Konzepte Content-Repräsentation & Markup-Sprachen

10.1 Hypertext

In den vorangehenden Lerneinheiten wurden Möglichkeiten zur Zusammenfassung von Inhaltsdaten zu komplexen Dokumentstrukturen gezeigt. Wie auch diese Online-Qualifikationseinheit zeigt, sind solche Gebilde aus der Alltagswelt gar nicht mehr wegzudenken und werden von vielen Nutzern als selbstverständlich angesehen. Doch schon nach den ersten Schritten beim Aufbau einer eigenen Web-Site wird deutlich, daß das World Wide Web (WWW) als riesiges globales Informationssystem mehr ist als nur die Ansammlung einzelner Dokumente: Eine wesentliche Eigenschaft des WWW ist die Möglichkeit, Ressourcen miteinander zu verknüpfen. Der aus dem klassischen Buchdruck bekannte lineare Lesefluß wird durch diese Verknüpfungen unterbrochen — es ergibt sich eine Vielzahl möglicher Betrachtungsweisen der zugrundeliegenden Ressourcen.

Bestehen die in dieser Dokumentstruktur zusammengefaßten Inhaltsdaten zu einem großen Teil aus Textdaten, so spricht man in diesem Zusammenhang von Hypertext. In Anwendungskontexten, die unterschiedliche Medien gleichberechtigt nebeneinander stellen, wird auch häufig der Begriff Hypermedia benutzt. Oftmals ist die Grenze zwischen diesen Bezeichnungen allerdings nicht sehr ausgeprägt, und die Begriffe werden synonym verwendet. Insbesondere im Zusammenhang mit dem WWW meint der Terminus Hypertext üblicherweise die Verknüpfung aller möglichen Arten von Ressourcen — Text- genauso wie Audio-, Video- und Grafikdaten.

Im Unterschied zu einem linear organisierten Text verfügen Hypertexte über explizite Verknüpfungen (Links) zwischen den physischen Bestandteilen. Typischerweise nimmt ein Leser zu jedem Zeitpunkt nur einen Bruchteil aller miteinander in Beziehung stehenden Ressourcen des Hypertext wahr. Der gerade betrachtete Ausschnitt kann verändert werden, indem weitere Ressourcen in den aktuellen Dokumentkontext einbezogen werden. Auslöser einer solchen Veränderung ist das Verfolgen (“Traversieren”) eines Links.

In dieser Lerneinheit werden die Grundlagen von Hypertext-Strukturen und ihre Realisierung als XML-Anwendung diskutiert. Dazu soll im nächsten Unterabschnitt ein kurzer Einblick in die Entstehungsgeschichte dieser Technologie gegeben werden. Im Anschluß daran folgt eine systematische Betrachtung eines generischen Konzepts zur Beschreibung von Links zwischen strukturierten Objekten eines komplexen Informationssystems. Neben der graphentheoretischen Sichtweise werden unterschiedliche Umsetzungsversuche dieser Ansätze im SGML-Umfeld kurz aufgezeigt. Den Abschluß dieser Lerneinheit bildet eine ausführliche Darstellung der XML Linking Language (XLink), einer flexiblen Beschreibungssprache für Linkstrukturen zum Einsatz in beliebigen XML-Anwendungen.

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