Warum ich kein Christ sein will

6.1 Die Bibel – Gottes Wort? Was wäre das für ein Gott!

Eine archaische Moral, die noch das Opfern von Menschen praktizierte, begegnet uns bereits im 1. Buch Mose, Genesis, Kap. 22, Vers 1-12. Ich meine die berühmt-berüchtigte Geschichte von Abraham und seinem Sohn Isaak:

»Nach diesen Ereignissen stellt Gott Abraham auf die Probe. Er sprach zu ihm: Abraham! Er antwortete: Hier bin ich. Gott sprach: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, geh in das Land Morija und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne, als Brandopfer dar. Frühmorgens stand Abraham auf, sattelte seinen Esel, holte seine beiden Jungknechte und seinen Sohn Isaak, spaltete Holz zum Opfer und machte sich auf den Weg zu dem Ort, den ihm Gott genannt hatte. … Abraham nahm das Holz für das Brandopfer und lud es seinem Sohn Isaak auf. Er selbst nahm das Feuer und das Messer in die Hand. So gingen beide miteinander. Nach einer Weile sagte Isaak zu seinem Vater Abraham: Vater! Er antwortete: Ja, mein Sohn! Dann sagte Isaak: Hier ist Feuer und Holz. Wo aber ist das Lamm für das Brandopfer? Abraham entgegnete: Gott wird sich das Opferlamm aussuchen, mein Sohn. … Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte, baute Abraham den Altar, schichtete Holz auf, fesselte seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar oben auf das Holz. Schon streckte Abraham seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten. Da rief ihm der Engel des Herrn vom Himmel her zu: Abraham, Abraham! Er antwortete: Hier bin ich. Jener sprach: Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus und tu ihm nichts zuleide! Denn jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest; du hast mir deinen einzigen Sohn nicht vorenthalten.«

Für viele Gläubige ist diese Geschichte ein unübertreffliches Beispiel für Gottergebenheit und Gehorsam im unbedingten Vertrauen auf Gott. Für mich ist sie in ihrer Moral abstoßend und ein Beispiel erschütternden Vertrauensbruchs. Kann ein solcher Vater seinem Sohn anschließend noch in die Augen schauen? Mir wird gesagt, dass diese in die Weltliteratur eingegangene Geschichte nur symbolisch zu verstehen sei. Symbolisch? Abgesehen davon, dass die meisten Menschen die Bibel so wörtlich nehmen, wie sie geschrieben wurde, wofür soll dieser furchtbare Text dann stehen? Meine Antwort darauf: Er steht allenfalls für das, was wir heute Kadavergehorsam nennen, blinde und willenlose Gefolgschaft. In unserer jüngsten Vergangenheit gibt es dafür leider eine Vielzahl schrecklicher Beispiele. Selbst wenn man diese Geschichte heute so deutet, dass sie als Absage an das Opfern von Menschen zu verstehen sei, so war sie doch über Jahrtausende ein fatales Beispiel blinder Ergebenheit.

Ein vergleichbarer, kaum bekannter Fall, jedoch mit grausamem Ausgang, ist das so genannte Brandopfer der einzigen Tochter des Heerführers Jiftach. Der Fall wird im Buch der Richter, Kap. 11, 30-35 beschrieben. Hier bewahrt kein angeblich gnädiger Gott das Opfer vor einem sinnlosen Tod.

»Jiftach legte dem Herrn ein Gelübde ab und sagte: Wenn du die Ammoniter wirklich in meine Gewalt gibst und wenn ich wohlbehalten von den Ammonitern zurückkehre, dann soll, was immer mir (als Erstes) aus der Tür meines Hauses entgegenkommt, dem Herrn gehören und ich will es ihm als Brandopfer darbringen. Darauf zog Jiftach gegen die Ammoniter in den Kampf und der Herr gab sie in seine Gewalt. Er schlug sie im ganzen Gebiet zwischen Aroër und Minnit bis hin nach Abel-Keramim vernichtend und nahm zwanzig Städte ein. So wurden die Ammoniter vor den Augen der Israeliten gedemütigt. Als Jiftach nun nach Mizpa zu seinem Haus zurückkehrte, da kam ihm seine Tochter entgegen; sie tanzte zur Pauke. Sie war sein einziges Kind; er hatte weder einen Sohn noch eine andere Tochter. Als er sie sah, zerriss er seine Kleider und sagte: Weh, meine Tochter! Du machst mich niedergeschlagen und stürzt mich ins Unglück. Ich habe dem Herrn mit eigenem Mund etwas versprochen und kann nun nicht mehr zurück.«

Was für ein Ungeheuer von Gott, dem zu Ehren ein Mensch lebendig verbrannt wird!

Einen besonders makabren Höhepunkt an göttlicher Amoral bietet das zweite Buch Mose, das Buch Exodus. Es beschreibt u. a. die Befreiung Israels aus der ägyptischen Gefangenschaft durch Gottes Hilfe. Jahwe, Gott der Herr, verheißt seinem (!) auserwählten Volk ein Land, in dem »Milch und Honig fließen« (Kap. 3, Vers 7-8), ein Land allerdings, das erst durch erbarmungslose Vernichtung der dort bereits Lebenden freigemacht werden muss (siehe z. B. Josua 6). Um den Pharao zur Freigabe der Israeliten zu bewegen, wird dieser und sein Volk mit fürchterlichen Plagen überzogen. Der Herr verwandelt das Nilwasser in Blut, überschwemmt Ägypten mit unbändigen Massen von Fröschen, Stechmücken, Heuschrecken, die Mensch und Tier erkranken und sterben lassen, schwerer Hagel verwüstet die Felder und erschlägt die Menschen, Finsternis befällt das Land (Kap. 7 bis 10). Als alle diese Strafen den Pharao nicht erweichen können, dem Auszug der Israeliten aus Ägypten zuzustimmen, greift Gott schließlich zum letzten Mittel und tötet alle Erstgeborenen:

Exodus 12, 29-31: »Es war Mitternacht, als der Herr alle Erstgeborenen in Ägypten erschlug, vom Erstgeborenen des Pharao, der auf dem Thron saß, bis zum Erstgeborenen des Gefangenen im Kerker, und jede Erstgeburt beim Vieh. Da standen der Pharao, alle seine Diener und alle Ägypter noch in der Nacht auf und großes Wehgeschrei erhob sich bei den Ägyptern; denn es gab kein Haus, in dem nicht ein Toter war. Der Pharao ließ Mose und Aaron noch in der Nacht rufen und sagte: Auf, verlasst mein Volk, ihr beide und die Israeliten! Geht und verehrt Jahwe, wie ihr gesagt habt.« (Vgl. Kap. 11, 4-8)

Die Israeliten blieben von den Plagen verschont und auch von der Tötung der Erstgeburten blieben sie ausgenommen, »da sie ihre Häuser mit Blut kennzeichneten, das Jahwe ein Zeichen war, an ihnen vorüberzugehen und sie nicht mit dem Unheil zu treffen, wenn er in Ägypten dreinschlägt« (vgl. Kap. 12, 12-13). Es ist bemerkenswert, dass Gott trotz seiner Allwissenheit dieser Kennzeichnung »seines« Volkes bedurfte.

Gott Jahwe begegnet uns im Alten Testament oft als grausamer, mitleidsloser und parteiischer Kriegsherr, der weder vor Völkermord noch dem Hinschlachten von Kindern und Wehrlosen zurückschreckt. Seine Strafaktionen gegen andersgläubige Völker können nur als maßlos und erbarmungslos bezeichnet werden. Beispielhaft seien aus der Fülle solcher Texte folgende Bibelstellen zitiert:

Numeri 21, 1-3: »Als der kanaanitische König von Arad, der im Negeb saß, hörte, dass Israel auf dem Weg von Atarim heranzog, griff er die Israeliten an und machte einige Gefangene. Da gelobte Israel dem Herrn: Wenn du mir dieses Volk in meine Gewalt gibst, dann weihe ich ihre Städte dem Untergang. Der Herr hörte auf Israel und gab ihm die Kanaaniter in seine Gewalt. Israel weihte sie und ihre Städte dem Untergang.«

Numeri 25, 1-5: »Als sich Israel in Schittim aufhielt, begann das Volk mit den Moabiterinnen Unzucht zu treiben. Sie luden das Volk zu den Opferfesten ihrer Götter ein, das Volk aß mit ihnen und fiel vor ihren Göttern nieder. So ließ sich Israel mit Baal-Pegor ein. Da entbrannte der Zorn des Herrn gegen Israel und der Herr sprach zu Mose: Nimm alle Anführer des Volkes und spieße sie für den Herrn im Angesicht der Sonne auf Pfähle, damit sich der glühende Zorn des Herrn von Israel abwende. Da sagte Mose zu den Richtern Israels: Jeder soll die von seinen Leuten töten, die sich mit Baal-Pegor eingelassen haben.«

Deuteronomium 3, 1-7: »Dann wendeten wir uns dem Weg zum Baschan zu und zogen hinauf. Og, der König des Baschan, rückte mit seinem ganzen Volk gegen uns aus, um bei Edrei zu kämpfen. Der Herr sagte zu mir: Fürchte ihn nicht, denn ich gebe ihn, sein ganzes Volk und sein Land in deine Gewalt. Tu mit ihm, was du mit Sihon getan hast, dem König der Amoriter, der in Heschbon seinen Sitz hatte. Und der Herr, unser Gott, gab auch Og, den König des Baschan, und sein ganzes Volk in unsere Gewalt. Wir schlugen ihn und ließen keinen überleben. Damals eroberten wir alle seine Städte. Es gab keine befestigte Stadt, die wir ihnen nicht genommen hätten: sechzig Städte, den ganzen Bezirk von Argob, das Königreich des Og in Baschan. ... Wir weihten sie der Vernichtung, wie wir es mit Sihon, dem König von Heschbon, getan hatten. Wir weihten die ganze männliche Bevölkerung und die Frauen, Kinder und Greise der Vernichtung. Alles Vieh und das, was wir in den Städten geplündert hatten, behielten wir als Beute.«

Deuteronomium 7, Verse 16, 20-24: »Du wirst alle Völker verzehren, die der Herr, dein Gott für dich bestimmt. Du sollst in dir kein Mitleid mit ihnen aufsteigen lassen. ... Außerdem wird der Herr, dein Gott, Panik unter ihnen ausbrechen lassen, so lange, bis auch die ausgetilgt sind, die überleben konnten und sich vor dir versteckt haben. Du sollst nicht erschreckt zurückweichen, wenn sie angreifen; denn der Herr, dein Gott, ist als großer und Furcht erregender Gott in deiner Mitte. Doch der Herr, dein Gott, wird diese Völker dir nur nach und nach aus dem Weg räumen. Du kannst sie nicht rasch ausmerzen, weil sonst die wilden Tiere überhand nehmen und dir schaden. Doch wird der Herr, dein Gott, dir diese Völker ausliefern. Er wird sie in ausweglose Verwirrung stürzen, bis sie vernichtet sind. Er wird ihre Könige in deine Gewalt geben. Du wirst ihren Namen unter dem Himmel austilgen. Keiner wird deinem Angriff standhalten können, bis du sie schließlich vernichtet hast.«

Deuteronomium 9, 1-3: »Höre Israel! Heute wirst du den Jordan überschreiten, um in das Land von Völkern, die größer und mächtiger sind als du, hineinzuziehen und ihren Besitz zu übernehmen. Du wirst in große Städte mit himmelhohen Mauern kommen, zu einem großen, hoch gewachsenen Volk ... Heute wirst du erkennen, dass der Herr, dein Gott, wie ein verzehrendes Feuer selbst vor dir hinüberzieht. Er wird sie vernichten und er wird sie dir unterwerfen, sodass du sie unverzüglich vertreiben und austilgen kannst, wie es der Herr dir zugesagt hat.«

