Kurs: Organisation und Technologiemanagement

5.2.5 Lebenszyklus von Technologien

Wie ein Produkt, so unterliegt auch die Technologie einem Lebenszyklus. Ein Technologiezyklus besteht aus den Phasen:

  1. Variation,

  2. Fermentation,

  3. Selektion,

  4. Retention.

Wissenschaftlich / technologischer Fortschritt führt zur einer technologischen Revolution. Diese technologische Diskontinuität unterbricht den bestehenden Technologiezyklus und initiiert einen neuen Technologiezyklus. Die in gegenwärtigen Produkten genutzten Technologien werden durch neue Technologien oder durch eine einzigartige Kombination bestehender Technologien (zu neuen Technologiebündeln oder Kernkompetenz) ersetzt. Die technologische Variation kann die gegenwärtige Kernkompetenz eines Unternehmens entweder verstärken oder zerstören; gewöhnlich erstehen durch Variation neue Kernkompetenzen. Diese technologische Substitution erfolgt in einer Periode der Fermentation.

Hier kommt es gewöhnlich zur Konkurrenz von Designalternativen. Die Selektion eines vorherrschenden Designs wird als Wasserscheide betrachtet; sie teilt den Technologiezyklus in zwei Perioden ein:

  1. Vor der Selektion, also in der Periode der technologischen Fermentation wird der technologische Fortschritt getrieben durch den Wettkampf zwischen alten und neuen Technologien sowie zwischen verschiedenen Alternativen neuer Technologien bzw. neuer technologischer Designs ("design competition"), von denen eine in der Selektionsphase als vorherrschendes Design ausgewählt und dann in neuen Produkten angewendet und vom Markt akzeptiert wird. Der Innovationsschwerpunkt in dieser Phase liegt in der Transformation neuer Technologien ("technology driven") in neue Produkte, die in der Regel eine diskontinuierliche Innovation darstellen.

  2. Nach der Selektion eines dominanten technologischen Designs werden eine Serie von inkrementalen und architektonischen Innovationen, die gegenüber diskontinuierlichen Innovationen von Märkten induziert ("market driven") werden, realisiert. Dadurch wird das vorherrschende Design kontinuierlich verbessert und weiter entwickelt sowie verbreitet angewendet (Technologiediffusion). Der Innovationsschwerpunkt in dieser Phase liegt nicht nur auf Produktinnovationen, sondern auch auf Prozessinnovationen zur Steigerung der Produktqualität und zur Senkung der Produktionskosten. Diese inkrementalen technologischen Veränderungen werden zwar kontinuierlich, aber mit einer abnehmenden Geschwindigkeit ("Retention") entwickelt, bis die zugrunde liegende (Basis-) Technologie wieder von einer weiteren neuen Technologie ersetzt wird (nächste technologische Substitution).

Die Substitution alter durch neue Technologien ist eine immer wiederkehrende Erscheinung im Technologiewandel. Technologielebenszyklen werden durch technologische Erneuerungen oder Substitutionen, die den Charakter einer Diskontinuität haben, wiederholt. Auf diese Weise entstehen spiralenförmige Technologieentwicklungskaskaden mit evolutionären und revolutionären Phasen.