Warum ich kein Christ sein will

Vorwort

Widmung und Danksagung

Dieses Buch habe ich meinen Eltern gewidmet. Meiner Mutter, die sich zeitlebens lebhaft für philosophische, religiöse und allgemeine naturwissenschaftliche Fragen interessierte, es aber oft mit der Fachsprache des Spezialisten nicht leicht hatte; meinem Vater, der in mir das Interesse an »Gott und der Welt« weckte und der mir die kritische Grundhaltung in religiösen Fragen vorlebte. Und hoffentlich wird dieses Buch auch meinen Sohn Björn ermutigen, trotz kultureller Vorgaben und vielfältigen gesellschaftlichen Drucks in Sachen Religion eine vernunftbasierte Position zu entwickeln und zu leben.

Zu großem Dank verpflichtet bin ich vor allem meinem Bruder Volker, der mein Vorhaben von Anfang an und in allen Phasen kritisch aber stets ermunternd begleitete und mit einer Vielzahl wertvoller Vorschläge bereicherte. Auch mein Bruder Jürgen war mir aufgrund seines Wissens und seiner unbestechlichen Logik ein wichtiger und sehr anregender Gesprächspartner. Meine Schwester Gudrun begegnet diesem Thema aus einer ganz anderen Perspektive und hat völlig andere Vorstellungen von Gott und der Welt als ich; es sind Auffassungen, die ich respektiere, wenn auch nicht teile, und die doch zugleich zur Präzisierung meines Weltbildes beigetragen haben.

Ferner danke ich meinen Freunden Achim Rosenhahn und Werner Menzel für stundenlanges kritisches und weiterführendes Diskutieren meiner Texte. Pfarrer Harald Groß hat mich mit seiner geduldigen Gesprächsbereitschaft beeindruckt und ist mir trotz gegenteiliger Auffassungen in Glaubensfragen stets ein toleranter und verständnisvoller Dialogpartner gewesen; ich habe ihm zudem eine Reihe von Richtigstellungen zu verdanken. Pfarrer Jens Teuber hat mir heftig widersprochen; er veranlasste mich aber zu Recht, einige missverständliche und ungerechte Äußerungen zu überarbeiten und manche unnötige Schärfe im Text zu entfernen. Schließlich danke ich für Zuspruch und oft berechtigte Kritik – beides in je unterschiedlichem Maße – Dr. Ute Szudra, Hille Lahring, Jürgen Keller, Roswitha Braun und nicht zuletzt meiner Frau Dr. Elfi Bendikat.

In die 3. Auflage gingen auch eine Reihe von Verbesserungsvorschlägen und Korrekturen ein, die ich von Lesern erhielt, die mich über meine Internetadresse kontaktierten, namentlich seien genannt Prof. Dr. Uwe Hillebrand (www.warumglaubstdunoch.de) und Prof. Dr. Wolfgang Klosterhalfen (www. reimbibel.de), der im Internet wohl als erster empfehlend auf mein Buch verwies. Hilfreiche Kritik und viel freundschaftlichen Rat erhielt ich ferner von Dr. Dr. Joachim Kahl.

Zur 4. Auflage ermunterten mich die nahezu ausschließlich sehr positiven Rezensionen bei den Internet-Buchversendern. Auch die Würdigungen, die dieses Buch durch die Giordano Bruno Stiftung und durch den Humanistischen Pressedienst und andere humanistisch orientierte Gruppierungen erfuhr, haben mich in der Auffassung bestärkt, dass man sich auch als theologischer Laie zu Fragen des Glaubens und der Kirchen zu Wort melden sollte.

Besonders bedanken möchte ich mich bei folgenden mir Wohlgesinnten, die mich wie Lektoren mit zahlreichen Hinweisen auf sachliche Ungenauigkeiten und vielen wertvollen inhaltlichen und sprachlichen Anregungen unterstützten. Es sind (in alphabetischer Reihenfolge): Jan Achtmann, Jürgen Beetz, Erich F. X. Bliemel, Prof. Dr. Gerd Doerry, Univ.-Doz. Dr. Georg Dorn, Henry Mattheß und Frank Spade.