Deuteronomium 20, 10-17: »Wenn du vor eine Stadt ziehst, um sie anzugreifen, dann sollst du ihr zunächst eine friedliche Einigung vorschlagen. Nimmt sie die friedliche Einigung an und öffnet dir die Tore, dann soll die gesamte Bevölkerung, die du dort vorfindest, zum Frondienst verpflichtet und dir untertan sein. Lehnt sie eine friedliche Einigung mit dir ab und will sich mit dir im Kampf messen, dann darfst du sie belagern. Wenn der Herr, dein Gott, sie in deine Gewalt gibt, sollst du alle männlichen Personen mit scharfem Schwert erschlagen. Die Frauen aber, die Kinder und Greise, das Vieh und alles, was sich sonst in der Stadt befindet, alles, was sich darin plündern lässt, darfst du dir als Beute nehmen. Was du bei deinen Feinden geplündert hast, darfst du verzehren, denn der Herr, dein Gott, hat es dir geschenkt. So sollst du mit allen Städten verfahren, die sehr weit von dir entfernt liegen und nicht zu den Städten dieser Völker hier gehören. Aus den Städten dieser Völker jedoch, die der Herr, dein Gott, dir als Erbbesitz gibt, darfst du nichts, was Atem hat, am Leben lassen. Vielmehr sollst du die Hetiter und Amoriter, Kanaaniter und Perisiter, Hiwiter und Jebusiter der Vernichtung weihen, so wie es der Herr, dein Gott, dir zur Pflicht gemacht hat, ...«

Gott selbst ist es offenbar, der sich gern zum Kriegsherrn erklärt und Eroberungskriege führt, die meist mit der Aufforderung verbunden sind, die Besiegten »ohne aufsteigendes Mitleid« zu töten, zu Sklaven zu machen oder wenigstens auszuplündern. Diese Form der Landnahme hat mit Sicherheit in späteren Jahrhunderten – man denke nur an die Spanier oder die Portugiesen – als von höchster Stelle legitimiertes Vorbild gedient. Die Bibel bietet hier zudem Formulierungen, die als Gottes Wort in ungezählten Kriegen der letzten Jahrhunderte als segnender Schlachtruf anfeuernde und gewissensberuhigende Verwendung fanden:

Deuteronomium 3, 22: »Ihr sollt sie nicht fürchten; denn der Herr, euer Gott, ist es, der für euch kämpft.« Numeri 24, 8: »Ja, Gott hat ihn aus Ägypten geführt. Er hat Hörner wie ein Wildstier. Er frißt die Völker, die ihm Feind sind, er zermalmt ihre Knochen und zerbricht ihre Pfeile.« Deuteronomium 32, 42: »Meine Pfeile mache ich trunken von Blut, während mein Schwert sich ins Fleisch frisst -, trunken vom Blut Erschlagener und Gefangener, ins Fleisch des höchsten feindlichen Fürsten.«

Deuteronomium 31, 1-6: »Mose trat vor ganz Israel hin und sprach diese Worte. Er sagte zu ihnen: Ich bin jetzt hundertzwanzig Jahre alt. Ich kann nicht mehr in den Kampf ziehen. Auch hat der Herr zu mir gesagt: Du wirst den Jordan hier nicht überschreiten. Der Herr, dein Gott, zieht selbst vor dir hinüber, er selbst vernichtet diese Völker bei deinem Angriff, sodass du ihren Besitz übernehmen kannst. Josua zieht vor dir hinüber, wie es der Herr zugesagt hat. Der Herr wird an ihnen tun, was er an Sihon und Og, den Amoriterkönigen, die er vernichtete, und an ihrem Land getan hat. Der Herr wird sie euch ausliefern: Dann sollt ihr an ihnen genau nach dem Gebot handeln, auf das ich euch verpflichtet habe. Empfangt Macht und Stärke: fürchtet euch nicht und weicht nicht erschreckt zurück, wenn sie angreifen; denn der Herr, dein Gott, zieht mit dir. Er lässt dich nicht fallen und verlässt dich nicht.«

Numeri 31, 1-18: »Der Herr sprach zu Mose: Nimm für die Israeliten Rache an den Midianitern! Danach wirst du mit deinen Vorfahren vereint werden. Da redete Mose zum Volk und sagt: Rüstet einen Teil eurer Männer für den Heeresdienst! Sie sollen über Midian herfallen, um die Rache des Herrn an Midian zu vollstrecken. Aus jedem Stamm Israels sollt ihr tausend Mann zum Heer abstellen. … Sie zogen gegen Midian zu Feld, wie der Herr es Mose befohlen hatte und brachten alle männlichen Personen um. Als sie die Männer erschlagen hatten, brachten sie auch noch die Könige von Midian um: Ewi, Rekem, Zur, Hur und Reba, die fünf Könige von Midian. Auch Bileam, den Sohn Beors, brachten sie mit dem Schwert um. Die Frauen von Midian und deren kleine Kinder nahmen die Israeliten als Gefangene mit. Das ganze Vieh und der reiche Besitz der Midianiter wurden ihre Beute. Alle Städte im Siedlungsgebiet der Midianiter und ihre Zeltdörfer brannten sie nieder. Alle Menschen und das ganze Vieh, das sie erbeutet und geraubt hatten, nahmen sie mit. Sie brachten die Gefangenen und die geraubte Beute zu Mose, zum Priester Eleasar und zur Gemeinde der Israeliten in das Lager in den Steppen von Moab am Jordan bei Jericho. Mose, der Priester Eleasar und alle Anführer der Gemeinde gingen ihnen aus dem Lager entgegen. Mose aber geriet in Zorn über die Befehlshaber, die Hauptleute der Tausendschaften und die Hauptleute der Hundertschaften, die von dem Kriegszug zurückkamen. Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr alle Frauen am Leben gelassen? Gerade sie haben auf den Rat Bileams hin die Israeliten dazu verführt, vom Herrn abzufallen und dem Pegor zu dienen, sodass die Plage über die Gemeinde des Herrn kam. Nun bringt alle männlichen Kinder um und ebenso alle Frauen, die schon einen Mann erkannt und mit einem Mann geschlafen haben. Aber alle weiblichen Kinder und die Frauen, die noch nicht mit einem Mann geschlafen haben, lasst für euch am Leben!«

Bereits im 2. Buch Mose (Exodus, Kap. 32) erlebt man einen ungemein grausamen Mose, der im Auftrage Gottes die Abtrünnigen bestraft, die während seiner Abwesenheit sich ein goldenes Kalb als Gottesbild geschaffen hatten. Es trifft den Nächsten, den Freund, sogar den Bruder:

Exodus 32, 26-29: »Mose trat an das Lagertor und sagte: Wer für den Herrn ist, her zu mir! Da sammelten sich alle Leviten um ihn. Er sagte zu ihnen: So spricht der Herr, der Gott Israels: Jeder lege sein Schwert an. Zieht durch das Lager von Tor zu Tor! Jeder erschlage seinen Bruder, seinen Freund, seinen Nächsten. Die Leviten taten, was Mose gesagt hatte. Vom Volk fielen an jenem Tag gegen dreitausend Mann. Dann sagte Mose: Füllt eure Hände mit Gaben für den Herrn! Denn jeder von euch ist heute gegen seinen Sohn und seinen Bruder vorgegangen und der Herr hat Segen auf euch gelegt.«

Von Mose heißt es übrigens in einem bewundernden Kommentar in der hier zitierten Einheitsübersetzung, dass er eine »der größten alttestamentarischen Gestalten« sei. Dass er ein gewöhnlicher Mörder war, tut seiner Wertschätzung offenbar keinen Abbruch. Im 2. Buch Mose (Exodus, Kap. 2, 11-14) wird berichtet, dass er einen Ägypter erschlug und verscharrte, weil dieser einen seiner Stammesbrüder geschlagen hatte. Mose wurde dieser Tat wegen angeklagt, entzog sich aber der Bestrafung durch Flucht.

Aber nicht nur in den fünf Büchern Moses finden sich ungezählte Bibelstellen, die die Gnadenlosigkeit Gottes bei seinen Bestrafungsaktionen gegenüber Abtrünnigen und Andersgläubigen dokumentieren. Im Buch Jesaia zum Beispiel, das ja im kirchlichen Leben eine herausgehobenere Rolle spielt, »vollstrecken Gottes hochgemute, jauchzende Helden seinen Zorn« (vgl. Jesaia 13, 3). Weiter heißt es dort:

Jesaia 13, 15-19: »Man sticht jeden nieder, dem man begegnet; wen man zu fassen bekommt, der fällt unter dem Schwert. Vor ihren Augen werden ihre Kinder zerschmettert, ihre Häuser geplündert, ihre Frauen geschändet. ... Ihre Bogen strecken die jungen Männer nieder; mit der Leibesfrucht haben sie kein Erbarmen, mit den Kindern kein Mitleid. Wie es Sodom und Gomorra erging, als Gott sie zerstörte, so wird es Babel gehen, dem Kleinod unter den Königreichen, dem Schmuckstück der stolzen Chaldäer.«

So wie ich mir am Beispiel der Sintflut konkret versuchte auszumalen, was diese die Wirklichkeit nur blass abbildenden Worte tatsächlich bedeuten, so versuche ich mir auch anhand dieser Bibelstellen vorzustellen, was Menschen anderen Menschen im Namen Gottes angetan haben mögen. Es sind ungeheure Kriegsverbrechen, die hier durch Gott und sein auserwähltes Volk begangen werden. Wir nennen das heute schlicht und einfach Völkermord! Solche mit der Autorität eines Gottes ausgestatteten Texte sind in der Tat »Moral bildend«. Sie lassen eine Ahnung aufkommen, welche verheerende Wirkung sie im Laufe der Jahrhunderte in Bezug auf Rechtfertigung und Erbarmungslosigkeit religiös motivierter Kriege und innergesellschaftlicher Auseinandersetzungen um den rechten Glauben entfalteten.

Im Buch Jesaia, Kap. 2, Vers 4 steht übrigens der oft zitierte Spruch, der gern als Beispiel für die angeblich friedensstiftenden Weisheiten der Bibel herausgestellt wird: »Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen.« Dass im Buch Joël, Kap. 4, Vers 10 das genaue Gegenteil steht, wird geflissentlich verschwiegen, wenn man es denn überhaupt weiß oder wissen will: »Schmiedet Schwerter aus euren Pflugscharen/ und Lanzen aus euren Winzermessern!«

Auch die kirchlich so geschätzten Psalmen offenbaren an vielen Stellen eine brutale und erbarmungslose Moral. Gewalt, Rache, Bestrafung stehen neben ständigen Ergebenheitsadressen und peinlich berührenden Lobreden. Im Vorwort zu den Psalmen (Einheitsbibel, S. 613) wird dieser Teil der Bibel als eines der bedeutendsten biblischen Bücher, ja sogar der Weltliteratur bezeichnet. Dies mag aus Sicht der Kirche so zu sehen sein, ich kann mich diesem Urteil nicht anschließen. Einige Beispiele seien angeführt, die den Vorwurf der Gewaltverherrlichung und einer nur archaisch-inhuman zu nennenden Moral wenigstens exemplarisch begründen: 13

Psalm 2, 7-11: »Den Beschluss des Herrn will ich kundtun. Er sprach zu mir: ›Mein Sohn bist du. Heute habe ich dich gezeugt. Fordre von mir und ich gebe dir die Völker zum Erbe, die Enden der Erde zum Eigentum. Du wirst sie zerschlagen mit eiserner Keule, wie Krüge aus Ton wirst du sie zertrümmern.‹ ... Dient dem Herrn in Furcht und küsst ihm mit Beben die Füße, damit er nicht zürnt und euer Weg nicht in den Abgrund führt.«

Psalm 3, 8-9: »Herr, erhebe dich, mein Gott, bring mir Hilfe! Denn all meinen Feinden hast du den Kiefer zerschmettert, hast den Frevlern die Zähne zerbrochen. Beim Herrn findet man Hilfe. Auf dein Volk komme dein Segen!«

Psalm 18, 38-48: »Ich verfolge meine Feinde und hole sie ein, ich kehre nicht um, bis sie vernichtet sind. Ich schlage sie nieder; sie können sich nicht mehr erheben, sie fallen und liegen unter meinen Füßen. ... Meine Feinde hast du zur Flucht gezwungen; ich konnte die vernichten, die mich hassen. Sie schreien, doch hilft ihnen niemand, sie schreien zum Herrn, doch er gibt keine Antwort. Ich zermalme sie zu Staub vor dem Wind, schütte sie auf die Straße wie Unrat. Du rettest mich vor zahllosem Kriegsvolk, du machst mich zum Haupt über ganze Völker. Stämme, die ich früher nicht kannte, sind mir nun untertan. ... denn Gott verschaffte mir Vergeltung und unterwarf mir die Völker.«

