Kurs: Konzepte in eCommerce-Anwendungen

4.2.3 Fulfillment - Lieferung

In diesem Abschnitt sollen kurz wesentliche Aspekte des Fulfillment diskutiert werden.
Unter Fulfillment (engl. Erfüllung) wird die Gesamtheit aller Aktivitäten verstanden, die nach dem Vertragsabschluss der (größtenteils physischen) Belieferung des Kunden dienen (vgl. Merz 2002, S. 441).
Wie bereits im Abschnitt 3.6.3 ausgeführt, haben sich die Kundenanforderungen an die angebotenen Liefermöglichkeiten, der einen wesentlichen Teil des Fulfillment darstellt, von E-Shops in den letzten Jahren zunehmend erhöht. Nach einer Studie der Deutsche Post World Net, die in Zusammenarbeit mit den Marktforschungsinstituten Comcult Research und Rheingold erstellt wurde, messen Online Käufer beim Kauf der Ware den Lieferbedingungen eine besondere Bedeutung zu (vgl. http://www.ecin.de/news/2001/11/21/03532/, Abruf: 04.11.2003).
Die Zustellung muss - nach dieser Studie - zuverlässig und billig oder sogar kostenlos sein. Eine Haftung für verlorene und beschädigte Sendungen wird von den Kunden ebenso gewünscht wie eine bequeme Rückgabemöglichkeit mit Geld-zurück-Garantie. Die Schnelligkeit und Zuverlässigkeit der Lieferung von bestellten Waren entscheidet maßgeblich über die Kundenzufriedenheit und somit die Bereitschaft, erneut im gleichen Shop Produkte zu bestellen.
Viele potenzielle Kunden geben an, die Bestellung abgebrochen oder nachträglich storniert zu haben, weil die Lieferzeit zu lang gewesen ist (vgl. Symposion Publishing GmbH: Internetshopping Report 2001, Studie, http://www.symposion.de/studienreview/dsb_ie_2003_inhalt.htm, Abruf 04.11.2003, siehe auch http://www.ecin.de/marktbarometer/shoppingreport/).

Neben der eigentlichen Auslieferung der Waren spielen beim Fulfillment auch Prozesse des Lagermanagements und der Komissionierung eine wesentliche Rolle.
Das Lagermanagement beinhaltet alle Prozesse und Aktivitäten die sich im Lager abspielen. Neben der Kernfunktion des Lagers, dem Aufbewahren und Bereithalten von Artikeln, spielt darüber hinaus auch die Zusatzfunktion des Kommissionierens eine bedeutende Rolle. Unter dem Kommissionieren versteht man das Zusammenstellen von Ware aus einem bereitgestellten Sortiment nach vorgegebenen Aufträgen. Die im Rahmen der Lagerverwaltung eingesetzten Systeme erfassen meistens die Waren über einen Barcode und geben Auskunft darüber, wo sich die Artikel befinden und wie viele Artikel an einem Lagerplatz vorhanden sind. Die Kommissionierung wird dahingehend unterstützt, indem auf Basis von verschiedenen Zielvorgaben, wie z.B. Wegminimierung, die optimale Komissionierreihenfolge eines Auftrags berechnet wird.

Ein weiterer wichtiger Punkt des Fulfillments stellt das Retourenmanagement dar. Das Retourenmanagement beginnt mit der Annahme der zurückgesendeten Waren im Wareneingang. Diese werden meist in einem separaten Bereich gesammelt und dort bearbeitet (Auspacken der Waren, Feststellen von Schäden, Reparaturen …).
Da durch die gesetzlichen Regelungen zu Fernabsatzgeschäften geregelt ist, dass der Kunde die Waren auf Kosten des Lieferanten bzw. Online-Händlers zurücksenden kann, entsteht somit für den Shop noch ein zusätzliches Kostenrisiko. Dieses drückt sich nicht allein durch die Kosten für den Paketdienst oder die Spedition aus. Auch die so genannten Handlingkosten (Überprüfung der Produkte nach dem Wiedereintreffen im Lager, Rückführung in den Lagerbestand, Reparaturen oder Entsorgung) können hier einen erheblichen Anteil ausmachen.

Viele Logistikdienstleister die Erfahrung im Versandhandel mit großvolumigen Gütern haben (z. B. Kühlschränke, Waschmaschinen, Möbel etc.) bieten als Zusatzdienste Retourenmanagement und Reparaturdienstleistungen an. Als Beispiel sei hier das Unternehmen Pracht (http://www.pracht.de) erwähnt, das für das Lager- und Retourenmanagement großvolumiger Güter von Neckermann verantwortlich ist. Nach der physischen Retourenabwicklung erfolgt nach Austausch der Daten zwischen Logistikdienstleister und Online-Händler die finanzielle Rückabwicklung des Auftrags.

Ein weiterer Trend liegt im vollständigen Outsourcing des gesamten Logistikprozesses, wie folgendes Beispiel zeigt. So hat sich die Bertelsmann AG dazu entschlossen alle logistischen Aufgaben des von Ihr in den USA betriebenen Internet-Musikhandels CDNow an amazon.com zu übertragen. Der Internet-Auftritt und die Marke CDnow blieben im Besitz von Bertelsmann (vgl. http://www.heise.de/newsticker/data/anw-26.11.02-003/ , Abruf 04.11.2003).

Kurs: Konzepte in eCommerce-Anwendungen