Einführung in das Arbeiten mit Photoshop CS5

11.1 Die Scharf- und Weichzeichnungsfilter

Wir behandeln in diesem Abschnitt die am häufigsten eingesetzten Filter:

Scharfzeichnungsfilter

Eines der am häufigsten auftretenden Probleme in der Bildbearbeitung sind leicht unscharfe Fotografien. Gründe hierfür gibt es viele. Entweder hat der Fotograf einen Fehler gemacht, oder es liegt am Scanner. Häufig ist dessen Abtasteinheit für leichte Unschärfen verantwortlich, vor allem, wenn es sich nicht um ein hochwertiges Gerät handelt.

Sie wissen bereits, dass der Kontrast benachbarter Bildpunkte die Schärfe eines Bildes bestimmt. Beim Fotografieren entstehen unscharfe Bilder, wenn der Fokussierpunkt des Objektivs nicht exakt auf dem Film liegt, sondern entweder davor oder dahinter. Mit anderen Worten: Es entsteht eine Streuung, die den Kontrast reduziert.

Abb 504 Unscharfe Bilder entstehen, wenn der Fokussierpunkt entweder vor oder hinter der Überfläche des Films (Kamera) oder des Fotos (Scanner) liegt

Da jegliche Form der Digitalisierung einen Schärfeverlust erzeugt, sollten Sie gescannte Bilder grundsätzlich nachschärfen. Die einfachste Möglichkeit bieten die beiden Filter Scharfzeichnen und Stark scharfzeichnen im Menü Filter, Scharfzeichnungsfilter. Beide funktionieren nach dem gleichen Prinzip, indem sie das Bild auf signifikante Farbwechsel analysieren und in diesen Bereichen den Kontrast benachbarter Pixel erhöhen. Der Befehl Stark scharfzeichnen unterscheidet sich von Scharfzeichnen dadurch, dass er den Kontrast der benachbarten Pixel doppelt so hoch setzt.

Falls Sie mit der Schärfe eines Bildes zufrieden sind und lediglich Kanten, also deutliche Übergänge zwischen Farbwerten, betonen wollen, so verwenden Sie den Filter Konturen scharfzeichnen. Der Vorteil dieses Filters liegt darin, dass er einen dezenten, aber trotzdem wahrnehmbaren Effekt auf ein Bild ausübt.

Der Nachteil dieser drei Filter ist, dass sie nicht direkt eingestellt werden können, sondern mit festen Parametern arbeiten. Die einzige Möglichkeit, die Stärke des Filters zu justieren, bietet der Befehl Bearbeiten, Verblassen. In dessen Dialogbox können Sie die Filterwirkung über die Optionen Deckkraft und Modus auswählen. Der Befehl, den Sie übrigens auch auf die Malwerkzeuge, die Radiergummis und die Korrekturbefehle im Menü Bild, Einstellungen anwenden können, funktioniert, wie wenn Sie eine Kopie der zu schärfenden Ebene erstellen, auf diese den Filter anwenden und sie anschließend über Deckkraftregler und Füllmodus in die Originalebene blenden.

Der Filter Unscharf maskieren

Unscharf maskieren beschreibt eine Technik, die in der Druckindustrie seit vielen Jahren verwendet wird, um die Qualität eines Bildes zu verbessern. Dieser Filter ist der einzige Scharfzeichnungsfilter in Photoshop, dessen Parameter Sie in einer Dialogbox einstellen können. Darüber hinaus ist seine Funktionsweise komplexer als die der anderen Scharfzeichnungsfilter und deshalb derjenige, der am präzisesten arbeitet.

Beim Unscharf maskieren werden benachbarte Bildpunkte lokalisiert, die bestimmte Unterschiede in der Helligkeit aufweisen, und deren Kontrast erhöht. Wenn Sie den Filter Unscharf maskieren aufrufen, erscheint eine Dialogbox, in der Sie die folgenden Parameter einstellen können:

  • Unter Stärke definieren Sie zunächst, um wie viel Prozent der Kontrast zweier benachbarter Pixel erhöht wird.

  • Über den Radius stellen Sie ein, wie viele umgebende Pixel mit scharfgezeichnet werden sollen. Welchen Wert Sie wählen, hängt in erster Linie von der Auflösung des Bildes ab (siehe unten).

  • Der Schwellenwert bestimmt, wie hoch der Kontrast zweier benachbarter Pixel sein muss, damit sie scharfgezeichnet werden. Je niedriger die Stufe gewählt wird, desto mehr Pixelpaare werden scharfgezeichnet.

Abb 505 Die Dialogbox Unscharf maskieren

Der Hochpass-Filter

Ein weiterer Filter, der in gewisser Weise als Scharfzeichnungsfilter bezeichnet werden kann, ist der Hochpass Filter im Menü Sonstige Filter.

Abb 506 Die Dialogbox des Filters Hochpass

Unter Hochpass wird ein System verstanden, das hohe Frequenzen passieren lässt und tiefe Frequenzen dämpft. Dementsprechend erhält der Hochpass-Filter in Photoshop Kantendetails im angegebenen Radius, in dem deutliche Farbübergänge vorkommen, und unterdrückt den Rest des Bildes. Im Extremfall, also bei einem Radius von 0,1 Pixel, bleiben nur die Kantenpixel übrig.

Der Effekt reduziert dunkle Bereiche eines Bildes und wirkt aufgrund seiner Funktionsweise gegensätzlich zum Filter Gaußscher Weichzeichner.

Für Farbfotos ist Hochpass nur bedingt geeignet. Er wird in der Regel nur auf Halbtonbilder angewendet, bevor der Befehl Schwellenwert verwendet wird. Vor allem ist er dann nützlich, wenn Strichgrafiken oder große schwarzweiße Flächen aus gescannten Bildern extrahiert werden sollen.