Psalm 44, 6: »Mit dir stoßen wir unsere Bedränger nieder, in deinem Namen zertreten wir unsere Gegner.« Psalm 72, 8-9: »Er herrsche von Meer zu Meer, vom Strom bis an die Enden der Erde. Vor ihm sollen seine Gegner sich beugen, Staub sollen lecken all seine Feinde.« Psalm 82, 10-11: »Mach es mit ihnen wie mit Midian und Sisera, wie mit Jabin am Bach Kischon, die du bei En-Dór vernichtet hast. Sie wurden zum Dung für die Äcker.« Psalm 110, 5-6: »Der Herr steht dir zur Seite; er zerschmettert Könige am Tage seines Zornes. Er hält Gericht unter den Völkern, er häuft die Toten, die Häupter zerschmettert er weithin auf Erden.« Psalm 137, 8-9: »Tochter Babel, du Zerstörerin! Wohl dem, der dir heimzahlt, was du uns getan hast! Wohl dem, der deine Kinder packt und sie am Felsen zerschmettert!«

Psalm 58, 4-11: »Vom Mutterschoß an sind die Frevler treulos, von Geburt an irren sie vom Weg ab und lügen. Ihr Gift ist wie das Gift der Schlange, wie das Gift der tauben Natter, die ihr Ohr verschließt, die nicht auf die Stimme des Beschwörers hört, der sich auf Zaubersprüche versteht.– O Gott, zerbrich ihnen die Zähne im Mund! Zerschlage, Herr, das Gebiss der Löwen! Sie sollen vergehen wie verrinnendes Wasser, wie Gras, das verwelkt auf dem Weg, wie die Schnecke, die sich auflöst im Schleim; wie eine Fehlgeburt sollen sie die Sonne nicht schauen. ... Wenn er die Vergeltung sieht, freut sich der Gerechte; er badet seine Füße im Blut des Frevlers.«

Das alles soll Gottes Wort sein? Was wäre das für ein Gott! Tatsächlich durchzieht die so geschätzten Psalmen in weiten Teilen ein primitives Hass- und Rachedenken. Dass der Andersgläubige, ja auch der Feind ein Mensch ist, lässt dieser Gott an keiner Stelle erkennen. Den Frevler gilt es zu töten, »als Unrat auf die Straße zu werfen und zum Dung für die Äcker werden zu lassen« (vgl. oben die Psalmen 18 und 44).

Um nochmals dem möglichen Einwand der Einseitigkeit der Zitate zu begegnen: Kaum einem Gläubigen sind diese Textstellen bekannt! Sie stehen im scharfen Kontrast zu der immer wieder wie selbstverständlich angenommenen Reinheit, Erhabenheit und Heiligkeit der Psalmen (und der Bibel insgesamt). Was nicht verwundert, wenn man sich an die selektive Zitierpraxis in Unterricht und Predigt erinnert. Aber schon in diesen – wenigen und nur ausschnittweise wiedergegebenen – obigen Passagen kommt eine menschenverachtende Denkweise und Moral zum Vorschein, die weit unter jedem heutigen Standard liegt und die zeigt, dass die von Politikern gern aufgestellte Behauptung von der norm- und moralstiftenden Rolle der Bibel (und des auf ihr basierenden Christentums) ohne wirkliche Kenntnis dieses Buches hinausposaunt wird. Dabei muss angemerkt werden, das die hier zugrunde gelegte Einheitsübersetzung wesentlich entschärfter ist und nicht so brutal formuliert, wie es zum Beispiel Luther in seiner Übersetzung noch getan hat.

Dieser archaisch-inhumane biblische Gott soll eine ethisch-moralische Instanz sein? Sich nur auf die moralisch einwandfreien und weihnachtliche Stimmung verbreitenden Psalmen-Verse zu beschränken, kann nicht statthaft sein und wäre auch unredlich angesichts der behaupteten Heiligkeit und göttlichen Autorenschaft des gesamten biblischen Textes. Übrigens: Wer vor gewaltverherrlichenden Filmen und brutalen Computerspielen zu Recht warnt, sollte die Bibel – besonders wegen ihres zwar ungerechtfertigten, aber faktisch hohen Ansehens – nicht vergessen zu erwähnen.

Dass die Sippenhaftung (1. mosaisches Gebot!) zum Arsenal göttlicher Sanktionen gehört, wissen wir bereits aus dem letzten Kapitel. Dass auch die Denunziation zu den Mitteln gehört, derer sich Gott bedient, um seine Anhänger bei der Stange zu halten, ist nicht weniger erschreckend. Es untermauert mein absolut negatives Urteil über diesen alttestamentarischen Gott beziehungsweise seine angeblich von ihm stammenden Worte. Es macht mir ein weiteres Mal klar, dass zumindest der Gott der Bibel nach dem Bilde des Menschen erschaffen wurde und dass sich in den Worten dieser alles andere als heiligen Schrift vor allem eine über die Jahrhunderte entwickelte, machthungrige und misstrauische Priesterschaft zu Wort meldet:

Deuteronomium 13, 7-11: »Wenn dein Bruder, der dieselbe Mutter hat wie du, oder dein Sohn oder deine Tochter oder deine Frau, mit der du schläfst, oder dein Freund, den du liebst wie dich selbst, dich heimlich verführen will und sagt: Gehen wir und dienen wir anderen Göttern …, die du und deine Vorfahren noch nicht kannten, ... dann sollst du nicht nachgeben und nicht auf ihn hören. Du sollst in dir kein Mitleid mit ihm aufsteigen lassen, sollst keine Nachsicht für ihn kennen und die Sache nicht vertuschen. Sondern du sollst ihn anzeigen. Wenn er hingerichtet wird, sollst du als Erster deine Hand gegen ihn erheben, dann erst das ganze Volk. Du sollst ihn steinigen und er soll sterben; denn er hat versucht, dich vom Herrn, deinem Gott, abzubringen, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus.«

Dass solche Texte den Zwecken einer machtorientierten Priesterschaft beziehungsweise der ihnen übergeordneten weltlichen Macht dienten und tatsächlich von dieser stammten, konnten historische Untersuchungen inzwischen bestätigen. Der katholische Alttestamentler Othmar Keel (*1937) führt dazu Folgendes aus:

»Die Forschung hat in letzter Zeit immer deutlicher gezeigt, dass dieser beunruhigende Text teilweise wörtlich assyrische Texte kopiert – nicht religiöse, sondern politische. Das im nördlichen Irak beheimatete, expansive Assyrerreich hat die von ihm unterworfenen Könige eidlich verpflichtet, nur dem assyrischen Großkönig zu dienen und jeden und jede unverzüglich zu denunzieren, die sie dazu überreden wollten, vom Großkönig von Assur abzufallen. Solche Vasallitätsverpflichtungen mussten eine Zeitlang auch die judäischen Könige in Jerusalem übernehmen.« 14

Wieso – so könnte man sich doch fragen – bedarf Gott, der angeblich in jedes Herz schauen kann, solcher Zuträger? Ich möchte den Pfarrer oder gar Bischof sehen, der diese Bibelworte als Gotteswort verkündet, ohne dabei rot zu werden. Mir war die Denunziation selbst engster Angehöriger bisher nur als Scheußlichkeit der nationalsozialistischen Gestapo und des Staatssicherheitsdienstes der DDR bekannt. Dass das »heilige« und »vom heiligen Geist inspirierte« Buch der Kirche die Denunziation als Instrument der Überwachung fordert – die Kirche hat diese später hunderttausendfach eingesetzt, man denke nur an die Inquisition – hat selbst mich sprachlos gemacht.

In milderer, wenngleich ebenfalls effektiver Form setzt die katholische Kirche das unwürdige Aushorchen eines Gläubigen in Form der Beichte fort. Dass einem Menschen, der sich von einer schweren persönlichen Schuld belastet fühlt, ein zuhörender und darüber schweigender Priester eine seelische Hilfe bedeuten kann, das will ich noch akzeptieren. Aber das schamlose, bis in die Intimsphäre reichende Ausspionieren – denn etwas anderes ist für mich dieses einmischende und besitzergreifende Abfragen nicht – von Kindern und Erwachsenen ist eines Menschen unwürdig – übrigens für beide Seiten. Die viel zitierte Menschenwürde, auf die sich die Kirche scheinheilig so oft beruft – hier wird sie der beabsichtigten Disziplinierung wegen außer Kraft gesetzt.

Einen weiteren Höhepunkt an Menschenverachtung stellt Deuteronomium 28, Vers 15-68 dar, besonders 53 und 63, deren Wortlaut ich hier nur wegen ihrer Länge nicht zitiere. (Es handelt sich ebenfalls um einen ursprünglich politischen Zwecken dienenden assyrischen Text. Siehe dazu noch einmal Anm. 14!) Aber wir werden noch sehen, dass – entgegen aller landläufigen Meinung – das Neue Testament sich in dieser Hinsicht noch steigert!

Im Umkreis des oben zitierten Kapitels 13 fiel mir folgende moralisch ebenfalls höchst fragwürdige Bibelstelle auf:

Deuteronomium, Kap. 14, 21a: »Ihr dürft keinerlei Aas essen. Du sollst es dem Fremden, der in euren Stadtbereichen Wohnrecht hat, zum Essen überlassen oder es einem Ausländer verkaufen. Denn du bist ein Volk, das dem Herrn, deinem Gott, heilig ist.«

Nach Auffassung dieses hier waltenden Gottes waren Ausländer, also Andersstämmige, und Sklaven sowieso, eben Menschen minderen Ranges.

Der Kirche sind diese und eine Unzahl anderer Bibelstellen inzwischen höchst peinlich, sie kann sich hier nur durch schweigendes Ignorieren solcher Stellen aus der Argumentationsnot retten. Die Todesstrafe für homosexuelles Verhalten zwischen Männern, wie sie die Bibel (Levitikus 20, 13) fordert, kam bereits in Kapitel V und auch zu Anfang dieses Kapitels zur Sprache. Bezeichnend für das Dilemma, oder soll man sagen: für die nicht eingestandene Unredlichkeit der Kirche, sind in diesem Zusammenhang die Ausführungen im neuesten (katholischen) Katechismus von 1993 zur Homosexualität. Dort wird unter dem Stichwort Homosexualität um Verständnis für diese Veranlagung geworben (siehe an!), zugleich aber auch darauf verwiesen, dass es sich nach Auffassung der Heiligen Schrift um eine »Abirrung« handelt. Dazu wird fast verschämt in Kleinstdruck auf vier Bibelstellen verwiesen (nicht zitiert!), in denen die Verwerflichkeit homosexueller Handlungen thematisiert wird. Bezeichnenderweise erfolgt weder direkt durch Angabe von Levitikus 20, 13 noch indirekt durch Umschreibungen irgendein Hinweis auf die in der Bibel geforderte Todesstrafe für dieses Verhalten. 15

Dieses scheinheilige Verschweigen ist nicht nur unredlich, das ist verlogen und verwerflich angesichts der ungezählten, gewiss in die Hunderttausende gehenden Menschenleben, die dieser Bibelpassus über die Jahrtausende gefordert hat. Und das psychische Leid, das jene zu ertragen hatten, die ihre Veranlagung verschweigen konnten, deshalb zwar nicht bestraft oder gar hingerichtet wurden, aber in ständiger physischer Bedrohung und psychischer Not leben mussten, ist überhaupt nicht zu ermessen. Der katholische Theologe David Berger (*1968), der im Jahr 2010 seine Homosexualität öffentlich bekannte und daraufhin von der katholischen Kirche seiner Ämter enthoben wurde, schätzt in seiner Autobiographie die Zahl der homosexuellen Priester aufgrund interner Informationsquellen auf 50 Prozent. 16

