Basiswissen für Selbstständige

3.4 Gewinnermittlung und Buchführung

Ziel dieses Abschnitts ist:

  • zu klären, welche Betriebsausgaben gewinn- und damit steuermindernd von den Finanzbehörden anerkannt werden,
  • darzustellen, wie die Aufzeichnung von Geschäftsfällen aufgrund von Belegen ordnungsgemäß zu erfolgen hat,
  • zu erklären, wie der Gewinn vorschriftsmäßig zur Ermittlung der Gewinnsteuern festzustellen ist.

Jeder Selbständige ist verpflichtet, in vorgeschriebener Art und Weise seinen Gewinn zu ermitteln, und diesen den Finanzbehörden ordnungsgemäß mitzuteilen. Auf den Gewinn müssen Steuern gezahlt werden. Eine der wichtigsten Steuern ist die Einkommensteuer; sie wird auf bestimmte „Einkünfte“ berechnet. Der Gewinn von Unternehmen ist auch eine Einkunft. So betrug die Einkommensteuer im Jahre 2002 ca. 148 Mrd. €; das entsprach einem Anteil von ca. 33% an den gesamten Steuereinnahmen des Staates. Indem nun der Staat vorschreibt, was überhaupt Gewinn ist und wie er ermittelt werden muss, bestimmt er indirekt, wie viel Steuern er einnimmt. Direkt beeinflusst der Staat das Steueraufkommen dann durch die Festsetzung der Steuersätze, d.h. der %-Sätze, mit denen die regelgerecht ermittelten Einkünfte besteuert werden.

Die ganz allgemeine Formel für Gewinn bzw. Verlust lautet:

                           Gewinn = Ertrag – Aufwand                      falls Ertrag > Aufwand

                           Verlust = Ertrag – Aufwand                       falls Ertrag < Aufwand

Es stellt sich die Frage, was ist Ertrag und was ist Aufwand, oder genauer gesagt, was erkennt der Staat als Ertrag und als Aufwand jeweils an.

1. Ertrag

In den §§ 13 – 22 des Einkommensteuergesetzes (EStG) ist detailliert festgeschrieben, was zu den einkommensteuerpflichtigen Einkünften zählt. Das deutsche Einkommensteuerrecht kennt 7 Einkunftsarten:

  • § 13 EStG Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft
  • § 15 EStG Einkünfte aus Gewerbebetrieb
  • § 18 EStG Selbständige Arbeit
  • § 19 EStG Nichtselbständige Arbeit
  • § 20 EStG Kapitalvermögen
  • § 21 EStG Vermietung und Verpachtung
  • § 22 EStG Arten der sonstigen Einkünfte

Die ersten drei Einkunftsarten sind die Einkünfte von Unternehmen; sie werden auch Gewinneinkunftsarten genannt.

Wer z.B. selbständig eine wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit ausübt (Freiberufler) hat Gewinneinkünfte aus „selbständiger Arbeit“; wer sich z.B. selbständig und nachhaltig am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr mit der Absicht beteiligt, Gewinn zu erzielen, und dabei weder eine land- und forstwirtschaftliche noch eine freiberufliche noch eine andere selbständige Tätigkeit ausübt, der erzielt Gewinneinkünfte aus „Gewerbebetrieb“.

2. Aufwand

Was hingegen für Unternehmen als gewinn- und damit steuermindernder Aufwand gilt, ist in solchen zentralen Paragraphen des EStG festgelegt, wie z.B.:

  • § 4 Gewinnbegriff im allgemeinen
  • § 6 Bewertung
  • § 7 Absetzung für Abnutzung oder Substanzverringerung.

3. Differenz (Saldo) zwischen Ertrag und Aufwand (Gewinn/Verlust)

Wie der Gewinn nun konkret zu berechnen ist, klären grundlegend die Absätze 1 und 3 des §4 EStG. Demnach gibt es zwei Gewinnermittlungsarten:

  • Betriebsvermögensvergleich, §4 Abs. 1 EStG
  • Einnahme-Überschussrechnung, §4 Abs. 3 EStG.

Betriebsvermögensvergleich – §4 Abs. 1 EStG

Gewinn ist der Unterschiedsbetrag zwischen dem Betriebsvermögen am Schluß des Wirtschaftsjahrs und dem Betriebsvermögen am Schluß des vorangegangenen Wirtschaftsjahrs, vermehrt um den Wert der Entnahmen und vermindert um den Wert der Einlagen. Entnahmen sind alle Wirtschaftsgüter (Barentnahmen, Waren, Erzeugnisse, Nutzungen und Leistungen), die der Steuerpflichtige dem Betrieb für sich, für seinen Haushalt oder für andere betriebsfremde Zwecke im Laufe des Wirtschaftsjahrs entnommen hat. Einlagen sind alle Wirtschaftsgüter (Bareinzahlungen und sonstige Wirtschaftsgüter), die der Steuerpflichtige dem Betrieb im Laufe des Wirtschaftsjahrs zugeführt hat. Bei der Ermittlung des Gewinns sind die Vorschriften über die Betriebsausgaben, über die Bewertung und über die Absetzung für Abnutzung oder Substanzverringerung zu befolgen.

Einnahme-Überschussrechnung – §4 Abs. 3 EStG

Steuerpflichtige, die nicht auf Grund gesetzlicher Vorschriften verpflichtet sind, Bücher zu führen und regelmäßig Abschlüsse zu machen, und die auch keine Bücher führen und keine Abschlüsse machen, können als Gewinn den Überschuss der Betriebseinnahmen über die Betriebsausgaben ansetzen. Die Vorschriften über die Absetzung für Abnutzung oder Substanzverringerung sind zu befolgen. Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten für nicht abnutzbare Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens sind erst im Zeitpunkt der Veräußerung oder Entnahme dieser Wirtschaftsgüter als Betriebsausgaben zu berücksichtigen.

4. Belege, Aufzeichnungen, Bücher

Die Einkommensteuer ist eine Jahressteuer; es werden immer die Einkünfte eines Jahres besteuert. Der Gewinn wird für die Finanzbehörden immer für ein Jahr ermittelt, den Finanzbehörden mitgeteilt wird immer der Jahresgewinn mitgeteilt. Die eigentliche Feststellung des Gewinns zum Jahresende (im Jahresabschluss) kann nicht funktionieren, wenn nicht im Laufe des Jahres entsprechende „Aufzeichnungen“ gemacht werden (wer kann schon alle wirtschaftlichen Vorgänge im Unternehmen im Jahr im Kopf behalten). Teil des großen und schwierigen Komplexes der Gewinnermittlung ist also die Sammlung, Ordnung und Aufbewahrung von Belegen, das Aufzeichnen der Geschäftsfälle selbst, das Führen von Büchern – sie liefern und halten das Material, die Nachweise für den Gewinn.

Wichtige Bestimmungen darüber, wie Bücher und Aufzeichnungen zu führen sind, enthält die Abgabenordnung (AO).

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