Weichzeichnen und Gaußscher Weichzeichner

Die Weichzeichnungsfilter sollten Sie dann verwenden, wenn Sie die Schärfe eines Bildes, also den Kontrast benachbarter Pixel, reduzieren wollen. Ein typisches Anwendungsbeispiel ist ein zu hart ausgeleuchtetes Portrait oder das Weichzeichnen eines Hintergrundes, wenn das eigentliche Motiv hervorgehoben werden soll. So wie Scharfzeichnen den Kontrast benachbarter Pixel erhöht, wird er beim Weichzeichnen verringert.

Die beiden Filter Weichzeichnen und Stark weichzeichnen entsprechen in Grunde genommen den beiden einfachen Scharfzeichnern mit umgekehrtem Effekt. Stärker weichzeichnen wirkt allerdings nur etwas stärker als Weichzeichnen, ein großer Unterschied zwischen den beiden ist in aller Regel nicht zu sehen.

Abb 507 Die Weichzeichnungsfilter

Wesentlich mehr Kontrolle gibt Ihnen der Filter Gaußscher Weichzeichner, den Sie als den Standardfilter zum Weichzeichnen schlechthin betrachten sollten. Der Filter basiert auf einer mathematischen Formel, der Gaußschen Normalverteilung (bekannt als „Glockenkurve“), einer Beschreibung der statistischen Verteilung von Fehlern. Der Filter vermindert nicht nur den Kontrast benachbarter Pixel, sondern streut solche „Fehler“ je nach gewähltem Radius-Wert recht weit in die Umgebung. Beim Weichzeichnen wird dann ein gewichtetes Mittel auf die Pixel anwendet.

Dies führt dazu, das der Gaußsche Weichzeichner einen verschwommenen Effekt erzielt, ohne die Gesamthelligkeit des Bildes zu beeinflussen. Der optische Eindruck entspricht der Hintergrund-Unschärfe, erzeugt durch die Benutzung großer Blenden-Werte bei Fotoobjektiven. In der Dialogbox für den Gaußschen Weichzeichner können Sie unter Radius festlegen, wie stark der Filter angewendet werden soll. Zulässig sind Werte zwischen 0,1 und 250.

Der Gaußsche Weichzeichner eignet sich übrigens hervorragend dazu, Objektkanten zu glätten, wenn Sie das Objekt mit einem Auswahlrand von 2 bis 3 Pixel versehen und den Filter auf die Auswahl anwenden. Falls Sie einen Bereich um ein Objekt herum weichzeichnen, sollten Sie die Kante des „scharfen“ Objektes entweder mit dem beschriebenen Verfahren oder mit dem Weichzeichner-Werkzeug nach bearbeiten, um den Übergang etwas abzudämpfen.

Abb 508 Die Dialogbox des Gaußschen Weichzeichner

Radialer und Selektiver Weichzeichner

Der Filter Radialer Weichzeichner ist weniger dazu geeignet, die Schärfe aus einem Bildbereich zu nehmen, vielmehr simuliert er verschiedene Kameratechniken. In der Dialogbox des Filters können Sie neben der Stärke und der Qualität zwischen zwei Methoden wählen. Kreisförmig simuliert die Bewegungs­unschärfe eines sich rotierenden Objektes. Strahlenförmig erzeugt einen Effekt, der entsteht, wenn der Fotograf während der Aufnahme an ein Motiv heran- oder aus einem Motiv herauszoomt.

Der Mittelpunkt des Filters lässt sich justieren, indem Sie das Diagramm unter Mittelpunkt mit der Maus verschieben. Leider ist für den radialen Weichzeichner keine Vorschau verfügbar, so dass Sie um ein wenig Ausprobieren nicht herumkommen.

Die Stärke des radialen Weichzeichners kann zwischen 1 und 100 betragen, die Qualität können Sie in drei Stufen wählen. Während bei Entwurf die Qualität sichtbar schlechter ist als bei Gut oder Sehr gut, fällt der Unterschied zwischen den beiden höheren Qualitätsstufen kaum noch ins Gewicht. Einen großen Unterschied werden Sie allerdings bei der Berechnung des Effektes feststellen. Sollte Ihr Computer schon etwas betagter sein und gerade so die Systemvoraussetzungen von Photoshop erfüllen, sparen Sie eine Menge Zeit, wenn Sie den Filter auf Gut einstellen.

Abb 509 Die Dialogbox Radialer Weichzeichner
Bewegungsunschärfe

Um einem Bildbereich Bewegungsunschärfe hinzuzufügen, wählen Sie den gleichnamigen Filter. Dieser erzeugt den Eindruck, dass sich ein Objekt bewegt, indem er Bildpunkte in eine Richtung verwischt. Einstellen lassen sich der Winkel, also in welche Richtung sich das Objekt bewegt, und die Distanz, mit der Sie die „Geschwindigkeit“ definieren können.

Bewegungsunschärfe simuliert die Aufnahme eines sich schnell bewegenden Objektes und kann daher auf zwei unterschiedliche Arten angewendet werden, ähnlich, wie es ein Fotograf tun würde. Bewegungsunschärfe entsteht, wenn sich das Objekt durch den Bildausschnitt einer Kamera bewegt, während der Verschluss der Kamera geöffnet ist. Nun kann der Fotograf allerdings mit der Kamera dem Objekt folgen, was bewirkt, dass das Objekt scharf ist, aber der Hintergrund die Bewegungsunschärfe aufweist. Um diesen Effekt in Photoshop zu erzeugen, müssen Sie also das Objekt freistellen und in eine eigene Ebene kopieren, so dass Sie nur den Hintergrund mit dem Filter „Bewegungsunschärfe“ weichzeichnen können.

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