Nach außen hin passt sich die Kirche notgedrungen dem Zeitgeist an, will sie nicht noch mehr Menschen der gebildeteren Schichten verlieren, die zwar formal oft in der Kirche bleiben, deren Distanz zum eigentlichen Glauben – nicht den traditionellen äußeren Formen! – aber immer mehr zunimmt. Allerdings gerät die Kirche mit ihrer verbalen Anpassung in immer größeren Widerspruch zu sich selbst, zu eindeutigen Aussagen im Alten und Neuen Testament. Das gilt zum Beispiel für das Thema der menschenausbeutenden Sklaverei, das gilt für das Verhalten gegenüber Missgeborenen und Geisteskranken oder zum Beispiel für die Stellung der Frau gegenüber Mann und Gesellschaft. Heutige kirchliche – als angeblich schon immer gültige Lehrmeinungen verkaufte – Aussagen stehen im krassen Gegensatz zu früheren Äußerungen und zu diesbezüglich eindeutigen und klaren Bibelworten:

Levitikus 25, 1, 44-46: »Der Herr sprach zu Mose auf dem Berg Sinai: ... Die Sklaven und Sklavinnen, die euch gehören sollen, kauft von den Völkern, die rings um euch wohnen; von ihnen könnt ihr Sklaven und Sklavinnen erwerben. Auch von den Kindern der Halbbürger, die bei euch leben, aus ihren Sippen, die mit euch leben, von den Kindern, die sie in eurem Land gezeugt haben, könnt ihr Sklaven erwerben. Sie sollen euer Eigentum sein und ihr dürft sie euren Söhnen vererben, damit diese sie als dauerndes Eigentum besitzen; ihr sollt sie als Sklaven haben.«

Exodus 21, 2-11 (hier zitiert 2-6): »Wenn du einen hebräischen Sklaven kaufst, soll er sechs Jahre Sklave bleiben, im siebten Jahr soll er ohne Entgelt als freier Mann entlassen werden. Ist er allein gekommen, soll er allein gehen. War er verheiratet, soll seine Frau mitgehen. Hat ihm sein Herr eine Frau gegeben und hat sie ihm Söhne oder Töchter geboren, dann gehören Frau und Kinder ihrem Herrn und er muss allein gehen. Erklärt aber der Sklave: Ich liebe meinen Herrn, meine Frau und meine Kinder und will nicht als freier Mann fortgehen, dann soll ihn sein Herr vor Gott bringen, er soll ihn an die Tür oder an den Torpfosten bringen und ihm das Ohr mit einem Pfriem durchbohren; dann bleibt er für immer sein Sklave.«

Buch Jesus Sirach 33, 25-30: »Futter, Stock und Last für den Esel, Brot, Schläge und Arbeit für den Sklaven! Gib deinem Sklaven Arbeit, sonst sucht er das Nichtstun. Trägt er den Kopf hoch, wird er dir untreu. Joch und Strick beugen den Nacken, dem schlechten Sklaven gehören Block und Folter. Gib deinem Sklaven Arbeit, damit er sich nicht auflehnt, denn einem Müßigen fällt viel Schlechtigkeit ein. Befiehl ihn zur Arbeit, wie es ihm gebührt; gehorcht er nicht, leg ihn in schwere Ketten!«

1. Korinther 7, 21-24: »Wenn du als Sklave berufen wurdest, soll dich das nicht bedrücken; auch wenn du frei werden kannst, lebe lieber als Sklave weiter. Denn wer im Herrn als Sklave berufen wurde, ist Freigelassener des Herrn. Ebenso ist einer, der als Freier berufen wurde, Sklave Christi. Um einen teuren Preis seid ihr erkauft worden. Macht euch nicht zu Sklaven von Menschen! Brüder, jeder soll vor Gott in dem Stand bleiben, in dem ihn der Ruf Gottes getroffen hat.«

1. Petrusbrief 2, 18-20: »Ihr Sklaven ordnet euch in aller Ehrfurcht euren Herren unter, nicht nur den guten und freundlichen, sondern auch den launenhaften. Denn es ist eine Gnade, wenn jemand deswegen Kränkungen erträgt und zu Unrecht leidet, weil er sich in seinem Gewissen nach Gott richtet. Ist es vielleicht etwas Besonderes, wenn ihr wegen einer Verfehlung Schläge erduldet? Wenn ihr aber recht handelt und trotzdem Leiden erduldet, das ist eine Gnade in den Augen Gottes.«

Viele weitere Bibelstellen sowohl des Alten wie des Neuen Testaments, die die Sklaverei als natürlichste Sache der Welt beschreiben, könnten hier noch angefügt werden. Auch in den Zehn Geboten und den oben zitierten alttestamentarischen Berichten über die von Gott unterstützten Kriegszüge wird mit großer Selbstverständlichkeit von der Existenz von Sklaven gesprochen (in der Einheitsübersetzung oft schönfärberisch Diener genannt!), ja, Gott als Kriegsherr fordert die Sieger ganz ausdrücklich dazu auf, die Besiegten zu Frondiensten, was ja nichts anderes als Sklaverei bedeutet, heranzuziehen.

Die Bibel also als Grundlage von Moral und Menschenrechten? Selbst Jesus spricht verächtlich über den Sklavenstand. Auch wenn er mit dem folgenden Vergleich etwas anderes ausdrücken möchte, kommt dennoch gleichzeitig die auch von ihm als selbstverständlich, ohne jeden kritischen Unterton hingenommene Zweitrangigkeit beziehungsweise Minderwertigkeit eines Menschen, der »nur« Sklave ist, zum Ausdruck:

Lukas 17, 7-10: »Wenn einer von euch einen Sklaven hat, der pflügt oder das Vieh hütet, wird er etwa zu ihm, wenn er vom Feld kommt, sagen: Nimm gleich Platz zum Essen? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Mach mir etwas zu essen, gürte dich und bediene mich; wenn ich gegessen und getrunken habe, kannst auch du essen und trinken. Bedankt er sich etwa bei dem Sklaven, weil er getan hat, was ihm befohlen wurde? So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.«

Man ahnt, warum in den teilweise fundamentalistisch-christlich geprägten USA des 18. und 19. Jahrhunderts die Versklavung der Millionen von Schwarzen eine so selbstverständliche Praxis war.

Erschreckend auch, wie der Gott des Alten Testaments Kranke und Missgebildete sieht. Er betrachtet sie ganz offenbar als Beleidigung seiner Würde. Wäre er tatsächlich der allwissende Gott, der hier in der Bibel spräche, wüsste er doch, dass es sich um Mängel handelt, die die Natur und damit letztlich er selbst diesen unschuldigen Menschen zugefügt hat:

Levitikus 21, 16-23: »Der Herr sprach zu Mose: Sag zu Aaron: Keiner deiner Nachkommen, auch in den kommenden Generationen, der ein Gebrechen hat, darf herantreten, um die Speise seines Gottes darzubringen. Denn keiner mit einem Gebrechen darf herantreten: kein Blinder oder Lahmer, kein im Gesicht oder am Körper Entstellter, kein Mann, der einen gebrochenen Fuß oder eine gebrochene Hand hat, keiner mit Buckel, Muskelschwund, Augenstar, Krätze, Flechte oder Hodenquetschung. Keiner der Nachkommen Aarons, des Priesters, darf herantreten, um die Feueropfer des Herrn darzubringen, wenn er ein Gebrechen hat. Er hat ein Gebrechen, er darf nicht herantreten, um die Speise seines Gottes darzubringen. Doch darf er von der Speise seines Gottes, von den hochheiligen und heiligen Dingen, essen, aber nicht zum Vorhang kommen und sich nicht dem Altar nähern; denn er hat ein Gebrechen und darf meine heiligen Gegenstände nicht entweihen; denn ich bin der Herr, der sie geheiligt hat.«

Unwillkürlich fällt einem Papst Johannes Paul II. ein, der trotz seiner Parkinsonkrankheit, gestützt und mit modernster Medizin gerade noch am Leben gehalten, bis zum Schluss predigte und segnete. Eigentlich eine bewundernswerte Leistung, aber obige Bibelworte besagen, dass er sich versündigt und den Altar entweiht hat. Von Jesus dagegen wird im Neuen Testament ein ganz anderes Bild gezeichnet. Er geht zu den Kranken und Gezeichneten und feiert das Abendmahl mit den Armen und Ausgestoßenen. Was gilt denn nun? Es ist doch angeblich der gleiche Gott, der hier spricht! Übrigens, der noch heute in höchstem Ansehen stehende Martin Luther empfahl – in Übereinstimmung mit damaliger Auffassung – geistig und körperlich behinderte Kinder, die er als teuflische Wesen betrachtete, gleich nach der Geburt zu ertränken oder auf andere Weise zu töten (vgl. Tischreden 4513 und 5207).

Die Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung der Frau wird – bis auf Ausnahmen, siehe Unmöglichkeit der Priesterweihe von Frauen in der katholischen Kirche – heute auch von der Kirche anerkannt. Feministische Theologinnen versuchen vergeblich diese Gleichberechtigung auch durch Bibelzitate zu belegen. Die Bibel hat in ihren wesentlichen Äußerungen die Rolle der Frau stets anders gesehen. Die Bibel ist – vergleiche die erläuternden Ausführungen zu Anfang der Einheitsübersetzung – ohne Irrtum und sagt die Wahrheit! Welche Wahrheit gilt denn nun? Tatsache ist wohl, dass die Bibel hier nur festschreibt, was weltweit fast überall die Regel war, dass nämlich Männer gegenüber Frauen privilegiert waren und dies heute weitgehend immer noch sind. So wurde zum Beispiel auch der Wert des männlichen Erstgeborenen in den verschiedensten Kulturkreisen immer höher eingeschätzt, denn nur er wurde notfalls der Gottheit als Opfer dargebracht. (Die Erstgeborene wäre wahrscheinlich von den Göttern entrüstet zurückgewiesen worden.)

Schauen wir uns beispielhaft einige der wenigen das Thema Frau ansprechende Bibelstellen an, aus denen aber die Nachrangigkeit und gewollte Unterordnung der Frau unter den Mann, ihre Rolle als verfügbares Objekt des Mannes klar hervorgeht:

Deuteronomium 21, 10-14: »Wenn du zum Kampf gegen deine Feinde ausziehst und der Herr, dein Gott, sie alle in deine Gewalt gibt, wenn du dabei Gefangene machst und unter den Gefangenen eine Frau von schöner Gestalt erblickst, wenn sie dein Herz gewinnt und du sie heiraten möchtest, dann sollst du sie in dein Haus bringen und sie soll sich den Kopf scheren, ihre Nägel kürzen und die Gefangenenkleidung ablegen. Sie soll in deinem Haus wohnen und einen Monat ihren Vater und ihre Mutter beweinen. Danach darfst du mit ihr Verkehr haben, du darfst ihr Mann werden und sie deine Frau. Wenn sie dir aber nicht mehr gefällt, darfst du sie entlassen, und sie darf tun, was sie will. Auf keinen Fall darfst du sie für Silber verkaufen. Auch darfst du sie nicht als Sklavin kennzeichnen. Denn du hast sie dir gefügig gemacht.«

Buch Kohelet (Prediger) 7, 26: »Immer wieder finde ich die Ansicht, stärker als der Tod sei die Frau. Denn: Sie ist ein Ring von Belagerungstürmen und ihr Herz ist ein Fangnetz, Fesseln sind ihre Arme. Wem Gott wohlwill, der kann sich vor ihr retten, wessen Leben verfehlt ist, wird von ihr eingefangen.« Buch der Sprichwörter 11, 22: »Ein goldener Ring im Rüssel eines Schweins ist ein Weib, schön, aber sittenlos.«

Noch drastischer kommt die Wertlosigkeit der Frau als Mensch in folgendem Text zum Ausdruck. Ein Levit (Geistlicher) reist mit seiner Nebenfrau (Geliebten) durch Gibea und findet nächtlichen Unterschlupf bei einem gastfreundlichen alten Mann. Sie nehmen gemeinsam das Abendessen ein:

Buch der Richter, Kap. 19, 22-26: »Während sie sich's nun wohl sein ließen, umringten plötzlich einige Männer aus der Stadt, übles Gesindel, das Haus, schlugen an die Tür und sagten zu dem alten Mann, dem Besitzer des Hauses: Bring den Mann heraus, der in dein Haus gekommen ist; wir wollen unseren Mutwillen mit ihm treiben. Der Besitzer des Hauses ging zu ihnen hinaus und sagte zu ihnen: Nein, meine Brüder, so etwas Schlimmes dürft ihr nicht tun. Dieser Mann ist als Gast in mein Haus gekommen; darum dürft ihr keine solche Schandtat begehen. Da ist meine jungfräuliche Tochter und seine Nebenfrau. Sie will ich zu euch hinausbringen; ihr könnt sie euch gefügig machen und mit ihnen tun, was euch gefällt. Aber an diesem Mann dürft ihr keine solche Schandtat begehen. Doch die Männer wollten nicht auf ihn hören. Da ergriff der Levit seine Nebenfrau und brachte sie zu ihnen auf die Straße hinaus. Sie missbrauchten sie und trieben die ganze Nacht hindurch bis zum Morgen ihren Mutwillen mit ihr. Sie ließen sie erst gehen, als die Morgenröte heraufzog.«

Das Drama endet mit dem Tod der jungen Frau. Welch groteske Moral kommt hier (zum wiederholten Male) zum Vorschein: Der Gast, ein Mann, genießt allen Schutz, eine Frau hat als Objekt zur Verfügung zu stehen und ist offenbar absolut rechtlos. Im Text findet sich kein bedauernder Kommentar zu der frauenverachtenden Haltung der beiden Männer, in deren Obhut die Frauen sich befanden. Die Botschaft ist hier so eindeutig, wie das im 10. Gebot auch zum Ausdruck kommt: »Weib, Sklave, Rind oder Esel und jeglicher Besitz« sind eben Sachen. Die Bibel als moralisches Vorbild, gar Fundament unserer Werteordnung? Welche Zumutung steckt in dieser Vorstellung!

