Rechnungswesen mit Beispielen aus Lexware und DATEV - Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung

4.2.2 Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung

[Vgl. hierzu auch: oV, S. 484 ff]. Nach der Erstellung des Inventars verpflichtet das HGB den Kaufmann zur Erstellung einer Bilanz:

„Der Kaufmann hat zu Beginn seines Handelsgewerbes und für den Schluss eines jeden Geschäftsjahres einen das Verhältnis seines Vermögens und seiner Schulden darstellenden Abschluss (Bilanz) aufzustellen.“ § 242 HGB

Bilanz

Während das Inventar jeden einzelnen Vermögensgegenstand aufführt, fasst die Bilanz aus Gründen der Übersichtlichkeit gleichartige Wirtschaftsgüter zu Bilanzpositionen zusammen. Es werden aus zusammengehörigen Vermögensgegenständen und Schulden Posten gebildet, wobei auf Mengenangaben verzichtet wird.

Auch wird im Gegensatz zum Inventar das Vermögen auf der einen Seite (Aktivseite) dem Eigenkapital und den Schulden auf eine andere Seite (Passivseite) gegenübergestellt.

Auf der Aktivseite erscheint die Zusammensetzung des Vermögens (Mittelverwendung). Auf der Passivseite ist zu sehen, welche Kapitalgeber die finanziellen Mittel für die Durchführung der unternehmerischen Tätigkeit bereitgestellt haben (Mittelherkunft).

Die Summe der Aktiva entspricht der Summe aller Passiva. Das heißt, eine Bilanz muss immer ausgeglichen sein.

Abb 25 Bilanzwaage

Das Eigenkapital ergibt sich als Differenz aus der Summe der Aktivposten und der Summe der Schulden (Verbindlichkeiten). Es gelten folgende Grundgleichungen:

Abb 26 Grundgleichungen

Die formale Gliederung der Bilanz ist im § 266 HGB geregelt. So erfolgt die Gliederung der Aktivseite gemäß dem Vorgehen beim Erstellen des Inventars nach der Liquidierbarkeit, d.h. der Geldnähe. Es gilt der Grundsatz: Je „höher“ die Position eines Vermögensgegenstandes auf der Aktivseite, desto „länger“ dauert es im Allgemeinen, bis er wieder im Geschäftsverkehr umgesetzt und damit zu Geld wird.

Die Passivseite der Bilanz ist grundsätzlich nach der Fristigkeit des Kapitals gegliedert. Je „höher“ die Position auf der Passivseite, umso „länger“ steht sie dem Unternehmen im Regelfall zur Verfügung.

Das Eigenkapital ist damit der Betrag, der dem Unternehmen am längsten zur Verfügung steht. Erst mit der Auflösung des Unternehmens wird das Eigenkapital an die Eigentümer zurückgezahlt. Bei der Bilanzierung des Fremdkapitals rangieren die langfristigen Darlehensverbindlichkeiten (Fälligkeit z.B. 8 Jahre) vor den kurzfristigen Lieferantenverbindlichkeiten mit einer Fälligkeit von z.B. 30 Tagen.

Aufbau der Bilanz nach HGB

Abb 27 Aufbau der Bilanz nach HGB

Wertbewegungen in der Bilanz

Wie oben angeführt ist die Bilanz eine Art Abschlussrechnung der Buchführung, die zu einem bestimmten Zeitpunkt den Stand von Vermögen und Schulden der Unternehmung angibt. Durch die täglichen Geschäftsvorfälle, die durch die Buchführung erfasst werden müssen, ändern sich diese Werte jedoch ständig. Die Buchführung ist also eine Art fortgesetzte Bilanz, wobei jede Änderung einer Bilanzposition die Änderung einer anderen bewirkt. Dabei sind vier Fälle denkbar:

  1. Der Aktivtausch

    Beim Aktivtausch erfolgt eine Veränderung in der Zusammensetzung des Vermögens. Das heißt ein Aktivposten wird vermindert und ein anderer um den gleichen Betrag erhöht.