Den Anstoß zur 5. Auflage gab vor allem die Vielzahl von Zuschriften, die ich per E-Mail, in Internet-Diskussionsforen, im Netzwerk Facebook und als Internet-Rezensionen erhielt. Diese Form des Gedankenaustauschs engagierter und an einer Sache interessierter Menschen, die sich untereinander persönlich meist nicht kennen, ist inzwischen ein Merkmal unseres informationstechnologisch geprägten Zeitalters. Diese Kommunikationsformen haben sehr zur gesellschaftspolitischen Bewusstseinsbildung beigetragen und zur Entwicklung neuer politischer Aktionsformen mit vielfachen Vernetzungen geführt. Diese überregionalen, oft globalen Verbindungen bilden inzwischen immer mehr ein Gegengewicht zu den etablierten, oft verkrusteten politischen und kirchlichen Machtstrukturen. Ich freue mich, dass diese neue Form von Teilnahme an der religions- und kirchenkritischen Reflexion bei meinem Buch intensiv genutzt wurde.

Berlin, im September 2012

Warum dieses Buch?

Dieses Buch ist hervorgegangen aus persönlichen Aufzeichnungen und Materialien, die ich über viele Jahre gesammelt habe. Ich wollte mir im Sinne einer kritischen Selbstvergewisserung Klarheit verschaffen über einige mich seit Jahrzehnten bewegende Fragen – soweit es mir jedenfalls mit meinen Mitteln möglich war und soweit das überhaupt erreichbar ist. Zu diesen Fragen gehören jene nach dem Stellenwert von Wissenschaft, speziell von Naturwissenschaft, für unser Leben, insbesondere der Geltung ihrer Erkenntnisse für Gestaltung und Deutung unseres Daseins. Es geht um Fragen nach unserer Stellung und Bedeutung im Kosmos, nach der möglichen Existenz Gottes und ob der Gott, der in der Bibel beschrieben wird, für uns heutige Menschen so überhaupt »glaubwürdig« sein kann. Ich frage mich, warum so viele Menschen an Dinge glauben, die so offensichtlich – oder doch nur scheinbar? – im Widerspruch zu Vernunft und Wissen stehen. Auch versuche ich, eine mich überzeugende, sprich »vernünftige« Antwort nach dem Sinn des und auch meines Lebens zu finden. Nicht zuletzt bewegt mich die nur scheinbar akademische Frage, ob wir über einen freien Willen verfügen, der es uns erlaubt, wirklich Herr unserer Entscheidungen zu sein und damit für alles, was wir in diesem Leben tun oder lassen, so Verantwortung zu übernehmen, wie es zum Beispiel das Strafrecht oder christlicher Glaube von uns verlangen.

Ich habe also über mein Dasein nachgedacht, über die Fragen, warum ich, warum wir hier auf dieser Erde sind und ob wir jemals fähig sein werden, uns und das uns umgebende Universum zu begreifen? Über diese Dinge habe ich zeitlebens – in manchen Lebensphasen mehr, in anderen weniger – versucht, mir Einsicht, Klarheit, ja möglichst Gewissheit zu verschaffen. So wie es ungezählte andere Menschen auch taten und wohl immer tun werden. Eine ganz zentrale Rolle spielt dabei natürlich die philosophische beziehungsweise erkenntnistheoretische Frage, wieweit wir überhaupt in der Lage sind, verlässliche Erkenntnisse über uns und die Welt zu erlangen. In diesem Buch versuche ich, die mir wesentlich erscheinenden Überlegungen, Einsichten und Überzeugungen zu den genannten Fragenkomplexen zusammenfassend darzustellen und mich dabei der Gültigkeit, zumindest Plausibilität der Antworten so weit wie möglich zu vergewissern.

