Konzepte Content-Repräsentation & Markup-Sprachen

1.4 Schriftarten

Ein wichtiger Bereich bei der Verarbeitung von Textinformationen ist die Darstellung. Rechnersysteme können Dokumente, die in einem bestimmten Zeichensatz vorliegen, in verschiedenen Schriftarten darstellen oder ausdrucken. Abbildung 11 und Abbildung 12 zeigen die Darstellung einiger Zeichen des Zeichensatzes iso8859-1 in zwei verschiedenen Schriftarten.

Abbildung 11. Zeichen aus ISO/IEC 8859-1 in der Schriftart Courier

Abbildung 12. Zeichen aus ISO/IEC 8859-1 in der Schriftart Helvetica

Courier und Helvetica sind dabei zwei Vertreter von sogenannten Schriftfamilien. Die Abbildungen deuten bereits an, daß es neben der Schriftfamilie noch andere Unterscheidungsmerkmale für Schriftarten gibt.

Zeichensätze bieten die Möglichkeit, Zeichen bestimmte Codes zuzuordnen und so mit Hilfe dieser Codes Textinformationen zu repräsentieren. Dabei ist es wichtig zu verstehen, daß die verwendeten Codes im allgemeinen für abstrakte Zeichen, (z.B. eines Alphabets) stehen — nicht aber für die sichtbaren Symbole, die Glyphs, selbst. ISO/IEC 10646 und Unicode spezifizieren beispielsweise nur die Codeposition der verschiedenen Zeichen, nicht aber, wie diese Zeichen dargestellt werden sollen.

Um Textinformationen auf Computersystemen visualisieren zu können, muß also zunächst eine Zuordnung von Zeichencodes zu Glyphs vorgenommen werden. Ein Glyph ist eine abstrakte Form eines darstellbaren Schriftartsymbols, d.h. ein Glyph beschreibt, wie ein Zeichen unabhängig von konkreter Größe, verwendetem Stil usw. dargestellt wird.

Um nun Textinformationen wirklich darstellen zu können, sind konkrete Zeichendefinitionen erforderlich. Diese werden im allgemeinen in Schriftarten (englisch fonts) definiert. Schriftarten definieren, wie Zeichen eines Zeichensatzes dargestellt werden, d.h., welcher Glyph für welches Zeichen verwendet wird.

Schriftarten weisen verschiedene Merkmale auf, nach denen sie unterschieden werden können:

Schriftfamilie

Häufig verwendete Schriftfamilien sind Times Roman oder Helvetica.

Abbildung 13. Einige häufig verwendete Schriftfamilien

Sie kennen eventuell die Bezeichnung Times New Roman aus Ihrem Textverarbeitungsprogramm. Hierbei handelt es sich nicht wirklich um eine neue, von Times Roman verschiedene, Schriftfamilie, sondern um eine der Schriftfamilie Times Roman nachempfundene Schriftfamilie. Schriftfamilien und deren Namen sind lizenz- und markenrechtlich geschützt, so daß das Erstellen einer ähnlichen Schriftfamilie eine Möglichkeit zur Umgehung der oftmals etwas restriktiven Lizenzbestimmungen darstellt. Times Roman wird z.B. von der amerikanischen Firma Linotype als Name für die von ihr verwendete Schriftfamilie benutzt. Die Schriftfamilie wird heute von Adobe und Apple lizenziert. Die englische Firma Monotype, die die Schriftfamilie ursprünglich für die Zeitung The Times entwickelt hat, verwendet stattdessen die Bezeichnung Times New Roman. Diese Schriftfamilie, die heutzutage praktisch identisch zu Times Roman ist, wird unter anderem von Microsoft lizenziert und verwendet.

Ähnlich verhält es sich mit den Schriftfamilien Helvetica und Arial. Helvetica gilt als qualitativ hochwertige serifenlose Schrift und hat bereits in den 1960er Jahren eine große Verbreitung gefunden. Arial wurde ebenfalls von der Firma Monotype als Alternative zu Helvetica vermarktet. Allerdings ist Arial nicht vollständig identisch zu Helvetica, sondern unterscheidet sich in einer Reihe von durch geübte Betrachter erkennbaren Details. Im allgemeinen gilt Helvetica als “das Original” und wird daher im professionellen Bereich bevorzugt. Arial hingegen wird von Microsoft als Standardschrift in Windows mitgeliefert und hat daher weite Verbreitung gefunden.

Größe

Die Schriftgröße wird meistens in dem typographischen Maß Punkt (englisch: point) angegeben. Leider gibt es verschiedene Definitionen über die Größe eines Punkts. Die im angelsächsischen Sprachraum (in Großbritannien und in den USA) verbreitete Variante wird angelsächsicher Punkt (oder ATA point) genannt und entspricht etwa 0,013837 inch, was wiederum 0,3514598 mm entspricht. Die in Deutschland immer noch gebräuchliche Variante wird Didot-Punkt genannt. Dabei entspricht ein Punkt 1/72 des französischen Zoll, das sind ca. 0,376 mm oder 1/2660 m, manchmal allerdings auch vereinfacht zu 0,375 mm. Es gibt tatsächlich noch weitere Definitionen... Ein Punkt in der Seitenbeschreibungssprache PostScript (siehe Lerneinheit 4) entspricht 1/72 britischen inch, das sind 0,3527777778 mm. Diese zur Vereinfachung getroffene Festlegung wird heute auch als simplified point bezeichnet und wird am häufigsten verwendet. (Es gibt Bestrebungen, auch für die Beschreibungen von Schriften das metrische System zu verwenden und alle Größen in metrischen Maßeinheiten, d.h., in Millimeter anzugeben; wegen der Dominanz von PostScript und anderen aus den USA stammenden Systemen zur Textverarbeitung ist dies allerdings wenig praxisrelevant.)

Gebräuchliche Schriftgrößen für auf Bildschirmen und Papierausdrucken darzustellenden Text sind 9 bis 12 Punkt. Die Größenangabe als Punktgröße ist deswegen von Bedeutung, weil die Auflösung von Ausgabegeräten meist immer noch als Dots per Inch (DPI) angegeben wird. Bei der Ausgabe am Bildschirm ist die Punktgröße im allgemeinen nur als relative Angabe zu verstehen, weil für eine genaue Angabe die Auflösung des Monitors des Betrachters bekannt sein müßte.

Abbildung 14 stellt verschiedene Schriftgrößen dar. Auch hier sind die Größenangaben natürlich nicht notwendigerweise für Ihren Bildschirm zutreffend, und daher nur als relative Angabe zu verstehen.

Abbildung 14. Verschiedene Schriftgrößen



Stil

Kursiv und Fettschrift sind Beispiele für verschiedene Stile.

Abbildung 15. Verschiedene Stile



Glyphabstand

Grundsätzlich werden Schriftarten mit festem Glyphabstand in Schreibrichtung (abstandsgleiche Schriften, Festbreitenschriften, englisch: fixed width fonts oder monospace fonts) und Schriftarten mit variablem Glyphabstand (Proportionalschrift) unterschieden.

Für Briefe, Zeitungsartikel und Bücher wird Proportionalschrift verwendet. Dies wird für Fließtexte oft als optisch angenehmer empfunden. Z.B. für Quelltext von Computer-Programmen wird dagegen im allgemeinen eine Schriftart mit festem Glyphabstand verwendet, um die Zuordnung von Spaltenpositionen über mehrere Zeilen hinweg zu ermöglichen.

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