    Beispiel 10: Aktivtausch 1

    Es werden 1.500,00 EUR vom Konto des Unternehmens abgehoben und in die Kasse gelegt. Dann hat sich der Bestand des Postens „Bank“ um 1.500,00 EUR vermindert und der des Postens „Kasse“ um 1.500,00 EUR erhöht. Die Bilanzsumme ist jedoch gleich geblieben.

    Beispiel 11: Aktivtausch 2

    Ein Kunde bezahlt seine Schuld in Höhe von 1.000 EUR per Banküberweisung: Der Forderungsbestand nimmt um 1.000 EUR ab, und das Bankkonto wächst um die gleichen 1.000 EUR.

  2. Der Passivtausch

    Beim Passivtausch verändert sich die Kapitalstruktur. Ein Passivposten wird erhöht und ein anderer vermindert.

    Beispiel 12: Passivtausch

    Eine „teure“ Verbindlichkeit aus Lieferungen und Leistungen in Höhe von 5.000,00 EUR wird beglichen, indem ein zinsgünstiges Darlehen in der gleichen Höhe aufgenommen wird. Der Posten „Bankdarlehen“ erhöht sich um 5.000,00 EUR, während der Posten „Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen“ um dieselbe Summe vermindert wird. Wieder hat sich die Bilanzsumme nicht verändert.

  3. Die Aktiv-Passiv-Mehrung

    (Bilanzverlängerung) Hierbei steht der Mehrung eines Aktivpostens die Mehrung eines Passivpostens gegenüber. Ein solcher Fall wäre der Kauf von Waren auf Ziel. Das Unternehmen erhält Waren, die auf der Aktivseite den Posten „Bestand an fertigen Erzeugnissen und Waren“ erhöhen. Da aber die Zahlung noch nicht erfolgt ist, wird auf der Passivseite der Posten „Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen“ auch erhöht, und zwar um den gleichen Betrag. Die Bilanzsumme hat sich auf beiden Seiten verändert: Sie ist größer geworden.

  4. Die Aktiv-Passiv-Minderung

    (Bilanzverkürzung) Nicht immer müssen sich die Aktiv- und Passivposten erhöhen. Wenn der Unternehmer seine „Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen“ nun von seinem Bankkonto begleicht, vermindert sich der Posten „Bank“ auf der Aktivseite und gleichzeitig der Posten „Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen“ auf der Passivseite. Diesmal verändert sich auch die Bilanzsumme auf beiden Seiten (Bilanzwaage beachten!). Sie wird aber kleiner.

Die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)

[Siehe auch: oV, S. 488 ff]

Während die Bilanz das Vermögen und die Schulden einer Unternehmung gegenüberstellt, erfasst die Gewinn- und Verlustrechnung alle Geschäftsvorfälle, die zu Erträgen und Aufwendungen geführt haben.

Dabei werden die Aufwendungen stets auf der linken Seite und die Verluste auf der rechten Seite geführt. Die Differenz zwischen den Erträgen und den Aufwendungen ergibt den Gewinn oder den Verlust einer Unternehmung - daher auch der Name.

Wie die Untergliederung der Aufwendungen und der Erträge erfolgt, bleibt dem Unternehmen überlassen. Wichtig für die Finanzbehörden ist lediglich eine vollständige Erfassung des gesamten Aufwandes und des Ertrages. Für eine Ermittlung der Leistungsfähigkeit der Unternehmung kann eine Ermittlung von Kennzahlen sehr hilfreich sein (siehe Abschnitt 1.7 Messgrößen wirtschaftlichen Handelns). Dafür ist eine Untergliederung der Aufwendungen in Material, Personal, Fremdkapitalzinsen, Abschreibungen und Sonstiges als Mindestmaß erforderlich. Im Folgenden sollen einige grundlegende Positionen der GuV erläutert werden.

Auf der Ertragsseite der GuV steht die Betriebsleistung. Sie setzt sich wie folgt zusammen:

Abb 28 Betriebsleistung

Zwei weitere wichtige Positionen sind der Material- und der Wareneinsatz. Das sind die Kosten des verbrauchten Materials bzw. der verkauften Waren. Der Einsatz wird durch folgende Rechnung ermittelt:

Abb 29 Einsatz

Sämtliche ausgezahlte Löhne und Gehälter mit allen Nebenkosten werden in den Personalkosten erfasst.