Das Neue Testament zeichnet auch kein Bild der Gleichberechtigung oder gar wertschätzenden Gleichrangigkeit. Unter den zwölf Aposteln ist bekanntlich keine Frau, aber immerhin umgab sich Jesus mit Frauen, was wohl damals eher ungewöhnlich war; allerdings – wie es heißt – mit wohlhabenden. Ansonsten wird die Frauenrolle in den Texten des Neuen Testaments nur vergleichsweise selten thematisiert:

1. Korinther 11, 8-9: »Denn der Mann stammt nicht von der Frau, sondern die Frau vom Mann. Der Mann wurde auch nicht für die Frau geschaffen, sondern die Frau für den Mann.« Kapitel 14, 33-36: »Wie es in allen Gemeinden der Heiligen üblich ist, sollen die Frauen in der Versammlung schweigen; es ist ihnen nicht gestattet zu reden. Sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz es fordert. Wenn sie etwas wissen wollen, dann sollen sie zu Hause ihre Männer fragen; denn es gehört sich nicht für eine Frau, vor der Gemeinde zu reden. Ist etwa das Gotteswort von euch ausgegangen?«

1. Timotheus 2, 11-15: »Eine Frau soll sich still und in aller Unterordnung belehren lassen. Dass eine Frau lehrt, erlaube ich nicht, auch nicht, dass sie über ihren Mann herrscht; sie soll sich still verhalten. Denn zuerst wurde Adam erschaffen, danach Eva. Und nicht Adam wurde verführt, sondern die Frau ließ sich verführen und übertrat das Gebot. Sie wird aber dadurch gerettet werden, dass sie Kinder zur Welt bringt, wenn sie in Glaube, Liebe und Heiligkeit ein besonnenes Leben führt.«

Titus 2, 3-5: »Ebenso seien die älteren Frauen würdevoll in ihrem Verhalten, nicht verleumderisch und nicht trunksüchtig; sie müssen fähig sein, das Gute zu lehren, damit sie die jungen Frauen dazu anhalten können, ihre Männer und Kinder zu lieben, besonnen zu sein, ehrbar, häuslich, gütig und ihren Männern gehorsam, damit das Wort Gottes nicht in Verruf kommt.« 1. Petrus 3, 1-2: »Ebenso sollt ihr Frauen euch euren Männern unterordnen, damit auch sie, falls sie dem Wort (des Evangeliums) nicht gehorchen, durch das Leben ihrer Frauen ohne Worte gewonnen werden, wenn sie sehen, wie ehrfürchtig und rein ihr lebt.«

Nun sagt man mir, dass solche Texte heute so nicht mehr gelesen werden dürften, sie seien aus der damaligen Kultur heraus zu verstehen, sie bedürften der Übertragung in die heutige Zeit. Ich will gern einräumen, dass so manches Wort, so manches Bild und so manche Passage der alten biblischen Texte eine neuzeitliche Interpretation erlauben, ohne dass der Kern ihrer Aussage verloren geht. Die biblischen Texte zur Rolle der Frau aber müssten in ihrer Aussage in das glatte Gegenteil verbogen werden, wenn sie aufgeklärtem Denken genügen sollten. Eine solche Form der Interpretation aber wäre nichts anderes als Verdrehung und Verfälschung. Wer sich erlaubt, diese biblischen Texte so großzügig zu deuten, wird einfach unehrlich und unglaubwürdig. Selbst das Berücksichtigen der damaligen zeitlichen beziehungsweise kulturellen Umstände bei der Deutung der biblischen Texte zur Rolle der Frau kann redlicherweise nicht zu einer vollständigen Umkehrung der ursprünglich sehr eindeutigen Aussage führen. (Ganz ähnlich doppelzüngig gehen heutige Verteidiger des Islam vor, wenn sie zum Beispiel die nach dem Koran zugelassene Gewalt gegen die eigene Ehefrau anpassen und modern umdeuten!)

Nicht zuletzt der bibelkundige und bibeltreue Martin Luther (1483-1546) hat in Predigten und Tischreden zum Ausdruck gebracht, welche Rolle der Frau aus theologischer Sicht zugedacht sei. Zwei viel zitierte Äußerungen – vermutlich aus seinen Tischreden – seien hier wiedergegeben:

»Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes. Ob die Frauen sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts. Lass sie nur tot tragen, sie sind darum da.« / »Die größte Ehre, die das Weib hat, ist allzumal, dass die Männer durch sie geboren werden.«

Und verbirgt sich hinter den Begriffen »Unbefleckte Empfängnis« und »Jungfrauengeburt« indirekt nicht auch eine Abwertung der weiblichen Sexualität, so als ob der Liebesakt etwas Unanständiges, gar Schmutziges sei? Nur die Jungfrau gilt als rein, die »normale« Frau ist es offenbar nicht. Vom Mann gibt es übrigens keine einschränkenden Attribute, die ihn abwerten könnten. Er gilt der Bibel offenbar als vollkommener Mensch.

Welche geradezu grotesken Ansichten hochgeschätzte Kirchenlehrer wie Albertus Magnus und Thomas von Aquin über das weibliche Geschlecht verbreiteten, geht aus folgendem Zitat hervor, das gleichzeitig auch das Niveau ihres damaligen »wissenschaftlichen« Denkens kennzeichnet:

»Der Nordwind trägt zur Zeugung des Männlichen, der Südwind zur Zeugung des Weiblichen bei, weil der Nordwind rein ist und die Luft und die Ausdünstungen reinigt und säubert und die natürliche Kraft anregt. Der Südwind aber ist feucht und regenschwer.« 17

Nicht nur die Rolle der Frau ist über die Jahrhunderte durch die Bibel sehr negativ beeinflusst worden. Auch die biblischen Normen der Erziehung von Jungen und Mädchen sind in erschütternder Weise bis in die jüngste Vergangenheit wirksam gewesen.

Deuteronomium, Kap. 21, 18-21: »Wenn ein Mann einen störrischen und widerspenstigen Sohn hat, der nicht auf die Stimme seines Vaters und seiner Mutter hört, und wenn sie ihn züchtigen und er trotzdem nicht auf sie hört, dann sollen Vater und Mutter ihn packen, vor die Ältesten der Stadt und die Torversammlung des Ortes führen und zu den Ältesten der Stadt sagen: Unser Sohn ist störrisch und widerspenstig, er hört nicht auf unsere Stimme, er ist ein Verschwender und Trinker. Dann sollen alle Männer der Stadt ihn steinigen und er soll sterben. Du sollst das Böse aus deiner Mitte wegschaffen. …«

Buch der Sprichwörter (Sprüche Salomons), Kap. 13, 24: »Wer die Rute spart, hasst seinen Sohn,/ wer ihn liebt, nimmt ihn früh in Zucht.« Kap. 19, 18: »Züchtige deinen Sohn, solange noch Hoffnung ist,/ doch lass dich nicht hinreißen, ihn zu töten.« Kap. 20, 30: »Blutige Striemen läutern den Bösen/ und Schläge die Kammern des Leibes.« Kap. 22; 15: »Steckt Torheit im Herzen des Knaben,/ die Rute der Zucht vertreibt sie daraus. Kap. 23, 13-14: »Erspar dem Knaben die Züchtigung nicht;/ wenn du ihn schlägst mit dem Stock, wird er nicht sterben. Du schlägst ihn mit dem Stock,/ bewahrst aber sein Leben vor der Unterwelt.«

Brief an die Hebräer, Kap. 12, 4-11 (überschrieben: Die Züchtigung als Zeichen väterlicher Liebe): »Mein Sohn, verachte nicht die Zucht des Herrn,/ verzage nicht, wenn er dich zurecht weist. Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er;/ er schlägt mit der Rute jeden Sohn, den er gern hat. Haltet aus, wenn ihr gezüchtigt werdet. Gott behandelt euch wie Söhne. Denn wo ist ein Sohn, den sein Vater nicht züchtigt? Würdet ihr nicht gezüchtigt, wie es doch allen bisher ergangen ist, dann wäret ihr nicht wirklich seine Kinder, ihr wäret nicht seine Söhne. Ferner: An unseren leiblichen Vätern hatten wir harte Erzieher und wir achteten sie. Sollen wir uns dann nicht erst recht dem Vater der Geister unterwerfen und so das Leben haben? Jene haben uns für kurze Zeit nach ihrem Gutdünken in Zucht genommen; er aber tut es zu unserem Besten, damit wir Anteil an seiner Heiligkeit gewinnen. Jede Züchtigung scheint zwar für den Augenblick nicht Freude zu bringen, sondern Schmerz; später aber schenkt sie denen, die durch diese Schule gegangen sind, als Frucht den Frieden und die Gerechtigkeit.« (Hervorhebungen im Original)

Wer meint, dass solche Ratschläge heute überhaupt keine Bedeutung mehr hätten, recherchiere im Internet unter wörtlicher Eingabe des folgenden Textes »Wie sollten Christen ihre Kinder erziehen?« und wird Erstaunliches und Unglaubliches von überzeugten Christen zu lesen bekommen.

Ich selbst habe noch in meiner Schulzeit bis in die frühe Nachkriegszeit solche prügelnden Erzieher erlebt, und nicht selten wurden diese Züchtigungsaktionen mit einer solchen sadistischen Lust ausgeführt, dass die Rohrstöcke zerbrachen. In dem Film »Das weiße Band« (2009) des Regisseurs Michael Haneke wird geschildert, wie norddeutsche Kinder in der Zeit um 1913/14 aufwuchsen. Der Film beschreibt ein Klima, das von Einschüchterung, Gewalt und Schuldgefühlen gekennzeichnet war, besonders geprägt durch die bestimmende Rolle des sittenstrengen Pastors. Über Jahrhunderte rechtfertigten, ja bekräftigten die oben zitierten Bibelworte das gewalttätige Erziehungsverhalten von Eltern, Pfarrern, Lehrern und Vorgesetzten. Obige Auszüge fügen sich nahtlos ein in den Geist, der die Bibel in weiten Teilen durchzieht, ein Geist von Gewalt, Über- und Unterordnung und gnadenloser Bestrafung bei Verletzung der angeblich göttlichen Normen.

In welchem erschreckenden Ausmaß körperliche und seelische Gewalt noch im Nachkriegsdeutschland gegenüber Kindern und Jugendlichen ausgeübt wurde, kam im Jahr 2010 im Zusammenhang mit der so genannten Heimkinderproblematik ans Tageslicht. Bezeichnend ist auch hier, dass etwa zwei Drittel der Heime unter kirchlicher Verantwortung standen. Letztlich war es das Ziel, den Willen junger Menschen zu brechen, um sie im Sinne der jeweils herrschenden, meist kirchlich-staatlichen Ideologie gefügig zu machen. Vermutlich entluden sich hier zusätzlich unterdrückte Aggressionen aufgrund der sexuellen Not der meist weiblichen und zur Keuschheit verpflichteten Erzieher in Form besonders boshaften Verhaltens gegenüber ihren Schutzbefohlenen.

