Konzepte Content-Repräsentation & Markup-Sprachen

10.3 XML Linking Language (XLink)

In Anlehnung an die Verknüpfungstechniken in HTML, TEI und HyTime wurde im Jahr 2001 vom W3C mit der XML Linking Language (XLink) ein generischer Mechanismus für Hyperlinks in XML-Anwendungen standardisiert. Die Sprachmittel von XLink sind so definiert, daß sie zum einen eine erweiterte Funktionalität gegenüber den aus HTML bekannten Links bieten, zum anderen aber einfache Links (d.h. gerichtete Kanten zwischen zwei Knoten) weiterhin in HTML-Syntax angegeben werden können. Dadurch wird sichergestellt, daß sich bestehende HTML-Dokumente unter Beachtung der Link-Semantik in XLink-fähigen Anwendungsprogrammen (z.B. Web-Browsern) verarbeiten lassen.

Das grundlegende Adressierungskonzept für XLinks entspricht dem in Abschnitt 10.1.2 vorgestellten Mechanismus. Den Startpunkt einer XLink-Verknüpfung bildet ein Linking element, d.h. ein XML-Element, das die Verknüpfung repräsentiert. Dadurch wird insbesondere gewährleistet, daß der Startknoten durch eine (unter Umständen leere) lokale Ressource repräsentiert wird und somit ein Ausgangspunkt für das Traversieren des Links existiert.

Ein Linking Element kann eine beliebige Anzahl Lokatoren (Locators) aufweisen, die jeweils einen Endknoten bestimmen. Als Endknoten können wiederum alle Strukturkomponenten eines XML-Dokuments fungieren. In Abschnitt 10.3.3.3 wird eine Möglichkeit vorgestellt, wie die Ausdrucksfähigkeit von URLs in XML-Anwendungen erweitert werden kann, um Strukturbeschreibungen als Adreßinformation verwenden zu können. So ergeben sich ähnliche Möglichkeiten wie bei der Knotenadressierung mittels treeloc und dataloc in HyTime.

Ähnlich wie HyTime wurde auch XLink mit dem Ziel entwickelt, die Modularisierung von Anwendungen zu vereinfachen und bestehende Anwendungen nachträglich mit Informationen anreichern zu können. Wie bereits gezeigt, realisiert HyTime die dazu erforderliche Trennung der Sprachmittel mit Anwendungssemantik von den Sprachmitteln zur Spezifikation von Verknüpfungen zwischen Ressourcen durch den Einsatz von Architectural Forms. In XLink hingegen wird dies erreicht, indem ausschließlich Attribute zur Spezifikation von Links eingesetzt werden. Da Elementtypen in XML nach ihrer Deklaration jederzeit um weitere Attribute angereichert werden können, läßt sich eine bestehende DTD auf einfache Weise mit XLink-Semantik versehen.

Zur Vermeidung von Namenskonflikten verwenden die neu hinzugefügten Attribute einen speziellen Namespace-Namen (vgl. Lerneinheit 9). Die dafür reservierte Zeichenkette ist “http://www.w3.org/1999/xlink”. Sofern nicht anders angegeben, wird in den Beispielen dieser Lerneinheit immer das Namespace-Präfix “xlink” zur Kenntlichmachung von Elementen und Attributen in diesem Namensraum verwendet. Typischerweise findet sich in den betrachteten XLink-Beispielen also immer eine Deklaration der folgenden Art:

Beispiel 6. Namespace-Deklaration für XLink

      <elem xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink">
        ...
      </elem>
    

Das wichtigste Attribut im XLink-Namensraum ist das Attribut type, mit dem ein Element in einem beliebigen Namensraum als XLink-Element deklariert werden kann. Es werden sechs Elementtypen unterschieden, die zum Teil zusätzliche Anforderungen an das konkret verwendete Anwendungselement stellen, damit es als ein XLink-konformes Element fungieren kann. Die beiden zentralen Elementtypen, simple und extended, dienen zur Repräsentation der bereits bekannten Arten von Links zwischen Ressourcen, nämlich einfachen Verknüpfungen (einfache gerichtete Kanten) und erweiterten Verknüpfungen (Hyperkanten). Die restlichen vier Typen werden vorwiegend im Zusammenhang mit erweiterten Verknüpfungen eingesetzt und werden daher in Abschnitt 10.3.2 ausführlich vorgestellt.

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