Das Entgelt für geborgtes Geld (Fremdkapitalzinsen) ist auch Aufwand, der mit der Erzielung der Betriebsleistung in einem engen Zusammenhang steht.Bei der Position Abschreibungen handelt es sich um eine Rechengröße, die sich ergibt, wenn man die in der Vergangenheit getätigten Investitionen durch die voraussichtlichen Nutzungsjahre dividiert. Abschreibungen sind nicht ausgabenwirksam und werden darum häufig zur Finanzierung im Unternehmen herangezogen.

Der mit Hilfe der GuV-Rechnung ermittelte Gewinn oder Verlust eines Unternehmens schlägt sich in der Bilanz dann als Eigenkapitalzuwachs oder -minderung nieder.

Kommentare (10) ++ +

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Bhvjimmy
schrieb am 03.01.2010 20:51:03
Wirklich klasse die Seite. Hab schon viel gelernt. Danke!

Doris
schrieb am 01.02.2010 21:42:30
ja muss Bhvjimmy Recht geben. Sehr logisch und schlüssig aufgeschrieben. Vielen Dank für die Seite

abcdefg
schrieb am 27.02.2010 20:48:36
einfach super, hammer, ich bin sprachlos. Ich habe soviel dabei gelernt und es ist auch eine super gute Wiederholung für die Schule. Weil wir leider bald schulaufgabe schreiben und wir sind grad bei den warenkonten und zuvor hatten wir die erfolgskonten. Die ich leider nicht so gut versteh. ABER DANKE. SUPER WIEDERHOLUNG!!

Vielen Dank. Sowas nennt man mal ne Seite xD

Famalu
schrieb am 19.11.2010 18:50:09
ist wirklich die beste Seite!

nirgends ist Buchführung so einfach und verständlich erklärt wie auf dieser Seite

Vielen Dank!

flo
schrieb am 30.11.2010 12:12:04
Respekt für diese Seite!!!

km
schrieb am 05.09.2011 13:23:09
"Dabei werden die Aufwendungen stets auf der linken Seite und die Verluste auf der rechten Seite geführt" siehe oben bei GuV

Kann das stimmen? Müssen auf der rechten Seite nicht die Erträge aufgezeichnet werden?

AG
anwortete am 15.09.2011 11:23:34
km schrieb am 05.09.2011 13:23:09:
"Dabei werden die Aufwendungen stets auf der linken Seite und die Verluste auf der rechten Seite geführt" siehe oben bei GuV

Kann das stimmen? Müssen auf der rechten Seite nicht die Erträge aufgezeichnet werden?


Nein da liegst Du falsch. Du buchst doch GuV an Mietaufwand daher siehst du das die Aufwändungen links in der GuV stehen und die Erlöse buchst du Umsatzerlöse an GuV d.h. sie stehen dann rechts.

Damir
anwortete am 03.07.2012 16:18:03
AG schrieb am 15.09.2011 11:23:34:
km schrieb am 05.09.2011 13:23:09:
"Dabei werden die Aufwendungen stets auf der linken Seite und die Verluste auf der rechten Seite geführt" siehe oben bei GuV

Kann das stimmen? Müssen auf der rechten Seite nicht die Erträge aufgezeichnet werden?

Nein da liegst Du falsch. Du buchst doch GuV an Mietaufwand daher siehst du das die Aufwändungen links in der GuV stehen und die Erlöse buchst du Umsatzerlöse an GuV d.h. sie stehen dann rechts.


Doch die Erträge stehen auch rechts oder täusche ich mich da ?

erklärbär
anwortete am 06.01.2013 21:19:46
km schrieb am 05.09.2011 13:23:09:
"Dabei werden die Aufwendungen stets auf der linken Seite und die Verluste auf der rechten Seite geführt" siehe oben bei GuV

Kann das stimmen? Müssen auf der rechten Seite nicht die Erträge aufgezeichnet werden?


Ich denke das ist einfach nur ein Vertipper/Flüchtigkeitsfehler - Verlust sollte Ertrag heißen.

Pablo
schrieb am 16.03.2014 13:13:01
Vielen Dank, sehr hilfreich

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