Kurs: Organisation und Technologiemanagement

4.5.5 Das Phasenmodell von Malorny

Die Berliner Schule des Qualitätsmanagements um den inzwischen als Herausgeber der QZ tätigen Gerd F. Kamiske hat sich stark um die Umsetzung des Qualitätsmanagements bemüht. Im Rahmen dieser Arbeiten ist ein Umsetzungsmodell entstanden, das nicht nur in Deutschland, sondern europaweit besondere Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Es berücksichtigt in hohem Maße sozialpsychologische Aspekte der Implementierung und fundiert das EFQM-Modell. Es kann demnach als Umsetzungsmodell für diejenigen Organisationen gesehen sein, die als Basis ihrer Bemühungen um TQM das EFQM-Modell nutzen wollen.

Mit dem Begriff Business Excellence soll ausgedrückt werden, dass man über die All-Formel Total hinausgehen will zum Superlativ. Modelle mit diesem Zusatz beanspruchen das umfassendste überhaupt, was derzeit im Qualitätsmanagement möglich ist. Es handelt sich um Management- und Führungsmodelle zugleich, die - und darum geht es im Besonderen - TQM implementieren wollen. Ein solches Modell hat Chr. Malorny vorgelegt und wurde dafür mit dem europäischen Qualitätspreis für hervorragende wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet des Qualitätsmanagements (European Quality Award for Theses on TQM 1996) ausgezeichnet. Bezugspunkt für sein BE-Modell, das der Implementierung von TQM dient, ist das EFQM-Modell, dessen Hauptkategorien er zum Zwecke der Umsetzung als Hand¬≠lungsfelder bezeichnet. Es entstehen acht Handlungsfelder analog zu den EFQM-Hauptkriterien.

Um diese Handlungsstruktur zu dynamisieren entwirft Malorny ein vierstufiges Phasenmodell mit Kernaufgaben zu den einzelnen Handlungsfeldern. Ein solcher phasenspezifischer Umsetzungspfad ist wie folgt gegliedert und skizziert die Abbildung:

  • Sensibilisierungsphase: Initiierung des TQM

  • Realisierungsphase: Unternehmensweite Anwendung und Entfaltung des TQM

  • Stabilisierungsphase: Beschleunigung des Verbesserungsprozesses und innovative Ausrichtung

  • Phase der Excellence: Verfeinerung und Dynamisierung des TQM.

Da jede Phase durch spezifische Merkmale charakterisiert ist, ist es möglich, Schwerpunkte zu ermitteln und Gestaltungsforderungen zu berücksichtigen. Die Handlungsfelder sind mit den Phasen verknüpft worden und in einen zeitlichen Zusammenhang gestellt worden. Wenn eine Organisation in allen Handlungsfeldern diese Phasen durchläuft, hat es ihr Ziel erreicht, nämlich Business Excellence.

Das Erreichen von Business Excellence stellt wohl eine sehr anspruchsvolle Aufgabe dar, was die Frage aufwirft, ob nicht gerade das TQM mit Business Excellence-Aspirationen einen idealen Menschen als Mitarbeiter annimmt, also ein Menschenbild impliziert, das realistischen Annahmen gar nicht entspricht.