Konzepte Content-Repräsentation & Markup-Sprachen

6.3 Logische Dokumentauszeichnung

In den vorhergehenden Abschnitten wurde der Weg von geräteabhängigen Steuercodes zu abstrakteren Formen der Layout-Beschreibung gezeigt. Die Abstraktion von konkreten Gerätetypen war dabei einer der ersten Schritte zu universellen Dokumentformaten, die einen Datenaustausch über Rechnergrenzen hinweg ermöglichten. Die ersten Nutzer dieser Möglichkeiten waren Verlagshäuser und die Dokumentationsabteilungen großer Computerhersteller. Autoren konnten ihre Beiträge für Handbücher, Zeitschriften usw. fortan in elektronischer Form einreichen.

Es wurde jedoch auch sehr schnell deutlich, daß die eingereichten Dokumente weiterhin redaktionell bearbeitet werden mußten, da die Autoren unterschiedliche Layout-Konventionen für ihre Texte verwendeten. Aus diesem Grund wurden Dokumente vor allem im Verlagswesen verstärkt mit Beschreibungen der logischen Struktur versehen. Abbildung 3 zeigt beispielhaft, wie die Bestandteile eines Kapitels in einem Buch auf diese Art beschrieben werden könnten.

Abbildung 3. Logische Struktur für ein Kapitel in einem Buch

Ein Kapitel beginnt in diesem Beispiel immer mit einer Überschrift. Anschließend können Text-Absätze oder Bilder folgen. Außerdem kann ein Kapitel in Abschnitte untergliedert werden, die über die gleiche Struktur verfügen wie ein Kapitel (einschließlich der Gliederung in Unterabschnitte).

Dem Betrachter wird diese Struktur im allgemeinen mit Hilfe bestimmter Konventionen vermittelt. So richten sich die Größe, Numerierung und der Stil von Überschriften üblicherweise nach der Schachtelungstiefe der Kapitel. In der Beispielabbildung ist zu erkennen, daß die Überschrift der zweiten Gliederungsebene etwas kleiner ist als die der ersten Ebene. Darüber hinaus wurden kleinere Abstände zum vorhergehenden und nachfolgenden Text gewählt, so daß die Überschrift weniger exponiert erscheint.

Anhand dieser informellen Beschreibung wird bereits deutlich, daß hier eine hierarchische Struktur vorliegt, die sich der Betrachter aus dem Layout zusammen mit seinem Hintergrundwissen über bestimmte Konventionen erschließen kann. Dabei werden mit Kapitel, Abschnitt und Bild zusätzliche Gliederungsebenen eingeführt, die nur implizit im Dokument vorhanden sind. Abbildung 4 zeigt schematisch das auf diese Weise erzeugte mentale Modell der Dokumenthierarchie.

Abbildung 4. Hierarchische Darstellung der Dokumentstruktur

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