Es geht um nichts Geringeres als um die Wesensfragen unserer Existenz hier auf dieser Erde, die sich so viele andere Menschen vor mir auch schon gestellt haben: Wer sind wir? Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Worauf können wir hoffen? Wer will ich sein, wer sollte ich sein? Wer oder was gibt dem Ganzen einen Sinn? Das intensive Suchen nach Antworten, ja möglichst Gewissheit in diesen existenziellen Fragen drückte sich in der Phase des Abiturs in dem ernsthaften Wunsch aus, Theologie zu studieren. Die Ahnung, dass dies für mich zu keinem guten Ende führen würde, ließ diese Absicht aber wieder in den Hintergrund treten. Die damals verdrängte Frage nach meiner Einstellung zu Christentum und Kirche ist für mich nach dem Ende meines Berufslebens wieder bedeutsam geworden und wird ein zentrales Thema dieses Buches sein. Ich versuche, vor mir zu begründen und möchte anderen erklären können, warum ich kein Christ sein kann und auch nicht sein will.

Dies ist somit ein Buch, das sich Fragen der Philosophie und der christlichen Religion und den grundlegenden Erkenntnissen und Folgerungen der modernen Naturwissenschaften widmet. Dies allerdings nicht in der für solche Bücher typischen Form, nämlich systematisch, umfassend, in der anspruchsvollen Sprache des Spezialisten abgefasst. Ich habe mich nur mit jenen Themen befasst, die mir für mein – ich betone: mein – Nachdenken über »Gott und die Welt« wichtig erschienen. Die Auswahl der Themen ist deshalb sicherlich subjektiv und doch – wie ich hoffe, zeigen zu können – wohlüberlegt. Ich möchte aber noch einmal unterstreichen, dass ich dieses Buch – zunächst jedenfalls – nur für mich geschrieben habe. Dies allerdings in der wohl nicht unbegründeten Annahme, dass meine Fragen und meine Antworten von vielen anderen Menschen ganz ähnlich formuliert würden. Ich meine deshalb, dass die hier mitgeteilten Gedanken auch andere Menschen interessieren könnten.

Als einen typischen Leser, der mir beim Schreiben vorschwebte, stellte ich mir meine inzwischen verstorbene Mutter vor. Sie interessierte sich zeitlebens für Fragen der Philosophie und der Religion, aber auch für Erkenntnisse moderner naturwissenschaftlicher Forschung und die daraus folgenden Konsequenzen für unser heutiges Weltbild. Ihr Problem war oft die Sprache der schreibenden Spezialisten, die sich zu wenig bemühten, verstanden zu werden, oder die sich gar nicht bewusst waren, dass ihre zu Papier gebrachten Einsichten der »Übersetzung« in Vorstellungswelt und Sprache des zwar Interessierten, aber nicht einschlägig und hinreichend Vorgebildeten bedurften. Ich hoffe, es ist mir gelungen, mich auf den folgenden Seiten über Philosophie, Glauben und Wissenschaft so mitzuteilen, dass ich von jedem Interessierten und Gutwilligen verstanden werde. Dabei ist mir sehr wohl bewusst, dass das Klare und Verständliche schnell im Verdacht des Trivialen und Selbstverständlichen steht.

Mein Interesse an den Naturwissenschaften und der Technik wurde früh durch meinen Vater geweckt. Ich erinnere mich noch, dass ich als etwa 13- oder 14-jähriger Junge zu Weihnachten ein Buch des Berliner Astronomen Bruno H. Bürgel bekam mit dem Titel »Aus fernen Welten – Eine volkstümliche Himmelskunde«. Dieses Buch legte den Grundstein für mein bis heute anhaltendes Interesse an Astronomie und vor allem Astrophysik. Ebenfalls zu Weihnachten bekam ich über viele Jahre die jeweils neueste Ausgabe der Jugendbuchreihe »Das Neue Universum«. Die darin enthaltenen, reich bebilderten Berichte über neueste wissenschaftliche Erkenntnisse, eindrucksvolle technische Entwicklungen und geplante außerirdische Forschungsexpeditionen wurden von mir immer begierig aufgenommen und haben ebenfalls wesentlich dazu beigetragen, dass mich naturwissenschaftliche und technische Themen ein Leben lang begeisterten.