Wenden wir uns jetzt den nur als maßlos zu bezeichnenden Strafandrohungen und den ebenso nur zügellos und barbarisch zu nennenden Gewaltdarstellungen zu, wie sie im Neuen Testament, dem eigentlich als ethisch höherstehend empfundenen Teil der Bibel, zum Ausdruck kommen. Der Vorwurf maßloser, geradezu ungeheuerlicher Strafandrohung ist Jesus selbst zu machen. Immer wieder spricht er davon, dass dem Ungläubigen ewige Verdammnis und ewige Höllenstrafen drohen. Was er damit meint, sagt zum Beispiel das Markus-Evangelium sehr deutlich:

Markus 9, 43 und 47: »Wenn dich deine Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen, in das nie erlöschende Feuer. ... Und wenn dich dein Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus; es ist besser für dich, einäugig in das Reich Gottes zu kommen, als mit zwei Augen in die Hölle geworfen zu werden, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt.« (Hervorhebung so im Originaltext der Einheitsübersetzung)

Viele von uns haben sich im Laufe ihres Lebens daran gewöhnt, die Begriffe »ewige Verdammnis« und »ewige Hölle« als mehr oder weniger abstrakte Drohungen wahrzunehmen. Über Jahrhunderte und für unzählige Menschen bis heute werden diese Strafandrohungen aber so wörtlich genommen, wie sie in den Evangelien auch gemeint sind. Die psychologische Wirkung auf Kinder war und ist von einem verheerendem Ausmaß. Aber auch erwachsene Menschen, die sich instinktiv gegen einen solchen Angst verbreitenden Glauben wenden, deren Kraft und Mut aber nicht ausreicht, dem massiven psychologischen und gesellschaftlichen Druck durch Schule, Kirche und Tradition zu widerstehen, drohen seelisch daran zu zerbrechen. In Mittel- und Nordeuropa mögen sich wohl schon die meisten Menschen von der Vorstellung einer brennenden Hölle als Ort ewiger Verdammung befreit haben, in sehr vielen anderen christlich dominierten Regionen dieser Welt hat diese biblische Drohung dagegen noch nichts von ihrer Wirkung eingebüßt. 18

Alles, was Menschen an Grausamkeiten angetan werden kann, von Folter über Verstümmelung bis Verbrennen bei lebendigem Leib, verblasst gegen diese göttliche Strafe. Alles, was Menschen an Schlimmstem je erleiden mussten, endete schließlich mit einem gnädigen Tod. Jesus dagegen droht mit nie endenden, ewig andauernden extremen Feuerqualen. Schon Schopenhauer soll empört gewesen sein über die absolute Unverhältnismäßigkeit der Bestrafung eines Vergehens in einem relativ kurzen Leben mit ewigem Feuer. In der Offenbarung des Johannes ist die Rede davon, dass Menschen angesichts der ungeheuren zu erleidenden Qualen sich den Tod wünschten, aber – so lautet die zynische Antwort – sie können nicht sterben, sie müssen alles ewiglich ertragen. Die darstellende Kunst tat ein Übriges, diese Höllenqualen so anschaulich und drastisch wie möglich den Menschen als stete Mahnung vor Augen zu führen.

Auch hier ist wieder auf die Unehrlichkeit der Kirchen zu verweisen. Evangelische Pfarrer winden sich und vermeiden es möglichst, diese Thematik konkret zu erörtern. Bei hartnäckigem Nachfragen wird die Hölle eher als Ort größtmöglicher Ferne von Gott gedeutet. Der aktuelle Katechismus der katholischen Kirche spricht ebenfalls absolut verharmlosend von der Hölle als einem »Zustand der endgültigen Selbstausschließung aus der Gemeinschaft mit Gott und den Seligen ... Die schlimmste Pein der Hölle besteht in der ewigen Trennung von Gott, in dem allein der Mensch das Leben und das Glück finden kann ...« 19 Dagegen äußert sich Jesus ganz unmissverständlich – und Millionen Menschen sind über zwei Jahrtausende an dieser drohenden Botschaft seelisch fast zugrunde gegangen. Er hat es eben nicht metaphorisch, sondern ganz realistisch gemeint, zum Beispiel in

Matthäus 13, 41-42: »Der Menschensohn wird seine Engel aussenden und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gottes Gesetz übertreten haben, und werden sie in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen.« Matthäus 25, 40-41: »Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Dann wird er sich auch an die auf der linken Seite wenden und zu ihnen sagen: Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist.«

Lukas 16, 22-24: »... Auch der Reiche starb und wurde begraben. In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von weitem Abraham, und Lazarus in seinem Schoß. Da rief er: Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir und schick Lazarus zu mir; er soll wenigstens die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und mir die Zunge kühlen, denn ich leide große Qual in diesem Feuer.«

Bemerkenswert auch hier, dass die Einheitsübersetzung oft verharmlosend von Unterwelt spricht, wo es in der weit verbreiteten Luther-Bibel noch Hölle heißt. Wer die Botschaft von Jesus nicht annehmen will, dem wird mit Verdammnis und Hölle gedroht. Er sagt zu seinen Jüngern:

Matthäus 10, 14-15: »Wenn man euch aber in einem Haus oder in einer Stadt nicht aufnimmt und eure Worte nicht hören will, dann geht weg und schüttelt den Staub von euren Füßen. Amen, das sage ich euch: Dem Gebiet von Sodom und Gomorra wird es am Tag des Gerichts nicht so schlimm ergehen wie dieser Stadt.«

Die Schriftgelehrten und Pharisäer warnt er nachdrücklich:

Matthäus 23, 32-33: »Macht nur das Maß eurer Väter voll! Ihr Nattern, ihr Schlangenbrut! Wie wollt ihr dem Strafgericht der Hölle entrinnen?«

Diese göttlichen Strafen werden an vielen Stellen des Evangeliums angedroht. Selbst in der von Gläubigen ihrer Ethik wegen so geschätzten Bergpredigt wird für vergleichsweise geringfügige Vergehen wie das Beschimpfen des Bruders als »(gottlosen) Narren« oder das »lüsterne Ansehen einer Frau« das »Feuer der Hölle« als adäquate Strafe angesehen (Matth. 5, 21-30). An diese Unverhältnismäßigkeit und Maßlosigkeit der Bestrafung durch einen »liebenden und gnädigen Gott« haben wir uns offenbar so gewöhnt, dass sie uns überhaupt nicht mehr auffallen. Im täglichen Leben würden wir uns aufbäumen und in unbändigem Zorn gegen eine solche Justiz anrennen. Offensichtlich ist dieses Moralsystem zu einem Zeitpunkt in uns eingepflanzt worden, als das gläubige Vertrauen in die Vorgaben von Eltern und Pfarrern noch grenzenlos war und die intellektuelle Möglichkeit zu geistigem Widerstand noch fehlte. Inzwischen ist diese religiöse Moral den meisten zu einem nicht mehr hinterfragten, unbewussten, aber nach wie vor wirksamen geistigen Besitz geworden.

Den Höhepunkt an sadistischen Vergeltungsaktionen und Strafandrohungen für den Fall ungläubigen und gottlosen Verhaltens stellt zweifellos die Offenbarung des Johannes dar. Die dort ausgebreiteten Bestrafungsorgien dürften in der Weltliteratur einmalig sein, lediglich im Koran habe ich ähnliche Stellen gefunden. Für die Kirchen stellt noch heute diese angeblich prophetische Schrift des Neuen Testaments »das große Trost- und Mahnbuch« dar und »Zeugnis des unerschütterlichen Glaubens an den Sieg Christi und seiner Getreuen« (Kommentar zur Einheitsbibel).

Bevor ich die folgenden Zeilen schrieb, hatte ich den Text der Offenbarung noch einmal gelesen. Mein bisher schon bestehender Eindruck, dass es sich – ich sage es ganz vorsichtig und neutral – um eine schwer verständliche und von der Aussage her beklemmende Schrift handelt, wurde erneut bestätigt. Angemerkt sei auch hier, dass es mir nicht so sehr um eine Gesamtbewertung des Textes geht, sondern um die »Moral«, die sich in dem Text zeigt. Dies wiederum vor dem Hintergrund der Frage, ob es sich um eine Schrift handeln könnte, die vom Heiligen Geist inspiriert Gottes Wort darstellt. Schauen wir uns also anhand von Textausschnitten an, wie »glaubwürdig« der Anspruch ist, dass es sich auch hier um ein göttlich-heiliges Dokument handelt.

Das gnädige Vergeben, »so wie auch wir vergeben unseren Schuldigern«, scheint nicht die Sache dieses hier auftretenden Gottes zu sein. Im Gegenteil – der Wunsch nach Rache und Vergeltung wird selbstverständlich akzeptiert, wenn auch wie im folgenden Beispiel kurzfristig noch verschoben:

Offenbarung 6, 9-11: »Als das Lamm das fünfte Siegel öffnete, sah ich unter dem Altar die Seelen aller, die hingeschlachtet worden waren wegen des Wortes Gottes und wegen des Zeugnisses, das sie abgelegt hatten. Sie riefen mit lauter Stimme: Wie lange zögerst du noch, Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger, Gericht zu halten und unser Blut an den Bewohnern der Erde zu rächen? Da wurde jedem von ihnen ein weißes Gewand gegeben; und ihnen wurde gesagt, sie sollten noch kurze Zeit warten, bis die volle Zahl erreicht sei durch den Tod ihrer Mitknechte und Brüder, die noch sterben müssten wie sie.« (Hervorhebungen in der Einheitsübersetzung)

Bemerkenswert ist hier, ganz nebenbei gesagt, die göttliche Planung, die die Zahl der Märtyrer vorab schon festgelegt hat. Wie sich das logisch mit der freien Willensentscheidung des Einzelnen verträgt, bleibt hier – wie an so vielen Stellen der Bibel – das Geheimnis Gottes oder der Autoren.

Offenbarung 8, 7-11: »Der erste Engel blies eine Posaune. Da fielen Hagel und Feuer, die mit Blut vermischt waren, auf das Land. Es verbrannte ein Drittel des Landes, ein Drittel der Bäume und alles grüne Gras. Der zweite Engel blies seine Posaune. Da wurde etwas, das einem großen brennenden Berg glich, ins Meer geworfen. Ein Drittel des Meeres wurde zu Blut. Und ein Drittel der Geschöpfe, die im Meer leben, kam um und ein Drittel der Schiffe wurde vernichtet. Der dritte Engel blies seine Posaune. Da fiel ein großer Stern vom Himmel; er loderte wie eine Fackel und fiel auf ein Drittel der Flüsse und auf die Quellen. Der Name des Sterns ist ›Wermut‹. Ein Drittel des Wassers wurde bitter und viele Menschen starben durch das Wasser, weil es bitter geworden war.« (Hervorhebung im Original)

Offenbarung 9, 3-6: »Aus dem Rauch kamen Heuschrecken über die Erde und ihnen wurde Kraft gegeben, wie sie Skorpione auf der Erde haben. Es wurde ihnen gesagt, sie sollten dem Gras auf der Erde, den grünen Pflanzen und den Bäumen keinen Schaden zufügen, sondern nur den Menschen, die das Siegel Gottes nicht auf der Stirn haben. Es wurde ihnen befohlen, die Menschen nicht zu töten, sondern nur zu quälen, fünf Monate lang. Und der Schmerz, den sie zufügen, ist so stark, wie wenn ein Skorpion einen Menschen sticht. In jenen Tagen werden die Menschen den Tod suchen, aber nicht finden; sie werden sterben wollen, aber der Tod wird vor ihnen fliehen.« (Hervorhebungen im Original)

