verrechnet und es ergibt sich entweder eine Umsatzsteuerabführung oder eine Umsatzsteuererstattung. Ist das Ergebnis dieser Subtraktionsrechnung positiv, muss Umsatzsteuer an das Finanzamt abgeführt werden. Ist das Ergebnis negativ, erhält der Unternehmer die zu viel gezahlte Umsatzsteuer vom Finanzamt zurückerstattet.

                Umsatzsteuer
            –       Vorsteuer
            = (+) Zahllast oder (-) VSt-Überhang

Die Zahllast ist positiv, wenn der Unternehmer mehr umsatzsteuerpflichtige Einnahmen als umsatzsteuerpflichtige Ausgaben hatte; sie ist negativ, wenn er mehr umsatzsteuerpflichtige Ausgaben als umsatzsteuerpflichtige Einnahmen hatte. Im ersten Fall hat er „mehr Wert geschaffen“ und es kommt zur Umsatzsteuerabführung; im zweiten Fall hat er „Wert vernichtet“, er bekommt Umsatzsteuer (Vorsteuer) zurückerstattet.

Das Gesagte und das Schema erklären das Grundprinzip der Berechnung der Umsatzsteuerschuld. Konkret kann und muss die Umsatzsteuerschuld lt. Gesetz nach zwei verschiedenen Methoden ermittelt werden – entweder nach §16 UStG (Berechnung der Steuer nach vereinbarten Entgelten) oder nach §20 UStG (Berechnung der Steuer nach vereinnahmten Entgelten). Diese Regeln betreffen die Umsatzsteuer, die Sie Ihren Kunden in Rechnung stellen, nicht die Ihnen von Lieferanten in Rechnung gestellte Vorsteuer (so wie Vorsteuer lt. Rechnungslage anfällt, kann sie in die Ermittlung der Zahllast einbezogen werden, unabhängig davon, ob sie die Rechnung und damit die Steuer schon bezahlt haben oder nicht).