AJAX - Frische Ansätze für das Web-Design

Vorwort

Liebe Leserin, lieber Leser,

die letzten Jahre der Entwicklung des Web-Designs waren eine Zeit der Konsolidierung. Exzesse wurden beseitigt, moderne Seiten von browserspezifischen Techniken auf standardbasierte umgestellt. Wesentliche Innovationen waren für den Benutzer (außer einem allgemeinen Trend zu aufgeräumteren Designs) nicht erkennbar. Das grundsätzliche Schema blieb im Wesentlichen das gleiche: Eine Seite führte zur nächsten, man konnte gelegentlich auf einer Seite Formulare ausfüllen oder anderweitig lokal interagieren. War aber Server-Interaktion gefragt, wurde unweigerlich eine neue Seite geladen, mit der ebenso unvermeidlichen Wartezeit auf einen kompletten neuen Seitenaufbau. Frames und Iframes sollten hier einmal Erleichterung schaffen, brachten aber jede Menge eigene Probleme und ein merkwürdig starres Designkorsett.

Was für eine Veränderung brachte das Jahr 2005! Ein neuer Wirbelwind fährt durch das virtuelle Land: AJAX. Seiten können sich plötzlich dynamisch ändern, mit jederzeit frischer Information vom Server. Neue Anwendungen vor allem von Google finden breite Beachtung: Gmail, Google Suggest, Google Maps. Alle räumen sie mit dem an die Frühzeiten der Datenverarbeitung gemahnenden „Abschicken“ von Seiten auf. Interaktion ist direkter, unmittelbarer. Information ist dann zu sehen, wenn sie gebraucht wird. Neue Muster des Interaktions-Designs entstehen.

AJAX wird gerade zu einem bedeutenden Baustein im Portfolio jedes Web-Designers. Zwar sind die eingesetzten Technologien - JavaScript, DOM, CSS und manchmal XML - eigentlich nicht neu, aber die Idiome, die sich jetzt herausbilden, führen zu einer neuen Art von webbasierten Anwendungen, zu einem Brückenschlag zwischen der Informationsvielfalt des World Wide Web und der interaktiven Nutzbarkeit von lokalen Anwendungen. AJAX ist bezeichnend für das neue Gesicht des Web, für das Aufblühen neuer Anwendungen und das Re-Launchen und Aufpolieren bestehender Angebote, das gerade allernorts zu beobachten ist und für das sich der Begriff „Web 2.0“ durchzusetzen beginnt.

Die neue Freiheit in der Gestaltung webbasierter Anwendungen erfordert aber auch Fingerspitzengefühl: Es gibt nicht das eine universelle AJAX-Framework, auf das sich alle geeinigt haben, ebensowenig wie sich bereits universell akzeptierte „Best Practices“ herausgebildet haben. Die verbesserten Interaktionsmöglichkeiten werden von manchen Designern zunächst auch missbraucht werden, wie es bei eigentlich allen neuen Web-Technologien zu beobachten war. Es geht bei AJAX also nicht nur um reine Technik, sondern immer auch um eine kritische Würdigung der neuen Möglichkeiten bezüglich ihres Nutzens (und potentiellen Schadens!).

Dieses Buch bietet eine Einführung in das spannende neue Feld von AJAX und verwandte aktuelle Methoden des Web-Designs. Teil einer neuen Reihe, die in alle wichtigen Web-Technologien einführt, wendet es sich an Leser mit Vorkenntnissen im Web-Design. Grundkenntnisse in HTML, CSS und JavaScript erleichtern das Studium des vorliegenden Buches, werden bei Bedarf aber jeweils vertieft. Vorteilhaft sind außerdem Kenntnisse in XML, die aber für das Verständnis dieses Buchs nicht vorausgesetzt werden.

Bremen, im September 2005 Olaf Bergmann, Carsten Bormann

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