Offenbarung 9, 15-18: »Da wurden die vier Engel losgebunden, die auf Jahr und Monat, auf Tag und Stunde bereitstanden, um ein Drittel der Menschheit zu töten. Und die Zahl der Reiter dieses Heeres war vieltausendmal tausend; diese Zahl hörte ich. Und so sahen die Pferde und die Reiter in der Vision aus: Sie trugen feuerrote, rauchblaue und schwefelgelbe Panzer. Die Köpfe der Pferde glichen Löwenköpfen und aus ihren Mäulern schlug Feuer, Rauch und Schwefel. Ein Drittel der Menschen wurde durch diese drei Plagen getötet, durch Feuer, Rauch und Schwefel, die aus ihren Mäulern hervorkamen.«

Offenbarung 14, 9-11: »Ein anderer Engel, ein dritter, folgte ihnen und rief mit lauter Stimme: Wer das Tier und sein Standbild anbetet und wer das Kennzeichen auf seiner Stirn oder seiner Hand annimmt, der muss den Wein des Zornes Gottes trinken, der unverdünnt im Becher seines Zorns gemischt ist. Und er wird mit Feuer und Schwefel gequält vor den Augen der heiligen Engel und des Lammes. Der Rauch von ihrer Peinigung steigt auf in alle Ewigkeit und alle, die das Tier und das Standbild anbeten und die seinen Namen als Kennzeichen annehmen, werden bei Tag und Nacht keine Ruhe haben.« (Hervorhebungen im Original)

Offenbarung 16, 3-10: »Der zweite Engel goss seine Schale über das Meer. Da wurde es zu Blut, das aussah wie das Blut eines Toten; und alle Lebewesen im Meer starben. Der dritte goss seine Schale über die Flüsse und Quellen. Da wurde alles zu Blut. Und ich hörte den Engel, der die Macht über das Wasser hat, sagen: Gerecht bist du, der du bist und der du warst, du Heiliger, denn damit hast du ein gerechtes Urteil gefällt. Sie haben das Blut von Heiligen und Propheten vergossen; deshalb hast du ihnen Blut zu trinken gegeben, so haben sie es verdient. Und ich hörte eine Stimme vom Brandopferaltar her sagen: Ja, Herr, Gott und Herrscher über die ganze Schöpfung. Wahr und gerecht sind deine Gerichtsurteile. Der vierte Engel goss seine Schale über die Sonne. Da wurde ihr Macht gegeben, mit ihrem Feuer die Menschen zu verbrennen. Und die Menschen verbrannten in der großen Hitze. Dennoch verfluchten sie den Namen Gottes, der die Macht über diese Plagen hat. Sie bekehrten sich nicht dazu, ihm die Ehre zu geben. Der fünfte Engel goss seine Schale über den Thron des Tieres. Da kam Finsternis über das Reich des Tieres und die Menschen zerbissen sich vor Angst und Schmerz die Zunge. Dennoch verfluchten sie den Gott des Himmels wegen ihrer Schmerzen und ihrer Geschwüre; und sie ließen nicht ab von ihrem Treiben.« (Die willkürlich erscheinenden Hervorhebungen so im Original)

Offenbarung 19, 17-21: »Dann sah ich einen Engel, der in der Sonne stand. Er rief mit lauter Stimme allen Vögeln zu, die hoch am Himmel flogen: Kommt her! Versammelt euch zum großen Mahl Gottes! Fresst Fleisch von Königen, von Heerführern und von Helden, Fleisch von Pferden und ihren Reitern, Fleisch von allen, von Freien und Sklaven, von Großen und Kleinen! Dann sah ich das Tier und die Könige der Erde und ihre Heere versammelt, um mit dem Reiter und seinem Heer Krieg zu führen. Aber das Tier wurde gepackt und mit ihm der falsche Prophet; er hatte vor seinen Augen Zeichen getan und dadurch alle verführt, die das Kennzeichen des Tieres angenommen und sein Standbild angebetet hatten. Bei lebendigem Leib wurden beide in den See von brennendem Schwefel geworfen. Die Übrigen wurden getötet mit dem Schwert, das aus dem Mund des Reiters kam; und alle Vögel fraßen sich satt an ihrem Fleisch.« (Hervorhebungen so im Original)

Selbst wenn Johannes – wie der Kommentar zur Einleitung der Offenbarung (Einheitsübersetzung, S. 1384) meint – hier vor allem Bilder, Symbole und allegorische Szenen verwendet, dann bleibt trotz aller Metaphorik festzuhalten, dass hier eine nicht mehr zu steigernde Menschenverachtung zu Tage tritt, die selbst in unserer jüngsten Geschichte ihresgleichen sucht. Schon Jesus prophezeite in dem oben zitierten Text, Matthäus, Kap. 25, Vers 31-46, insbesondere 41, oder Matthäus, Kap. 13, Vers 41-43 eine Art »endzeitliches Auschwitz«, wo an einer himmlischen Sammelstelle die Menschen nach gut und böse, gläubig und ungläubig, gesetzestreu oder gesetzlos selektiert und bei Verurteilung für das ewige Feuer bestimmt werden. Ungeheuerlich, was hier im Grunde bzw. in Gottes Namen eigentlich gesagt und verkündet wird.

Fürwahr, die Offenbarung ist ein bemerkenswertes »Trostbuch«. Natürlich – so werde ich umgehend belehrt – trifft dieses Inferno nur die Ungläubigen. Wahrhaft gerecht! Da können die Gläubigen aber froh sein, dass sie dereinst nicht »mit Feuer und Schwefel vor den Augen der heiligen Engel … gequält werden« (Offenbarung 14, 10). Die Offenbarung gehört wohl zu den schrecklichsten Teilen der Bibel. Seit zwei Jahrtausenden sind die Menschen, die im Einzugsbereich des Christentums leben mussten, damit in Angst und Verzweiflung versetzt worden. Kathedralportale, Deckengemälde und viele andere bildliche Darstellungen schildern das Grauen der Apokalypse und trugen das ihre dazu bei, die Gläubigen im Sinne der Kirche zu disziplinieren. Früher hätte man gesagt, »Gott bewahre uns« vor einer solchen gewalttätigen Macht. Heute kann ich dazu nur sagen, an eine so wirre und abstruse Prophezeiung und an einen solchen blutrünstigen und mitleidslosen Gott zu glauben, verbietet mir mein Verstand. 20

Mir ist es unbegreiflich, wie man die Bibel, die an so vielen Stellen von einer solch inhumanen Denkweise geprägt ist, als von göttlicher Autorität inspiriert und sie als Grundlage moralischen Verhaltens bezeichnen kann. Wer in Kenntnis dieser und vieler anderer vergleichbarer, aus bloßem Platzmangel hier nicht wiedergegebenen Stellen diese Texte nach wie vor als Gottes Wort ansieht, ist in meinen Augen entweder ein Zyniker oder ihm fehlt es an Mut und Verstand zu begreifen, was hier an prägender Unmoral seit Jahrtausenden und in Millionen Buchexemplaren verbreitet wurde beziehungsweise noch immer verbreitet wird.

Auch wenn so manches in der Bibel Dargestellte auf Ereignisse zurückgehen mag, die sich tatsächlich so oder ähnlich abgespielt haben, heißt das doch noch lange nicht, dass alles wahr sein muss und dass vor allem der rein religiös-glaubensmäßige Anteil Wahrheitsgehalt beanspruchen kann. Selbst die unbestreitbare Tatsache, dass die Aussagen bestimmter Teile dieses Buches unzähligen Menschen in Not und Verzweiflung hilfreichen Trost geboten haben, stellt keinen Wahrheitsbeweis dar. Der Vorwurf, ich hätte einfach nicht verstanden, welch unermesslicher Schatz an göttlicher Weisheit und welch auch mich erlösende Botschaft in dieser Schrift enthalten sei, beeindruckt mich nicht. Ich werde mich im übernächsten Unterkapitel noch einmal mit dieser Frage befassen.

Der mögliche Einwand, hier eine einseitige Auswahl biblischer Texte getroffen zu haben – er kam schon wiederholt zur Sprache – kann in mehrfacher Hinsicht widerlegt werden. Zunächst ließe sich diese Sammlung angeblich offenbarter Gottesworte fragwürdigen Inhalts fast beliebig fortsetzen, was lediglich aus Platz- und Zumutbarkeitsgründen nicht erfolgt. Daher sei im Falle dieses Vorwurfs empfohlen, sich der Lektüre der Bibel selbst zu widmen. Vor allem das Alte Testament und die Offenbarung des Johannes bieten genügend weitere Beispiele, obige Sammlung selbst zu ergänzen. Auf jeden Fall trifft diese nur ausschnitthafte Zitierung den Tenor weiter Teile vor allem des Alten Testaments. Aber selbst die zitierten Stellen genügen meines Erachtens für sich allein schon, den Anspruch der Bibel, als moralischer Leitfaden und normgebende Instanz zu gelten, zurückzuweisen.

Selbstverständlich enthält die Bibel auch Aussagen, die anerkennenswert in ihrer Absicht sind, menschliches Verhalten moralisch so zu beeinflussen, dass wir uns auch heute damit identifizieren können. Worte wie »Wer ohne Schuld ist, der hebe den ersten Stein« (übrigens ein nachweislich später der Bibel hinzugefügter Text!) oder »Die Rache ist mein, spricht der Herr« oder die Ablehnung des alttestamentarischen Vergeltungsdenkens »Auge um Auge, Zahn um Zahn« durch Jesus zeugen zumindest in ihrer zu Frieden und Verständigung aufrufenden Ermahnung davon, dass die Bibel ein Buch ist, das aufgrund seiner Jahrtausende währenden Entstehungszeit auch kulturelle Schätze bedeutender Art enthält. Diese zweifellos ebenfalls vorhandenen Bibelstellen, denen ein auch unseren heutigen Moralvorstellungen entsprechender Rang nicht abzusprechen ist, können die archaisch-inhumanen und fragwürdigen Teile innerhalb dieser »unheiligen Schrift« jedoch in keiner Weise aufwiegen. Das soll sagen, dass die Merkmale bestimmter Aussagen oder Taten es nicht zulassen, durch positivere relativiert oder gar aufgehoben zu werden. Es macht doch auch einen Raubmörder nicht zu einem Heiligen, wenn man erfährt, dass er mit einem Teil des erbeuteten Geldes ein Waisenhaus finanziert.

Das Nebeneinander von Aussagen unterschiedlichster moralischer Qualität erhärtet die für mich schon lange bestehende Überzeugung, dass die Bibel reines Menschenwerk ist, verfasst von Menschen unterschiedlichster moralischer Natur und Absicht. Was schließlich die selektive Vorgehensweise bei der hier getroffenen Auswahl betrifft, so kopiert sie lediglich die in Schule, Konfirmandenunterricht und Predigt seit jeher übliche Methode, allerdings mit umgekehrten Vorzeichen, und verhält sich damit in legitimer Weise kompensatorisch. Ich habe während meines bisherigen Lebens keine der hier von mir zitierten fragwürdigen Bibelstellen zu Gehör bekommen, lediglich die Geschichte von Abraham und seinem Sohn Isaak war mir vorher schon bekannt. Selbst wenn vieles des in der Bibel Stehenden nicht wörtlich genommen würde, am Geist dieser Texte, an der Moral dieses überkommenen, vorzeitlichen Weltbildes, das in den Kategorien von blindem Gehorsam und würdeloser Unterwürfigkeit, von gnadenloser Trennung Gläubiger und Ungläubiger, von gewalttätiger Rache und ewiger Vergeltung denkt, würde sich dennoch nichts ändern.

Nicht Hochmut des heute Lebenden, der wie selbstverständlich die Früchte der Aufklärung genießt, spricht aus diesen meinen Worten. Es ist die Empörung über jene, die meinen, uns eine solche überkommene, steinzeitliche Moral als Quelle und Basis unseres Wertesystems verkaufen zu können. Empörend finde ich auch die Doppelzüngigkeit der heutigen Theologie. Die historisch-kritische Bibelwissenschaft hat längst herausgefunden, dass nur Bruchteile des Alten und des Neuen Testaments auf geschichtlichen Fakten beruhen, dass insbesondere das Neue Testament nachweislich eine Fülle von Fälschungen enthält und dass von Jesus praktisch keine belastbaren geschichtlichen Spuren existieren, von Belegen seiner Wiederauferstehung und Himmelfahrt ganz zu schweigen. Dennoch wird von den Kanzeln wider besseren Wissens behauptet, dass die Bibel Gottes Wort sei, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit verkünde, und es werden ungeniert die biblischen Geschichten als tatsächliches und unbezweifelbares Geschehen verbreitet.