Diskussionen über Religion blieben in unserer Familie nicht aus. Mein Vater war schon als junger Mann – sehr zum Leidwesen seiner gläubigen Mutter – aus der Kirche ausgetreten. Später trat er formal der evangelischen Kirche wieder bei, um uns Kindern nach der kriegsbedingten Vertreibung 1945 die Eingliederung in einer christlich-kirchlich geprägten Umgebung (Bayern!) nicht unnötig zu erschweren. Wir sollten den christlichen Glauben kennenlernen und später eine eigene Entscheidung treffen. An seiner ablehnenden Haltung der Kirche gegenüber ließ unser Vater jedoch nie einen Zweifel. Meine Mutter war eine liberale Katholikin – wenn der Begriff »liberal« überhaupt sinnvoll ist im Zusammenhang mit »katholisch« – soll heißen, sie blieb bei ihrem ihr anerzogenen Glauben, hatte aber nie Schwierigkeiten, andere Glaubensvorstellungen zu akzeptieren. Ein Bruder ist noch als Schüler in einer evangelischen Kirche nebenamtlich Organist geworden und hatte von daher natürlich eine enge Verbindung und Bindung zu allem, was sich in einer und um eine Kirche herum abspielt.

Ich selbst wurde erst mit 14 Jahren – gleichzeitig mit meinen drei Geschwistern – getauft und erst mit 16 Jahren konfirmiert. Die Folge meines gegenüber meinen Mitkonfirmanden relativ hohen Alters war, dass unser Pastor es mit mir, dem ständig nachfragenden und widersprechenden Jüngling, nicht leicht hatte. Er konnte mich in seiner bemühten aber schlichten Argumentation eigentlich nie überzeugen. Als Student bin ich dann aus der Kirche ausgetreten. Kurzum: Da in unserer Familie Fragen des Glaubens beziehungsweise Nichtglaubens immer eine Rolle spielten, lernten wir alle erst nach anfänglichen Schwierigkeiten, dass in diesen Fragen Toleranz dem Andersdenkenden gegenüber die einzige Möglichkeit ist, sich bei aller Unterschiedlichkeit doch als eine zusammengehörige Familie zu fühlen.

Meine Ansichten und Bekenntnisse in diesem Buch gründen auf der Überzeugung, dass es richtig und vernünftig ist, soweit es irgend möglich ist, sich seines Verstandes zu bedienen. Weder kirchlicher Glaube noch persönliche Erleuchtung anderer – und seien diese für den Betroffenen noch so bedeutsam und wegweisend – können für mich Richtschnur meines Denkens sein. Auch will ich mich nicht von der Künstlichkeit und Konstruiertheit christlicher Theologie vereinnahmen lassen. Das, was heutige Wissenschaft, insbesondere meine ich damit die Naturwissenschaften, als derzeit gesicherte Erkenntnis ansieht, ist für mich zunächst einmal maßgebend und Basis für alle weiteren Überlegungen. Vor allem ist es die streng logische und systematische Denkweise der heutigen Naturwissenschaften und ihre empirische Verankerung, die ich mir zum Vorbild genommen habe. Nur diese Denk- und Forschungsmethodik hat die faszinierenden Erfolge der Astronomie, der Physik, der Biologie oder beispielsweise der Medizin ermöglicht. Nur Logik und Empirie sind meines Erachtens in der Lage, verlässliche Erkenntnisse über unsere Welt zu gewinnen. Dabei ist mir sehr wohl bewusst, dass es Bereiche gibt, über die die Wissenschaft prinzipiell nichts sagen kann. Und ich verkenne auch nicht, dass unsere Einsichtsfähigkeit immer auch zeitbedingte und vermutlich wohl auch prinzipielle Grenzen hat. Dennoch bilden nach meiner Überzeugung rational-logisches Denken und naturwissenschaftlich erarbeitetes Wissen die sicherste und intellektuell befriedigendste Basis für unser Denken und Handeln. Denn worüber man nichts Begründetes sagen kann, kann man allenfalls spekulieren.

