3.2.1 ABC-Analyse
Die ABC-Analyse klassifiziert die zu beschaffenden Güter nach dem zugrundeliegenden Wert oder der zugrundeliegenden Bedeutung dieser Güter für die Erstellung des Produktes. Sie unterscheidet (vgl. Wöhe/Döring 2000):
- A-Güter: weisen einen hohen Wertanteil (ca. 70-80 %) und einen geringen Mengenanteil (ca. 10-20 %) am Endprodukt auf. Typische Charakteristika sind hoher Wertanteil am Endprodukt, hohe Relevanz für die Qualität des Endproduktes sowie niedrige Bestellfrequenz. Beispiel JUMA: Saisonabhängige Stoffe oder Einsatzmaterialien wie Goretex.
- B-Güter: nehmen wert- und mengenmäßig einen mittleren Anteil ein. Beispiel JUMA: Innenfutter der Anoraks.
- C-Güter: nehmen nur einen geringen wertmäßigen Anteil (ca. 5-10 %), am Endprodukt, jedoch einen hohen mengenmäßigen Anteil von 50-70 % ein. Beispiel JUMA: Nähgarne, Knöpfe, Labels. Typische Charakteristika sind somit geringer Wertanteil am Gesamtprodukt, standardisiertes Produkt, hohe Bestellfrequenz.
In der Praxis wird meist nur zwischen A- und C-Gütern unterschieden, wobei davon ausgegangen wird, dass ca. 2/3 der Beschaffungsprozesse C-Güter betreffen.
Ziel der ABC-Analyse ist nun die Klassifikation der zu beschaffenden Güter nach der zugrundeliegender Bedeutung für die Erstellung des Produktes, um auf dieser Basis zu prüfen, welche Form der elektronischen Unterstützung sinnvoll und geeignet ist.
Für die Beschaffung der A- bzw. C-Güter bieten sich nämlich unterschiedliche Möglichkeiten der elektronischen Unterstützung an. So lassen sich die unter Lerneinheit 3.1.4 skizzierten Potenziale am ehesten bei der Beschaffung von standardisierten C-Gütern realisieren, wenn z.B. durch den Einsatz eines DPS-Systems der gesamte Beschaffungsprozess elektronisch durchgeführt wird. Dagegen ist bei der Beschaffung von A-Gütern zu prüfen, welche Teilprozesse elektronisch unterstützt werden können und bei welchen Teilprozessen die elektronische Abwicklung ihre Grenzen hat. Beispiele hierfür sind die Suche nach geeigneten Lieferanten oder die Vereinbarung von Konditionen. Auf JUMA bezogen bestellt das DPS-System automatisch C-Teile, wenn der Lagerbestand eine bestimmte Höhe unterschritten hat. Dagegen kümmert sich der Einkaufsleiter um die Auswahl und Prüfung geeigneter Lieferanten für Stoffe (A-Gut) und hochwertige Einsatzmaterialien (A-Gut) und handelt mit ihnen bilaterale Verträge aus.
| Szenario aus der Sicht des Bedarfsträgers |
| Herr Kleinschmidt, Designer bei JUMA, wurde von seinem
Vorgesetzten beauftragt, eine Musterproduktion zu erstellen, aber der Vorrat
an Musterstoffen ist aufgebraucht. Daher ruft er die Bestellmaske auf seinem
PC auf und sucht in dem für ihn individuell konfigurierten Katalog
nach geeigneten Musterstoffen. Dort findet er alle relevanten Angaben inklusive
der gelisteten Lieferanten. Er wählt den Lieferanten mit den besseren
Konditionen aus und schickt die Bestellung weg. Da das System keine Gegenzeichnungspflicht
für diesen Artikel gespeichert hat, wird die Bestellung an den Lieferanten
freigegeben. Es erfolgt eine Meldung, dass die Stoffe in zwei Tagen eintreffen.
Herr Kleinschmidt ist darüber sehr froh, denn jetzt kann er die gewünschte Musterproduktion zeitgerecht fertig stellen. |
Abb. 3.4: Szenario einer Beschaffung mit einem DP-System bei
JUMA (I)
In Anlehnung an Nenninger 1999, S. 15.