Mag sein, dass die Bibel insgesamt ein differenzierteres Urteil verdient, als ich es hier formuliere. An meiner grundsätzlichen Ablehnung dieses Konglomerats von Mythen, Kriegsberichten, Phantasien, Strafandrohungen, Vergeltungsaktionen, Verboten, Ergebenheitsadressen, durchsetzt von Lebensweisheiten und Verhaltensvorschriften als angebliches Wort Gottes würde sich mit Sicherheit nichts ändern.

An dieser Stelle höre ich dann oft das Argument, dass man die Bibel eben nicht so buchstabenfixiert lesen dürfe, vielmehr sei zu berücksichtigen, dass in ihr vielfach in Bildern und Allegorien im Verständnis der damaligen Zeit gesprochen werde und dass manches einfach als interpretationsbedürftige Dichtung zu verstehen sei. Solche Auffassung – so würde ich darauf antworten – mag moderner Theologensicht entsprechen. Über fast zwei Jahrtausende jedoch haben die Menschen das so geglaubt, wie es geschrieben stand (bzw. ihnen vorgelesen wurde) und auch wörtlich gemeint war. Und die meisten Menschen verstehen die Bibel – wenn sie denn in ihr lesen – auch heute noch so. Deswegen ist meines Erachtens nicht maßgebend, was moderne Textdeutung hineininterpretiert, sondern allein das, was Menschen diesem Text auch ohne solche Interpretationsmuster unmittelbar entnehmen können. Denn Lehre, Praxis und Macht des Christentums wurden und werden immer noch durch den Originaltext der Bibel bestimmt und geformt und nicht durch das, was moderne Theologen an Interpretationen entwickelt haben oder an zeitgeistiger Deutung uns anbieten.

Auch heißt es oft, man dürfe die Aussagen der Bibel nicht mit heutigen Maßstäben beurteilen, man müsse vielmehr den geschichtlichen Rahmen dieser Zeit berücksichtigen. Die Menschenrechte, die wir als Leitbild immer vor Augen hätten, seien schließlich ein Ergebnis erst der jüngeren Zeit, deshalb sei es unangebracht, an die Texte der Bibel mit diesen heutigen Kriterien heranzugehen. Das ist gewiss richtig. Dennoch war bestimmt auch damals schon das von Gott befohlene Pfählen von Andersgläubigen (Num 25, 1-5) ein Akt schlimmster Barbarei und das Zerschmettern unschuldiger Kinder an Felsen (Psalmen 137, 8-9) nichts anderes als elender Mord. Und im Übrigen: Gott als angeblicher Urheber der biblischen Worte hätte es in seiner Allwissenheit und Zeitlosigkeit auch damals schon besser wissen müssen!

Die Bibel ist eben ein Produkt einer Zeit, in der ein Menschenleben noch keinen besonders hohen Stellenwert hatte und die Menschenrechte eine Thematik bildete, die weit außerhalb des Denkens der Bibelautoren lag. Die Menschenrechte, wie wir sie heute verstehen, wurden vielmehr erst in den Zeiten der Aufklärung aufgrund des eklatant inhumanen Verhaltens der Kirche in einem verzweifelten Ringen gegen die Modelle des Christentums und gegen die Machtansprüche eben dieser Kirche nach und nach formuliert und durchgesetzt. Genau aber aus diesem historischen Grund kann und darf die Bibel nicht Norm und Grundlage einer heute gültigen Moral sein.

Die katholische Kirche hat die Menschenrechte als »unselige Irrtümer der Moderne« noch im 19. Jahrhundert bekämpft. Erst auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) rang sich die katholische Kirche zur Anerkennung eines ganz zentralen Menschenrechts durch, nämlich der Religionsfreiheit, einschließlich der damit verbundenen Gedanken- und Gewissensfreiheit. Dieser Meinungswechsel erfolgte gewiss nicht freiwillig, er war dem Druck der Entwicklung geschuldet, wollte die Kirche nicht noch weiter hinter den inzwischen anerkannten ethisch-moralischen Maßstäben der westlichen Welt zurückbleiben. 21 Der Münchener protestantische Theologe Friedrich Wilhelm Graf (*1948) äußerte in der Süddeutschen Zeitung: »Der moderne Verfassungsstaat, und speziell der Rechtsstaat in Deutschland, ist weithin gegen die Kirchen durchgesetzt worden. So wurde etwa noch weit bis in die fünfziger Jahre in den Diskursen beider großen Kirchen der Begriff ›Menschenrechte‹ eher kritisch gesehen als liberalistische Verirrung des modernen Menschen.« 22

Ich möchte mit einem Zitat schließen, das ich dem Buch von Franz Buggle (1933-2011) »Denn sie wissen nicht, was sie glauben – Oder warum man redlicherweise nicht mehr Christ sein kann« entnommen habe. Wesentlich ausführlicher, als ich es hier konnte und wollte, befasst er sich als Professor für Psychologie mit den Leitvorstellungen und Normen, die die Kirche ihren Gläubigen als Gottes Wort verkündet. Seine sehr differenzierte und zugleich sehr sachliche Analyse kommt zu einem vernichtenden Urteil:

»Einen Gott, der Eroberungskriege inklusive der ausdrücklich angeordneten Hinschlachtung von Kindern, Frauen und Greisen befiehlt, der eine inhuman grausame Blutjustiz immer wieder eindringlich fordert und die extrem grausame Hinrichtung seines eigenen Sohnes als Sühneopfer ausdrücklich wünscht, der Teilgruppen und Minderheiten wie etwa Frauen und Sklaven diskriminiert, der die Ausrottung Andersgläubiger befiehlt, Geisteskrankheit auf Besessenheit zurückführt oder ewige (!) Höllenstrafen androht, einen solchen Gott, auch wenn er, extrem widersprüchlich, an anderer Stelle Nächstenliebe, ja sogar Wehrlosigkeit fordert, als höchstes absolutes Vorbild und Verhaltensmodell zu propagieren, scheint (mir) schwer zu rechtfertigen: Die Geschichte hat ja gezeigt, wie sehr der Mensch dann auch darin zum Ebenbild Gottes wurde.« 23

Am Ende seines Buches kommt Buggle zu dem Schluss, dass der Gott der Bibel als Vorbild und Verhaltensmodell in keiner Weise zu rechtfertigen ist. Ich füge hinzu: Dieser Gott und sein Moralsystem sind aus der Perspektive der inzwischen erreichten Humanitätsstandards – wie sie zum Beispiel in der Europäischen Menschenrechtskonvention niedergelegt sind – als das zu bezeichnen, was sie nur sein können: eine Etappe in der an Stationen und Umwegen reichen Geschichte der Menschheit zu einem wahrhaft menschlichen gesellschaftlichen Miteinander. Denn nicht Gott oder ein heiliger Geist hat die biblischen Texte verfasst, sondern Menschen, die in einem mühsamen, opfervollen und von Rückschlägen gekennzeichneten Prozess sich dem ganz langsam nähern, was dereinst einmal menschliches und faires (= Interessen ausgleichendes) Miteinanderumgehen sein könnte. Das meint, in dem Anderen einen Menschen zu sehen, der im Prinzip die gleichen Wünsche und Bedürfnisse hat wie ich. Den Wunsch nämlich, ein in seinem Sinne erfülltes und geglücktes Leben führen zu können, und das Bedürfnis, in der Not nicht alleingelassen zu werden. Und dies immer in dem Wissen, dass der jeweils Andere, wenn auch auf seine Weise, glücklich werden möchte. Dieses zutiefst menschliche und eigentliche Ziel allen gesellschaftlichen Strebens kann ich in der Bibel nicht erkennen. Ihre Ziele sind – vor allem im Neuen Testament – in ihrem ganzen Trachten auf ein erhofftes jenseitiges Glück gerichtet und missachten, dass der Mensch zunächst einmal ein irdisches Wesen ist, mit irdischen Bedürfnissen und irdischen Sehnsüchten.

Kommentare (1)

Stanislav am 25.09.2016 14:49:35

Ihr lästert Gott und tut das, was Satan von euch will.

Du sollst kein falsch Zeugnis reden, das 9te Gebot.

Jeder gottloser und gesetzloser Mensch, der die 10 Gebote Gottes bricht, wird seinen Lohn, den ewigen Tod, durch die Plagen erhalten.

Ihr seid Sklaven eurer Sünden, die das Gericht über euch bringen.

Gott der himmlische Vater sagt:

„Eure Städte brennen, ihr und eure Kinder weint, ihr heulet und jammert über die Geschehnisse in eurer Welt und doch sucht ihr Zuflucht bei den falschen, bei denen, die euch belügen, die euch Funken Hoffnung schenken und doch mit Lug und Trug daher kommen, um euch weiterhin zu belügen, euch irrezuführen und euch zu versklaven.

Ihr seid versklavt, ihr seid Sklaven des Systems, das Satan gehört.

Er schenkt euch Führer, die euch wieder verführen und euch wieder belügen, ihr vertraut immer wieder auf die falschen.

Um euch herum brennt es, ihr werdet vergewaltigt, ihr werdet geschlagen, ihr werdet belogen und betrogen, ihr werdet ausgeraubt.

Man schlägt euch und doch könnt ihr den Grund nicht erkennen, warum dies geschieht.

Eure Gottlosigkeit und Gesetzlosigkeit brachte euch in diese Situation und doch sucht ihr Zuflucht bei denen, die euch belügen, anstatt zu mir, dem wahren Gott zu kommen, um bei mir Zuflucht zu suchen, damit ich euch mit meinen Fittichen bedecken kann, damit ich meine Flügel über euch ausbreite und sich euch das Übel nicht mehr nahen kann.

Anstatt zu mir zu kommen und mit mir Frieden zu schließen, damit ihr in Frieden leben könnt, weil die Welt euch keinen Frieden schenken kann, nein, ihr sucht immer wieder Zuflucht bei den Falschen, bei den Übeltätern, bei den Gesetzlosen, bei den Gottlosen, bei den Lügnern.

Doch die Tage werden noch schlimmer werden, sie werden noch viel, viel schlimmer werden.

Ihr ernährt euch mit Gift, ihr trinket Gift, ihr esset Gift, ihr ziehet Gift an, ihr schlaft in Gift, ihr schauet Gift, ihr vergiftet euch von morgens bis abends und doch nennt ihr euch gesund.

Man vergiftet euch mit Lügen, man vergiftet euch Tag für Tag und doch nennt ihr euch, wir sind geborgen, wir sind gesund, uns geht es gut.

Ihr seid schon so betäubt und so blind, das ihr nicht mehr sehen könnt, dass ihr tot und elend seid.

Erst wenn ihr jämmerlich sterben werdet, erst wen ihr im Tode liegt, über euch das Blut sich ausgießt, erst wenn die Stürme über euch aufkommen und euch hinwegfegen, erst wenn all die Unglücke in euer Welt eure Häuser vernichten, erst wenn eure Kinder dahingenommen werden und ihr sie nicht mehr seht, erst wenn ihr nichts zu essen und nichts zu trinken habt, erst wenn eure Fernseher euch genommen werden und eure Zeitungen, von denen ihr redet, sie predigen das Gleiche, somit ist dies die Wahrheit, obwohl sie euch Tag für Tag belügen, erst wenn euch genommen wird was euch lieb ist, erst wenn euch dies alles genommen wurde, erst dann seht ihr was in der Welt geschieht.

Um euch brennt es, um euch brennt es und doch sagt ihr, wir leben in Frieden, uns geht es gut.

Nein, euch geht es überhaupt nicht gut, ihr seid tot, ihr seid nackt und ihr seid arm.“

Botschaft an das Volk Gottes
Ihr seid Sklaven eurer Sünden,
die das Gericht über euch bringen.

1.Johannes 4:6 Wir sind aus Gott. Wer Gott kennt, hört auf uns; wer nicht aus Gott ist, hört nicht auf uns. Daran erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist des Irrtums.

https://youtu.be/6KFA5hfbfUM

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