Sich seines Denkvermögens zu bedienen, heißt deshalb für mich, nichts zu »glauben«, was dem Verstand und wissenschaftlicher Erkenntnis eindeutig widerspricht. Zwar kann auch Wissenschaft nicht alles erklären, aber Glaube erklärt gar nichts. Damit möchte ich religiösen Gedanken nicht von vornherein ihre Berechtigung absprechen, aber feststellen, dass der Glaube zum Verständnis unserer Welt meines Erachtens nichts beiträgt. Auch bin ich überzeugt, dass über den eigentlichen Gegenstand des Glaubens mit den Mitteln des Verstandes nichts »Vernünftiges« im Sinne von »der Vernunft zugänglich« gesagt werden kann. Wohl aber sollte es statthaft sein, über logische Widersprüche innerhalb einer Glaubenslehre und zwischen Glaubenslehre und erlebter Wirklichkeit – jedenfalls wenn sich ihre Aussagen auf das so genannte Diesseits beziehen – kritisch nachzudenken.

Dieses Buch ist von einem Laien geschrieben worden. Ich bin Nichtfachmann in Sachen Philosophie und Theologie, auch die hier zusammengetragenen Erkenntnisse über Kosmologie, Mikrophysik, Evolutionsbiologie und Hirnforschung habe ich als Laie verfasst. Allerdings immer in dem entschiedenen Bemühen, diese Dinge erst selbst zu verstehen, um sie anschließend verstehbar darzustellen. Mein naturwissenschaftlich-technisches Studium zum Diplom-Ingenieur der Nachrichtentechnik und Elektronik und das darauf folgende geisteswissenschaftlich orientierte Studium der Erziehungswissenschaft mit berufskundlich-informatischem Schwerpunkt und nicht zuletzt meine jahrzehntelangen Erfahrungen als Hochschullehrer an der Universität haben mir – so denke ich – die Arbeit sehr erleichtert.

Aber es gibt noch einen weiteren Grund, der mir Mut machte, auch ein nicht-fachliches Buch zu schreiben, also ein Buch, dessen Thematik nicht dem eigenen universitären Lehr- und Forschungsgebiet, der Bildungsinformatik, entstammt. Ich meine, dass es jedem erlaubt sein muss, an existenzielle Fragen mit jenem Verständnis heranzugehen, das man als »gesunden Menschenverstand« zu bezeichnen pflegt. Es kann doch nicht richtig sein, dass man nur nach einem mehrjährigen akademischen Studium der Theologie oder der Philosophie befähigt sein sollte, für sich gültige Antworten in Fragen des rechten Glaubens und eines erfüllten Lebens zu finden. Jeder Mensch, ob gebildet oder nicht, ob studiert oder nicht, ob geistreich oder einfach denkend, hat das Recht, nach den für ihn »richtigen« Antworten zu suchen. Die Kriterien allerdings, die ich an die Aussagen meines »Weltbildes« anlege, sind innere Stimmigkeit, sie dürfen sich also logisch nicht widersprechen, und sie sollten mit meinen Erfahrungen übereinstimmen, insbesondere dürfen sie derzeit als gesichert angesehenen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen nicht zuwiderlaufen.

