Konzepte Content-Repräsentation & Markup-Sprachen

13.1 Einleitung

In Lerneinheit 12 wurden die XML-Anwendungen DocBook und XHTML betrachtet. Bei diesen Anwendungen steht die Auszeichnung von Textinformationen im Vordergrund. Allerdings erfolgt die ebenfalls in Lerneinheit 12 beschriebene Modularisierung von XHTML auch vor dem Hintergrund, daß ein grundlegendes, erweiterbares Markup-Vokabular für die Erstellung von Web-Dokumenten geschaffen werden soll.

Mit dem in Lerneinheit 9 beschriebenen Mechanismus der XML-Namespaces wurde die Grundlage für die Wiederverwendung von Markup-Vokabular geschaffen, mit der es möglich wird, das aus verschiedenen Kontexten stammende Markup-Vokabular in Dokumenten auf eindeutige Weise zu kombinieren. In sich abgeschlossene Definitions-Module (wie z.B. die XHTML-Module) decken jeweils einen bestimmten Teilbereich mit ihrem Markup-Vokabular ab. Autoren, die Informationen verschiedener Teilbereiche in XML-Dokumenten auszeichnen wollen, können sich der benötigten Module bedienen, ohne komplette DTDs übernehmen oder gar neu entwickeln zu müssen.

Genauso wie XHTML liegt auch der Definition von SMIL und SVG ein Modulkonzept zugrunde. Tatsächlich wurden die letztgenannten Spezifikationen speziell für die Erstellung von XHTML-basierten Dokumenten entwickelt, die um Multimedia-Präsentationen bzw. um Vektorgrafiken erweitert werden sollen. Autoren sollen also in die Lage versetzt werden, in XHTML-Dokumenten ausgewähltes Markup-Vokabular aus den SMIL- und SVG-Modulen zu verwenden, um damit Dokumente zu erstellen, die sowohl Textinformationen als auch Vektorgrafiken und die Beschreibung von zeitbezogenen Multimedia-Informationen enthalten. Tatsächlich ist es so, daß bereits SVG Markup-Vokabular aus SMIL für Funktionen wiederverwendet, die von beiden Sprachen benötigt werden.

Inhaltlich liegen sowohl SMIL als auch SVG keine allzu neuen Konzepte zugrunde. Es handelt sich hier größtenteils um eine Formulierung bekannter Konzepte in XML, wobei — wie gesagt — dem Gedanken der Modularisierung und Wiederverwendbarkeit besonders Rechnung getragen wurde. SMIL beruht beispielsweise auf einer Vereinfachung und Spezialisierung der bereits in HyTime viel allgemeiner umgesetzten Konzepte zur Verwaltung von Achsen verschiedener Koordinatensysteme (siehe Lerneinheit 10). SVG basiert — wie der Name bereits vermuten läßt — auf den in Lerneinheit 4 ausführlich erläuterten Konzepten zur Vektorgrafik.

Trotzdem ist es natürlich interessant zu erfahren, welche Lösungswege hier für die XML-basierten Auszeichnungssprachen dieser Anwendungsbereiche gewählt wurden. Bei der Auszeichnung von Dokumenten mit Animationselementen (dies trifft auf SMIL und SVG zu) hat man es z.B. mit der Schwierigkeit zu tun, ein Modell zu finden, das flexibel und mächtig genug für nicht-triviale Anwendungen ist, ohne dabei aber die volle Mächtigkeit einer universellen Programmiersprache wie PostScript zu erfordern, die aus vielerlei Gründen problematisch ist.

Auf jeden Fall ist es sinnvoll, sich die genannten Konzepte aus Lerneinheit 4 und Lerneinheit 10 vor dem Lesen dieser Lerneinheit noch einmal zu vergegenwärtigen. Der folgende Abschnitt 13.2 erläutert die Konzepte von SMIL, und Abschnitt 13.3 beschreibt SVG.

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