Als selbständige Disziplin ist die Betriebswirtschaftslehre erst im 20. Jahrhundert entstanden. Frühere Gedanken über wirtschaftliches Handeln des Menschen bezogen sich eher auf die Volkswirtschaft im weitesten Sinne. In der Literatur wird das Jahr 1898 als das Geburtsjahr der Betriebswirtschaftslehre bezeichnet, das Jahr in dem die ersten Handelshochschulen in Leipzig, St. Gallen, Aachen und Wien gegründet wurden. Einige wenige frühere Abhandlungen beschäftigten sich fast ausschließlich mit Handelsbetrieben.
Das Fehlen einer geschlossenen Betriebswirtschaftslehre besagt jedoch nicht, dass für ihre Teilgebiete nicht schon viel früher die Wurzeln gelegt wurden. So sind diverse Aufzeichnungen über Bestände und ihre Bewertungen schon im alten Ägypten, bei den Griechen und natürlich bei den Römern nachzuweisen. Diese Niederschriften beschränken sich aber auf bestimmte Rechentechniken oder auch Verfahren. Die Erfahrungen mit der kaufmännischen Tätigkeit an sich wurden in den Familien mündlich weitergegeben und als Familienerbe sorgsam gehütet.
Erst in der Renaissance, als die großen Handelshäuser ihre Handelsbeziehungen auf viele Länder ausdehnten, erfolgten erste wissenschaftliche Bearbeitungen von einzelnen Gebieten der Handels- und Rechentechnik. Solche Aufzeichnungen findet man insbesondere in den oberitalienischen Städten, wie zum Beispiel Venedig, wo der Franziskanermönch Luca Pacioli 1494 die erste vollständig gedruckte Darstellung des Systems der doppelten Buchführung veröffentlichte.
Dieses Werk, wie auch zahlreiche spätere Aufsätze gingen jedoch nicht über eine Art „Kaufmannskunde“ hinaus und das, obwohl im 19. Jahrhundert eine Reihe von volkswirtschaftlichen Lehrstühlen an Universitäten eingerichtet wurden. Das ist insofern verwunderlich, da mit der ersten Industriellen Revolution im 19. Jahrhundert eine rapide Entwicklung der maschinellen Produktionstechnik einherging und eine Reihe betriebswirtschaftlicher Probleme, insbesondere mit Organisationsfragen der Produktion, verbunden waren.
Angeregt durch die Probleme der inzwischen stark angewachsenen Zahl der Industriebetriebe begann sich die Handelswissenschaft ab 1898 zu einer Allgemeinen Betriebswirtschaftslehre zu entwickeln. Die „Privatwirtschaftslehre“ wie die Betriebswirtschaftslehre zu Anfang genannt wurde, musste gegenüber der Volkswirtschaftslehre wissenschaftlich einen „Riesenvorsprung“ aufholen, beschäftigte sich aber zunächst auch schwerpunktmäßig mit der Technik des Rechnungswesens.
Im den folgenden Jahren wurde mehrfach die Frage diskutiert, ob die Betriebswirtschaftslehre eine Kunstwissenschaft ist, d.h. eine Wissenschaft, die sich rein mit der Erkenntnis beschäftigt. Eine andere Auffassung vertrat u.a. Schmalenbach, der die Betriebswirtschaftslehre als eine praktische Wissenschaft sah, die verwertbare Anleitungen und Verfahrensregeln entwickeln sollte. Diese Sichtweise sollte sich in den Folgejahren durchsetzen, zumal die Betriebswirtschaftslehre auch den Schritt von der bloßen Beschreibung von praktischen Verfahren überwinden sollte und Regelmäßigkeiten und Gesetzmäßigkeiten des betrieblichen Wirtschaftens herausarbeiten konnte.
Trotzdem findet oben angeführte Diskussion noch immer kein Ende. Sie wurde auch von Gutenberg in seiner bedeutenden rein theoretischen Abhandlung „Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre“ 1951 fortgeführt und zeigt die wenig gefestigten Fundamente der Allgemeinen Betriebswirtschaftslehre. In den letzten Jahrzehnten lag der Schwerpunkt auf der Vertiefung von Einzelproblemen der Allgemeinen Betriebswirtschaftslehre und dem Ausbau der speziellen Betriebslehren.
So führte die Wiedereinführung der Marktwirtschaft nach der Währungsreform 1948 und die sich schrittweise vollziehende Umkehr vom Verkäufer- zum Käufermarkt zur Konzentration auf den Absatz und damit u.a. zur Entstehung des Marketings als Teilgebiet der Betriebswirtschaftslehre.
Verkäufer- und Käufermarkt
Auf einem Verkäufermarkt ist das Angebot kleiner als die Nachfrage, die Verkäufer bestimmen das Marktgeschehen. Auf einem Käufermarkt steht der Kunde im Mittelpunkt, da das Angebot größer als die Nachfrage ist und derjenige den meisten Gewinn erzielt, der die Kundenwünsche am besten befriedigt. (nähere Ausführungen in der Qualifikationseinheit "Marketing für mittelständische Unternehmen")

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Letzte Aktualisierung: 29.07.2010 12:57:12
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