Die Kapitel I bis IV versuchen, ein naturalistisches Weltbild auf der Basis heutigen Wissens zu skizzieren. Verschiedentlich wurde kritisiert, dass dieser Teil zu umfangreich ausgefallen sei. Ich möchte deshalb die Wichtigkeit dieser Ausführungen ausdrücklich betonen. Es geht mir darum, nicht nur weichenstellende Ergebnisse der heutigen Naturwissenschaften und deren philosophisch-theologische Folgerungen mitzuteilen, sondern auch zu verdeutlichen, welcher Denkweise diese Einsichten zu verdanken sind. Dieses wissenschaftliche Denken mit den dahinter liegenden Prinzipien verständlich zu machen, bedarf mehr als einer bloßen Auflistung von wissenschaftlichen Fakten. Die Kapitel V und VI bauen auf diesem naturwissenschaftlich geprägten Weltverständnis auf und möchten zeigen, dass herkömmlicher Gottesglaube und christliche Lehre sich damit nicht mehr vereinbaren lassen. Auch die weithin unbekannte Amoral der Bibel und die Geschichte der Kirche werden ausführlich behandelt. In Kapitel VII beschreibe ich meinen Gegenentwurf. Das letzte Kapitel VIII fasst noch einmal meine grundsätzlichen Gedanken über »Gott und die Welt« zusammen.

Dieses Buch soll und kann keine erschöpfende Behandlung der aufgeworfenen Fragen darstellen. Ich habe die Probleme so weit diskutiert, bis ich – ich betone: ich – das Gefühl hatte, für mich befriedigende und überzeugende Antworten gefunden zu haben. Dazu habe ich die Argumente – klassische, neuere sowie von mir entwickelte – zusammengetragen, die mir am einleuchtendsten erschienen und dem entgegenkommen, was man den erwähnten »gesunden Menschenverstand« nennt.

Noch einmal sei es deshalb gesagt: Das Buch wendet sich nicht an den Philosophen und Theologen beziehungsweise Religionswissenschaftler und will nicht die aktuellen Kontroversen zwischen ihnen aufgreifen. In meiner Auseinandersetzung mit Kirche und Christentum wird deshalb so manches Argument auftauchen, das dem Fachmann wohlbekannt ist und ihn daher nicht mehr beeindrucken wird. Für mich und den von mir angesprochenen Leser verliert ein solches Argument dadurch aber keinesfalls an Bedeutung. Ein Argument büßt ja nicht dadurch an Überzeugungskraft ein, wenn es – wie in Diskussionen oft üblich – mit einer abwertenden Handbewegung als »altbekannt« abqualifiziert wird. Entscheidend bleibt sein argumentativer Gehalt, seine logische, empirische oder historische Substanz.

Mein gedachter Leser ist der »normale« Mitmensch, dessen alltägliches Denken um die Bewältigung seines »normalen« Lebens kreist, den aber von Zeit und zu Zeit und im Alter zunehmend auch religiöse beziehungsweise weltanschauliche Fragen beschäftigen. Ihn interessieren dabei weniger akademische Auseinandersetzungen um biblische Textinterpretationen oder zum Beispiel diffizile theologische Probleme etwa der Wiedervereinigung von katholischer und evangelischer Kirche. Vielmehr möchte er Antworten haben auf Fragen wie etwa: Was bedeutet mir eigentlich der christliche Glaube, passen dessen Kernaussagen und heutiges Weltverständnis überhaupt noch zusammen, was kann und soll ich eigentlich glauben?

Das Buch wendet sich an Leser, die eine zusammenfassende Darstellung von Argumenten gegen den christlich-kirchlichen Glauben und Gedanken und Entwürfe für ein alternatives Weltbild suchen. Ich möchte ihnen die Furcht vor dem Abschied vom Glauben nehmen und zeigen, dass man auch ohne diese Illusion ein erfülltes und moralisch untadeliges Leben führen kann. Die Zahl der Menschen mit einer kritischen bis ablehnenden Einstellung zu Kirche und Christentum ist viel größer, als es Politik und veröffentlichte Meinung wahrhaben wollen.

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