Rechter Terror in Deutschland

2.9.2 Der Schneider Abdurrahim Özüdogru

Am 13. Juni 2001 gegen 21.30 wird die Nürnberger Polizei zu einer Schießerei in die Gyulaer Straße gerufen. Der Tatort ist eine Änderungsschneiderei in einer kleinen Ladenwohnung im Stadtteil Steinbühl. Als die Beamten eintreffen, finden sie den leblosen Körper des türkischen Staatsbürgers Abdurrahim Özüdogru, geboren am 21. Mai 1952 in Yenisehir in der Türkei.

Er wurde aus nächster Nähe mit zwei Kopfschüssen getötet. Als Tatzeit wird die Zeit zwischen 16.15 Uhr und 17.00 Uhr angenommen.

Der türkische Schneider Abdurrahim Özudogru war das zweites Opfer der Zwickauer Terrorzelle. Wieder hinterlassen die Mörder für ihre Gesinnungsgenossen ihr Bekennerschreiben, das lautet: „13.6., Stadt der Reichsparteitage“.

63 Jahre zuvor, am 13. Juni 1938, wurde die die Durchführung der Aktion „Arbeitsscheu Reich“ durch die Kriminalpolizei beschlossen. Sie stellte die Legalisierung einer jahrelang zunehmenden Ausgrenzungspolitik durch Stigmatisierung und Kriminalisierung sogenannter sozialer Randgruppen dar. Betroffene waren Obdachlose, Bettler, Prostituierte, Homosexuelle, Sinti und Roma. Heute, 2001, sind es Migranten.

Abdurrahim Özüdogru gilt in seinem Umfeld als anständig und zuverlässig. Er ist geschieden und arbeitet als Schichtarbeiter bei der Firma Siemens. Nebenberuflich arbeitet er in einer Änderungsschneiderei. Am Tattag geben die Nachbarn zu Protokoll, dass sich das Opfer gestritten haben soll. Sie wollen zwei Männer mit osteuropäischem Einschlag bei dem Schneider gesehen haben.

Am Tatort finden die Ermittler Patronenhülsen, die wieder, wie die Experten vom BKA feststellen können, von einer Ceska Modell 83 stammen.

Es handelt sich dabei um die gleiche Waffe, mit der Enver Simsek rund neun Monate zuvor getötet wurde. Das ist zu diesem Zeitpunkt die einzige Verbindung zwischen diesen beiden Morden. Diese Erkenntnis hilft den Ermittlern jedoch wenig. Die Mordkommission ermittelt in verschiedene Richtungen. Man prüft, ob Täter und Opfer in Zusammenhang mit organisierter Kriminalität zu bringen sind, bei der auch Geldwäsche oder Rauschgifthandel denkbar sind.

Eine Verbindung zu der ersten Tat wird nicht gezogen. [6] [7]

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